Corona-Krise: Wo Firmen aus Dorsten jetzt Hilfe bekommen

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Bund und Länder haben wegen der Corona-Krise Soforthilfen für Unternehmen beschlossen. Doch an wen können sich Firmen und Selbstständige vor Ort wenden? Ein Überblick.

Dorsten

, 30.03.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit milliardenschweren Soforthilfen unterstützen Bundesregierung und Landesregierung NRW in der Corona-Krise kleine und mittlere Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler. Dabei gibt es in Dorsten unterschiedliche Formen der Unterstützung.

Die Wirtschaftsförderung in Dorsten

Etwa 900 Zugriffe hatte die neu eingerichtete Internet-Seite der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (win-dor.de/corona) in der vergangenen Woche. „Dazu kamen etwa 120 telefonische Beratungen von Unternehmen“, bestätigte Windor-Geschäftsführer Josef Hadick auf Anfrage. „Dabei ging es vor allem um Zuschüsse zur Deckung der betrieblichen Kosten, Hilfen zum Lebensunterhalt und um weitere Hilfsangebote.“

Für die Beantragung von Zuschüssen für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter ist der Weg in NRW seit Freitag (27. März) frei und wird nach Ansicht von Hadick „schon heftig beschritten“. Die Anträge gehen über die Bezirksregierung, was davon aus Dorsten stammt, sei derzeit nicht bekannt. Gleiches gelte für beantragte weitere Fördermittel wie KfW-Kredite oder Bürgschaften.

Mittlere und große Unternehmen wählen bei Fördermitteln und Krediten in der Regel sofort den Weg über den Steuerberater oder die Banken, zumal zum Beispiel alle KfW-Kredite ohnehin über die Hausbanken eingespielt werden müssen, betont Hadick. „Außerdem bieten IHK und Handwerkskammer sowie Fachverbände teilweise sehr gute Beratungsangebote.“ Die sind auch auf der Windor-Seite verlinkt.

Die erste Dorstener Unternehmerkonferenz zur Corona-Krise fand per Videoschaltung statt.

Die erste Dorstener Unternehmerkonferenz zur Corona-Krise fand per Videoschaltung statt. © Stadt Dorsten

Dorstens Wirtschaftsförderung und Bürgermeister Tobias Stockhoff haben am vergangenen Freitag eine erste Dorstener Unternehmerkonferenz zur Corona-Krise organisiert. Geschäftsführer Josef Hadick und Prokurist Günter Aleff, Bürgermeister Tobias Stockhoff und Claudia Michel vom Verein „Sag Ja! zu Dorsten“ tauschten sich per Videoschaltung mit Vertretern verschiedener Branchen aus.

Das Handwerk leidet zwar unter Auftragsstornierungen, kann aber teilweise noch langfristige Aufträge abwickeln. Dagegen leidet der Einzelhandel unmittelbar und schwer unter den Einschränkungen des Alltags- und Geschäftslebens. Ein Thema waren deshalb die angekündigten Soforthilfen für Unternehmen, die nun beantragt werden können. Nach Medieninformationen läuft das Programm gut, allerdings gibt es aus Sicht der Dorstener Unternehmerschaft noch nicht die passenden Angebote für alle Firmengrößen und Branchen.

Vereinte Volksbank und Sparkasse Vest

Die Vereinte Volksbank stellt auf ihrer Homepage eine Datei zur Verfügung, die Mitglieder und Kunden bei den Kreditanträgen an Bund und Land unterstützt. Für mittelständische Unternehmen und Selbstständige hat die Vereinte Volksbank ein Info-Telefon (02362/204-299, montags bis freitags von 9 bis 16.30 Uhr) geschaltet. Vorstand Martin Wissing: „Allein zu den Sonderkredit-Programmen des Bundes und des Landes hatten wir rund 200 Kundengespräche in den vergangenen Tagen. Auch die Soforthilfe von Freiberuflern und Mittelständlern wird intensiv genutzt.“

Allerdings können Unternehmen und Selbstständige nicht sofort auf die öffentlichen Kreditmittel zurückgreifen. „Deswegen helfen wir bei der Schaffung von Liquidität, indem wir bis zu zwölf Monate Tilgungsaussetzung ermöglichen und über Sonderkonten eine Zwischenfinanzierung der staatlichen Hilfe sicherstellen“, so Wissing.

In einem Infoblatt fasst die Sparkasse Vest die wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten für Firmen- und Privatkunden zusammen. Es geht um staatliche Zuschüsse, günstige Kredite und das Aussetzen von Zahlungsverpflichtungen. Das Infoblatt ist mit Links versehen, die Interessierte unmittelbar zu weiteren Informationen und Anträgen leiten. Das Blatt finden sie auf www.sparkasse-re.de.

Für Firmenkunden hat die Sparkasse außerdem eine „Corona-Hotline“ (02361/205-4444) freigeschaltet.

Das Finanzamt

Die Finanzverwaltung kommt Unternehmen auf Antrag mit zinslosen Steuerstundungen und der Herabsetzung von Vorauszahlungen entgegen. „Diese Anträge werden in den Finanzämtern vorrangig bearbeitet, sodass diese Maßnahme schnellstmöglich umgesetzt wird“, teilte Philip Stromberg, stellvertretender Pressesprecher der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen, auf Anfrage mit.

Die Anträge könnten einfach als Anhang über das Kontaktformular auf der Internetseite des Finanzamts (finanzverwaltung.nrw.de) hochgeladen und direkt versendet werden. Alternativ können die Anträge auch weiterhin schriftlich per Post eingereicht werden.

Die Arbeitsagentur

Bei der Arbeitsagentur in Recklinghausen seien Anträge auf Kurzarbeit „exorbitant gestiegen“, sagte Pressesprecherin Cordula Cebulla. Arbeitsagentur und Jobcenter passten ihre Arbeitszeiten dem aktuellen Arbeitsvolumen vorübergehend an, um für Betriebe, Selbstständige und Arbeitnehmer erreichbar zu sein.

Es müssen nur noch zehn Prozent der Beschäftigten im Betrieb vom Arbeitsausfall betroffen sein und der Betrieb muss keine negativen Arbeitszeit-Salden mehr aufbauen, bevor er Kurzarbeitergeld beantragen (www.www.arbeitsagentur.de ) kann. Außerdem werden die Sozialversicherungsbeiträge in voller Höhe erstattet. Und: Ab sofort sind auch Zeitarbeitsunternehmen durch das Gesetz abgesichert, sie fielen vorher durchs Netz.

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