Glücklich vereint oder bald in einer Fernbeziehung? Die neuen Corona-Regeln sind manchmal schwer zu begreifen. © Martin Klose
Coronavirus

Corona-Irrsinn: Führe ich bald eine Fernbeziehung?

Ab einem Inzidenzwert von 200 werden wir an die Leine genommen. 15 Kilometer, weiter weg von Zuhause dürfen wir dann nicht. Für mich heißt das vielleicht bald: Ich habe eine Fernbeziehung.

Ich wohne in Duisburg, meine Freundin Vanessa lebt in Oberhausen. Da von einer „Fernbeziehung“ zu reden, ist natürlich absurd. Unsere Wohnungen liegen etwa 22 Kilometer auseinander. Keine 20 Minuten, dann bin ich bei ihr. Oder sie bei mir. Ein Katzensprung, nicht der Rede wert. Eigentlich.

Weite Fahrten nur mit triftigem Grund

Mit der neuerlichen Verschärfung der Corona-Schutzverordnung ist das anders. Denn wenn der Inzidenzwert in Duisburg über 200 steigt, darf ich „weite“ Fahrten nur aus triftigem Grund machen. Zum Beispiel zu meinem Arbeitsplatz nach Dorsten (37 km). Sehnsucht nach dem Partner ist vermutlich kein triftiger Grund. Auch wenn das für mich natürlich ein Argument ist …

Aber was zählt überhaupt für wen und wann? Und ab wo? So richtig ausgegoren scheint mir das alles nicht zu sein, was sich die Kanzlerin und ihre Länderchefs da überlegt haben. Und sie haben sich bisher auch nicht besonders viel Mühe gegeben, mir und vielen anderen Menschen diesen Corona-Irrsinn zu erklären.

„Symbolpolitik“ ist das, ahne ich. Aber die bringt uns in der Coronakrise selten weiter. Ich will ja nicht nach Winterberg zum Rodeln, sondern nach Oberhausen zum Turteln. Das war bislang erlaubt, andere Kontakte haben Vanessa und ich in den letzten Monaten natürlich deutlich reduziert. Und jetzt reduzieren wir die letzte Bastion, unser Zusammenleben?

In der verbotenen Zone oder knapp daneben?

Wenn also in Oberhausen der Inzidenzwert wieder über 200 steigt (was nach den Erfahrungen der letzten Wochen ziemlich wahrscheinlich ist), darf Vanessa nicht mehr zu mir. Ich wohne außerhalb des Radius‘. Oder doch nicht? Wenn erst ab der Stadtgrenze gemessen wird, dann bin ich haarscharf in der erlaubten Zone, glaube ich. Dann darf die Oberhausenerin sogar auch ein Stückchen nach Essen und Mülheim, nach Bottrop und Dinslaken. Aber nicht zu weit, sonst macht sie sich strafbar?

Sorry, ich schweife ab.

Viele stellen sich Fragen

Wenn meine Freundin tatsächlich nicht zu mir darf, weil „ihr“ Inzidenzwert zu hoch ist, darf ich dann zu ihr, wenn es in Duisburg nicht ganz so Corona-schlimm ist? Und werde ich nach einem Besuch quasi über Nacht eingebürgert und komme nicht mehr zurück in die für Oberhausener verbotene Zone? Ich übertreibe bewusst ein wenig, aber viele Menschen denken wohl ähnlich: Besuche gehen in die eine Richtung, in die andere nicht. Warum zum Beispiel darf man nur noch ein Elternteil sehen, warum Oma oder Opa? Reduziert das wirklich das Infektionsrisiko?

Mir stellen sich noch ganz andere Fragen: Wer kontrolliert meinen „Liebes-Tourismus“ eigentlich? Die Polizei? Das Ordnungsamt in Oberhausen. Oder in Duisburg? Niemand, es sei denn, ich werde angeschwärzt? Weil mein Autokennzeichen „verdächtig“ ist?

Vielleicht gibt es ja plausible Antworten bis zu unserem Umzug. Genau, Ende Februar ziehen Vanessa und ich zusammen. In Duisburg. Aus triftigem Grund. Hoffentlich müssen wir nicht alle Möbel alleine schleppen. Wer weiß schon, was dann wieder gilt. Oder gelten könnte…

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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