Immer mehr jüngere Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Darüber hinaus gibt es weitere Folgen im Zusammenhang mit dem Lockdown. © picture alliance/dpa
Corona und Kinder

Corona und der Lockdown haben für die Jüngsten vielfältige Folgen

Corona ist für Dorstener Kinderärzte nicht erst, seitdem die Infektionszahlen bei Jüngeren steigen, ein Thema. Der Lockdown bringt Probleme mit sich, dabei ist der Nachwuchs gesund wie nie.

In der dritten Corona-Welle sind auch immer mehr jüngere Menschen betroffen. Müssen sich damit auch Kinderärzte vermehrt mit dem Thema beschäftigen?

Nicht unbedingt, meint die Dorstener Ärztin Dr. Caterina Wehling. „Corona ist in unserer Praxis schon lange Thema. Immer wieder kommen Eltern mit Fragen zu uns, erst zu den Masken, dann zu der neuen Mutante, jetzt vor allem zu Schnelltests“, berichtet die Medizinerin.

Sie habe versucht, sich darüber zu informieren, inwiefern die vermehrte Inzidenz mit dem deutlichen Anstieg der Tests zusammenhängt. Gerade Kinder als Kontaktpersonen seien lange Zeit nicht getestet worden. „Ich habe noch keine befriedigende Antwort bekommen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte, Kinder sind nach wie vor relativ milde betroffen“, vermutet Caterina Wehling. Nachfolgeerkrankungen wie das PIM-Syndrom oder „Long Covid“ dürften nicht vernachlässigt werden.

Vermehrt emotionale Probleme zu beobachten

Im zweiten Lockdown beobachtet sie, dass vermehrt emotionale und psychosomatische Probleme zu Tage treten. „Das können Schlafprobleme oder eine zunehmende Traurigkeit sein“, nennt Caterina Wehling Beispiele. Die Situation könne sich durch Reibungspunkte in den Familien verschärfen. Gerade der Distanzunterricht bringe einige Schwierigkeiten mit sich. „Wir sehen in der Praxis: Schule ist nicht nur zum Lernen, sondern auch für soziale Kontakte mit Freunden wichtig“, weiß die Kinderärztin.

Dr. Caterina Wehling ist Kinderärztin in Dorsten. © privat © privat

Deswegen seien Schnelltests und die damit verbundene Rückkehr der Kinder in die Schule grundsätzlich gut. Allerdings sei die Qualität der Tests nicht geklärt. „Da habe ich meine Zweifel, wie gut Grundschüler diese Tests durchführen können“, meint Caterina Wehling.

Kaum Grippefälle durch Lockdown: Ist das gut?

Das Social Distancing hatte auch Einfluss auf die Besucherzahlen, gerade im Winter. „Der Besuch geht deutlich zurück, die Kinder sind so gesund wie nie, weil sie isoliert sind“, erläutert eine weitere Ärztin, die namentlich nicht genannt werden will. Keine Grippewelle, kaum Magendarm-Erkrankungen: Dafür sorgt der Lockdown. „Ich weiß allerdings nicht, ob das für die Kinder so gut ist. Normalerweise bauen sie ja ein Immunsystem auf. Wir wissen nicht, was später passiert“, gibt die Medizinerin zu bedenken.

Weiterhin stellt sie zunehmenden Bewegungsmangel fest. „Gerade mit dem Schwimmen gab es in den letzten Jahren schon Probleme. Ich bin gespannt, wie viele Schwimmunfälle jetzt drohen. Mich ärgert es, dass die Bundesliga spielen darf und die Sechsjährigen zu Hause sitzen“, empört sich die Ärztin.

Beide Medizinerinnen erwarten weitere Folgen nach Ende der Pandemie. „Wir müssen schauen, dass wir einzelne Patienten auffangen und Hilfe anbieten“, blickt Caterina Wehling voraus und nennt Kinder- und Jugendpsychiater als mögliche Ansprechpartner.

Über den Autor
Volontär
Berichtet gerne von Menschen, die etwas zu erzählen haben und über Entwicklungen, über die viele Menschen sprechen.
Zur Autorenseite
Bastian Becker

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.