Coronavirus: 72 Selbstständige in Dorsten kämpfen ums Überleben

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Corona macht Solo-Selbstständige und Eventmanager in Dorsten fertig: Sie leiden heftig unter der Krise. In Dorsten sind 72 Unternehmen akut gefährdet.

Dorsten

, 23.06.2020, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat viele Branchen erwischt. Besonders betroffen sind aber kleinere, selbstständige Unternehmen in Dorsten. Und vor allem auch Unternehmer, die in der Veranstaltungsbranche tätig sind. Darunter Thomas Hein mit seiner Dorstener Veranstaltungsagentur interevent.

Thomas Hein organisiert mit seiner Agentur seit Jahren die Bierbörse in Dorsten. Dieses Jahr fällt sie flach.

Thomas Hein organisiert mit seiner Agentur seit Jahren die Bierbörse in Dorsten. Dieses Jahr fällt sie flach. © Moritz Brilo

Interevent ist eine Größe in der Branche mit elf Angestellten und einem Auszubildenden. Und immer für ein Event gut, um die Dorstener und das Publikum von auswärts zu unterhalten. Wie mit der Bierbörse in der Altstadt.

Sie fällt 2020 flach wegen Corona. Thomas Hein spricht deshalb offen aus, welche Existenzängste seine Mitarbeiter und ihn plagen: „Alle Veranstaltungen zu untersagen, bricht uns das Genick. Die Reserven werden verbraucht, die Soforthilfe kam, reicht aber nicht weit. Kredite werden aufgenommen, Überbrückungshilfen kommen, aber es reicht nicht lange“, so Thomas Hein.

Jobcenter kennt die Nöte der Selbstständigen

Klaus Lammers, Leiter des hiesigen Jobcenters, kennt die Nöte der Selbstständigen. Hunderte Arbeitsplätze in Dorsten von Solo-Selbstständigen oder kleineren Unternehmen mit einigen Angestellten sind akut gefährdet. Die Betroffenen bangen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Dem Dorstener Jobcenter liegen aktuell Anträge von 72 solo-selbstständigen bzw. Kleinunternehmen vor, die auf Stütze angewiesen sind. Viele Gesetzmäßigkeiten seien von Corona außer Kraft gesetzt worden, sagt Lammers. Die Selbstständigen in Dorsten litten besonders unter der Pandemie.

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Bis Mitte Juni lagen dem Jobcenter laut Lammers Arbeitslosmeldungen von 72 Unternehmern vor. „Darunter auch Firmen mit bis zu fünf oder sechs Mitarbeitern.“ 23 Bewilligungen seien bisher ausgesprochen worden. „Alle anderen haben uns gesagt: Es wird schwierig“, sagte Lammers am Montagabend im Sozialausschuss. Und: „Wir hoffen momentan noch, dass sich einige Selbstständige doch noch fangen und uns mitteilen: ,Wir brauchen keine Hilfe mehr‘.“

Stellenangebote haben sich verflüchtigt

Bemerkbar mache sich die Coronakrise auch bei Jobangeboten. „50 Prozent der Stellenangebote sind unerledigt verloren gegangen“, berichtete Lammers. Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk seien die Branchen, wo der Verlust der meisten Jobangebote spürbar sei.

Verlierer der Corona-Krise sind aber auch die Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Denn Mittel für Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen wurden ebenfalls nicht abgerufen, weil die Schulen geschlossen wurden. „Es hat keine Nachhilfe gegeben, keine gemeinsamen Mittagessen in den offenen Ganztagsschulen, auch keine Klassenfahrten.“

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