Coronakrise: Dorstener Werkstatt plant behutsame Öffnung

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Werkstätten für Menschen mit Behinderungen dürfen demnächst auch wieder öffnen. Eine Rückkehr ist für die Beschäftigten in Dorsten und Umgebung freiwillig, weil sie besonders gefährdet sind.

Dorsten

, 09.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Zuge der jüngsten Lockerungs-Ankündigungen bekamen auch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen grünes Licht. Sie dürfen den Betrieb in den kommenden Wochen behutsam wieder aufnehmen. Besondere Vorsicht ist geboten, denn viele Menschen mit Behinderungen zählen zur Risikogruppe.

Einen Tag nach Ankündigung der Lockerungen durch die Landesregierung hatte die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen als Betreiberin der Werkstätten auch den genauen Wortlaut der Verordnung vorliegen: „Sie besagt im Grunde das, was wir uns auch überlegt hatten“, sagt Diakonie-Sprecher Michael Wiese. „Die Öffnung erfolgt schrittweise. Wir haben alle Beschäftigten angeschrieben und um Rückmeldung gebeten, ob sie wieder in die Werkstatt kommen wollen. Die Rückkehr ist freiwillig.“

An den beiden Standorten der Dorstener Werkstatt in Wulfen und in der ehemaligen Laurentiusschule in Lembeck sind normalerweise rund 250 Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Seit Mitte März dürfen sie die Werkstätten nicht betreten. Damit ging auch die für viele so wichtige feste Tagesstruktur verloren.

Bis zu sechs Personen in Notbetreuung in Wulfen

Die Beschäftigten müssen sich in ihren Wohneinrichtungen, bei ihren Eltern oder zu Hause aufhalten. In den Werkstätten wurde eine Notbetreuung eingerichtet für Personen, deren Eltern in systemkritischen Berufen arbeiten. „Das ist inzwischen erweitert worden, sodass der Besuch der Notgruppe auch für Personen möglich ist, bei denen eine Betreuung aus psychologischen oder sozialen Gründen dringend geboten ist“, so Wiese. Am Standort Wulfen werden bis zu sechs Personen betreut.

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Ein Teil der hauptamtlichen, nicht behinderten Mitarbeiter (Fachkräfte) hat die Arbeit in den Werkstätten übernommen. „Wir haben ja auch Bereiche wie beispielsweise die Berufswäsche für die Feuerwehr, die weiterlaufen müssen“, sagt Wiese. Andere Bereiche, etwa in der Metallverarbeitung oder Montage, ruhen hingegen. Dafür wurde eine neue Produktion aufgebaut: Unter anderem in Lembeck haben die Fachkräfte in den vergangenen Wochen rund 20.000 Masken genäht.

Unterstützung für die Wohneinrichtungen

Der andere Teil der Fachkräfte unterstützt die Wohneinrichtungen bei der Betreuung der Beschäftigten. Das laufe unter der Überschrift „Arbeit und Bildung in die Wohneinrichtungen bringen“, so Wiese. „Die Hilfe ist dankbar angenommen worden.“

Einen Termin, wann die Menschen mit Behinderungen in den Dorstener Werkstätten wieder arbeiten können, gibt es noch nicht. „Wir müssen jetzt Hygienekonzepte entwickeln und prüfen, welche Räume wie viele Arbeitsplätze zulassen“, sagt Weise. „Das ist ein relativ komplizierter Prozess.“ Demnächst soll es auch mit dem Neubau des Teils der Dorstener Werkstatt in Wulfen losgehen, der im Oktober 2018 von einem Feuer zerstört wurde.

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