Helga und Karl Klomfaß haben dieses Jahr zwar auf vieles wegen Corona verzichten müssen, halten die Maßnahmen aber für sinnvoll. © Lydia Heuser
Coronavirus

Corona-Umfrage: Weihnachten könnte eine dritte Welle auslösen

Der Lockdown ist verlängert. Bei einer Umfrage in der Innenstadt fragen wir die Dorstener nach ihrer Meinung. Manch einer spürt kaum Veränderungen im Alltag, andere üben Verzicht.

Im Alltag spürt Elfi Heringslack kaum Veränderungen, seit es die Einschränkungen durch die Pandemie gibt. Sie sagt: „Ich lebe immer schon mit Corona.“ Damit meint die zweifache Mutter und Oma von zwei Enkelkindern, dass sie immer schon mit dem Rad statt mit dem Auto, Bus oder Bahn gefahren sei. „Wenn ich mit meinem Mann auswärts essen gehe, dann setzen wir uns eh draußen hin.“ Und ab Oktober trage sie seit jeher Handschuhe.

Auch das Fliegen fehle ihr nicht, da sie auch vor der Pandemie nie mit dem Flugzeug verreist sei.

Keine Klagen: „Wir leben doch im Paradies“

Andere Menschen spüren die Einschränkungen, die das Virus mit sich bringt, schon deutlicher. Das Ehepaar Klomfaß wollte dieses Jahr eigentlich nach Japan fliegen und den 80. Geburtstag mit 150 Leuten feiern. Aber daraus werde nichts. Trotzdem klagen Karl und Helga Klomfaß nicht: „Wir leben doch im Paradies im Vergleich zu der Situation in Neu Dehli oder den USA“, findet der 79-jährige Dorstener.

Für Helga Klomfaß steht fest: „Ich steige so schnell nicht in einen Flieger.“ Die Japan-Reise werde erstmal nicht nachgeholt.

Weihnachten im kleinen Kreis, obwohl die Politik mehr erlaubt

Das Paar ist vorsichtig, hat von sich aus die Kontakte reduziert. „Ich lasse Besuch nur noch im Ausnahmefall rein und mit Mundschutz“, so die 74-Jährige.

Auch Elfi Heringslack ist vorsichtig. „Ich will nicht meine Gesundheit aufs Spiel setzen.“ Weihnachten feiere sie deshalb nur im kleinen Kreis, mit Mann und Tochter, der Rest der Familie werde via Videoanruf dazugeschaltet.

Elisabeth Davy wird aus den gleichen Gründen ihre Mutter über Weihnachten nicht zu sich holen, wenngleich ihr die Entscheidung schwerfällt. 91 Jahre ist ihre Mutter. Der Lockdown im Heim habe Spuren hinterlassen. „Sie ist so sehr in sich gekehrt. Selbst der Sommer und unsere gemeinsame Zeit draußen in Cafés hat das alles nicht wieder auffangen können.“

Dennoch ist sie für die Maßnahmen. Kritik übt sie trotzdem: „Die Politik hätte von Anfang an eine stringente Linie fahren sollen.“ In ihren Augen spaltet sich die Bevölkerung in zwei Extreme: Die einen hielten sich an gar nichts und die anderen seien regelrecht panisch.

In Dorsten gibt es zwei neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. © Robert Wojtasik © Robert Wojtasik

Die Maskenpflicht in Fußgängerzonen sehen manche Dorstener kritisch. „Bei Menschenansammlung finde ich die Maske sinnvoll, aber an der frischen Luft, wo Abstand eingehalten werden kann, verstehe ich es nicht“, so eine 64-jährige Dorstenerin.

Sie fragt sich auch, warum zur Weihnachtszeit Treffen mit zehn Personen erlaubt werden. „Und danach kommt die dritte Welle, oder wie?“ Alle Befragten wollen auf solch große Feiern verzichten, obwohl sie erlaubt sind.

Manche erzählen aber auch von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, die sicherlich die Zehn-Personen-Regel ausschöpfen werden.

Dorstener richten sich darauf ein, dass das Virus noch lange Einfluss haben wird

Die Situation an den Schulen monieren Elisabeth Davy und das Ehepaar Bauch. „Das Land und auch die Stadt haben versäumt, in den Ferien und im Sommer alles zu organisieren“, findet Brigitte Bauch. „Gesplittete Klassen wären besser gewesen“, meint ihr Ehemann.

Elisabeth Davy weiß von ihrem Sohn, der gerade Abitur mache, dass jetzt zur kalten Jahreszeit die Lösung mit dem Lüften ungünstig sei. „Mein Sohn sagt, dass er vor Kälte kaum denken kann. Da müssen doch andere Lösungen her.“

Karl Klomfaß und auch das Ehepaar Brigitte und Klaus Bauch sind sich sicher, dass Corona mindestens noch ein Jahr den Alltag prägen wird. „Wir müssen lernen, damit zu leben“, rät deshalb die 64-jährige Dorstenerin, die ihren Namen nicht nennen will.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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