Corona-Lockdown: Fünf Betroffene aus Dorsten sprechen Klartext

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Am 2. November beginnt der zweite Corona-Lockdown. Er gilt für einige Branchen und dauert mindestens einen Monat. Betroffene Geschäftsleute aus Dorsten finden deutliche Worte.

Dorsten

, 29.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gastronomen, Fitnessclubs, Schwimmbad- und Kinobetreiber, Veranstaltungsagenturen - sie alle sind die Leidtragenden der jüngsten Corona-Beschlüsse. Am Montag geht nichts mehr für mindestens einen Monat. Fünf Beispiele aus Dorsten, was das bedeutet.

Hans Schuster: „Ich kratze an der Pleite“

Hans Schuster, Chef der Dorstener Veranstaltungsagentur „Nightaffairs Events & More“, ist normalerweise ein „Macher“. Doch jetzt? „Habe ich ein behördlich angeordnetes Berufsverbot“, sagt er. „Durch den erneuten Lockdown sind auch die letzten beiden Strohhalme weg, die das Jahr noch ein bisschen hätten retten können.“

„Ich kratze an der Pleite!“
Hans Schuster

Denn am Donnerstag (29.10) hätte der Aufbau des Oberhausener Weihnachtsmarktes begonnen, wo er mit seinem Team im Einsatz gewesen wäre. „Und auch die letzten Gespräche mit Sponsoren für eine Eisfläche auf dem Dorstener Marktplatz liefen gut“, sagt er. Doch beides findet nun nicht statt.

„Ich habe seit März keine Veranstaltungseinnahmen mehr gehabt“, betont Schuster. „Ich kratze an der Pleite, meine finanziellen Rücklagen sind aufgebraucht.“

Hans Schuster (Veranstaltungsagentur Nightaffairs & More) hat schwer mit der Coronakrise zu kämpfen.

Hans Schuster (Veranstaltungsagentur Nightaffairs & More) hat schwer mit der Coronakrise zu kämpfen. © Michael Klein (A)

Dass er um den Mai herum ein „Autokino“ für Dorsten organisiert hatte, wird ihm nun finanziell zum Verhängnis, sagt er. „Ich habe damit Verlust gemacht, hatte aber viel Umsatz“, so Schuster: „Und bekomme deshalb keine staatliche Überbrückungshilfe, weil sich die am Umsatz des Vorjahres orientiert.“ Schuster plant derweil die Organisation einiger großer Hochzeiten für das nächste Jahr: „Mein letzter Rettungsanker.“

Paul Underberg: „Das ist Feigenblatt-Politik“

Wenn Paul Underberg seinen Sohn morgens zum Schulbus bringt, sieht er, wie „aus den Türen der Wasserdampf kommt, wenn sie sich öffnen“. Doch das interessiere augenscheinlich niemanden.

„Das ist Feigenblatt-Politik.“
Paul Underberg

Dass ab Montag jedoch alle Fitnessclubs geschlossen bleiben müssen, obwohl sie ein umfassendes Hygienekonzept entwickelt haben, bezeichnet der Injoy-Geschäftsführer als „Feigenblatt-Politik“. Underberg will dagegen klagen, kündigt er an, „um zu sehen, was passiert“.

Paul Underberg vermisst das Augenmaß bei den jüngsten politischen Entscheidungen. Ein „wirtschaftliches Desaster“ für die Branche sieht er zunächst nicht, „wenn man vernünftig gewirtschaftet hat“.

Injoy-Geschäftsführer Paul Underberg will gegen die Schließung von Fitnessclubs klagen.

Injoy-Geschäftsführer Paul Underberg will gegen die Schließung von Fitnessclubs klagen. © Ralf Pieper (A)

Den mehr als 3000 Injoy-Mitglieder werden die November-Beiträge abgebucht und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt angerechnet. „Unsere Umsatzeinbußen kommen zeitversetzt und wahrscheinlich erst 2021“, sagt Underberg. „Denn wenn wir wieder öffnen können, kommen ja nicht sofort alle Sportler zurück. Das dauert ...“

Stephan Zabka: „Die Kulturbranche wird geopfert“

Auf der Homepage des Central-Kinos stand am Donnerstagmittag das Film-Programm für die ersten November-Tage noch. Aber auch hier gilt: Die Leinwand bleibt ab Montag (2. November) mindestens für vier Wochen lang dunkel. „Ich bin gerade dabei, online alles zu ändern“, sagt Stephan Zabka, der für die PR und das Programm des Kinos an der Borkener Straße zuständig ist und den Lockdown für seine Branche nicht nachvollziehen kann. „Die Kulturbranche wird geopfert“, sagt er.

Stephan Zabka betont, dass es in noch keinem Kino einen Corona-Ausbruch gegeben habe.

Stephan Zabka (Central-Kino) betont, dass es in noch keinem Kino einen Corona-Ausbruch gegeben habe. © Michael Klein (A)

„Diese Maßnahme ist grundsätzlich nicht nötig gewesen, bei den Gegebenheiten, die in den Kinos herrschen“, betont er: „Während des Films wird nicht gesprochen, der Abstand wird eingehalten, die Säle werden bei uns durch Frischluft permanent gelüftet“, so Zabka. „Und es gibt in Deutschland kein einziges Kino, wo eine solche Corona-Geschichte ausgebrochen wäre.“

„Diese Maßnahme ist grundsätzlich nicht nötig gewesen.“
Stephan Zabka

Abgesehen davon, dass er geplante Reihen und Sondervorstellungen verschieben muss („ohne zu wissen, wie es nach November überhaupt weitergeht“) und dass er für online bereits verkaufte Karten nun das Geld zurückerstatten muss, weist er auf ein weiteres Problem hin, das auf die Kinos zukommen wird: „Nun werden die Verleihfirmen wieder ohne Ende die Starttermine verschieben, sodass man überhaupt nicht mehr vernünftig planen kann.“

Klaus Heim: „Das ist ein tiefer Schlag für uns“

Viele privat Reisende haben in den letzten Stunden ihren Aufenthalt im Hotel Albert an der Borkener Straße storniert. Geschäftsleute seien verunsichert und informierten sich bei Inhaber Klaus Heim, ob das Hotel offen bleibe. Der Betrieb laufe zwar weiter, aber: „Über die November-Wochenenden werden wir sicher schließen. Geschäftsleute sind dann wohl kaum unterwegs“, nimmt Heim an.

Ursula und Klaus Heim werden prüfen, wie sie für ihr Hotel Albert und das Restaurant Tosca staatliche Hilfen beantragen können.

Ursula und Klaus Heim werden prüfen, wie sie für ihr Hotel Albert und das Restaurant Tosca staatliche Hilfen beantragen können. © Petra Berkenbusch (A)

Überhaupt zweifelt er daran, dass es mit den vier Wochen Lockdown getan sein wird: „Warum sollen wir es in vier Wochen mit leichten Einschränkungen schaffen, wenn wir es im Frühjahr innerhalb von vier Wochen mit starken Einschränkungen nicht geschafft haben, die Zahlen in den Griff zu bekommen? Hinzu kommt, dass die Zahlen jetzt viel höher sind.“

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60 bis 80 Stammmitarbeiter beschäftigt Heim im Restaurant Tosca und im Hotel Albert. „Es ist ein tiefer Schlag für uns“, gesteht er. Für November wird er Kurzarbeit beantragen und vermutlich auch für Dezember und Januar.

Das Restaurant wird Speisen zum Abholen anbieten und einen Zimmerservice für die Hotelgäste einrichten. „Wir machen dann eine kleine Karte für die Geschäftsleute und die Außerhaus-Kunden.“

„Es ist ein tiefer Schlag für uns.“
Klaus Heim

Finanziell auffangen werde diese Notlösung die Einbußen keinesfalls. „Wir müssen staatliche Hilfen in Anspruch nehmen“, nimmt Heim an, der nur noch auf die entsprechende Verordnung wartet.

Karsten Meyer: „Das tut mir in der Seele weh“

Am Sonntag um 21 Uhr wird der letzte Gast das Bad verlassen haben, dann kehrt

für mindestens einen Monat Ruhe ein im Atlantis. Kein Fitnesssport, keine Sauna - und ja, aus dem Spaßbecken wird das Wasser gelassen. „Wir nutzen die Zeit, um eine notwendige Sanierung am Kuppeldach vornehmen zu lassen“, sagt Geschäftsführer Karsten Meyer.

Die neuerliche Schließung des Atlantis' tut Karsten Meyer „in der Seele weh". Das Corona-Notlager im Atlantis ist allerdings gut ausgestattet. "Dorsten hat kein Versorgungsproblem mit Masken und Hygienemitteln."

Die neuerliche Schließung des Atlantis' tut Karsten Meyer „in der Seele weh". Das Corona-Notlager im Atlantis ist allerdings gut ausgestattet. „Dorsten hat kein Versorgungsproblem mit Masken und Hygienemitteln." © Stefan Diebäcker (A)

Das Atlantis hatte die Hygieneanforderungen in den vergangenen Monaten „übererfüllt“, betont Meyer. Die Umsätze in den Sommermonaten seien fast „ganz toll“ gewesen. Wie das? „Es durften zwar weniger Menschen hinein, aber durch die Drei-Stunden-Regelung hatten wir einen viel größeren Durchlauf.“

„Das tut mir in der Seele weh.“
Karsten Meyer

Doch ab Montag kommt erst mal niemand mehr ins Atlantis, auch die meisten Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben. „Das tut mir in der Seele weh, aber wir haben für die meisten Kolleginnen und Kollegen wieder Kurzarbeit anordnen müssen.“

Nur ein Rumpfteam an Technikern und Verwaltungsmitarbeitern bleibt im Bad, eine Hand voll Atlantis-Leute hilft dem Kommunalen Ordnungsdienst. Für wie lange? Niemand weiß es.

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