Bürgermeister Tobias Stockhoff (l.) bedankte sich jetzt bei Thomas (l.) und dessen Frau Heike für den ehrenamtlichen Fahrdienst und bei Autohändler Oliver Sprungmann (M.), der den Wagen für die Fahrten zum Impfzentrum nach Recklinghausen kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. © privat
Coronavirus

Corona-Helden: Ehepaar aus Dorsten organisierte Impf-Fahrten für Senioren

Seit dem Start der Corona-Impfungen haben Heike und Thomas Hein etwa 30 Senioren aus Dorsten nach Recklinghausen gebracht. Der ehrenamtliche Fahrdienst hat Spuren hinterlassen.

Wie kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Dorsten nach Recklinghausen? Diese Frage haben sich Heike und Thomas Hein gestellt, als Anfang Februar das dortige Impfzentrum eröffnet wurde. „Ich wüsste es auf Anhieb nicht“, gesteht Thomas Hein.

Die zweite Frage, die sich beinahe zwangsläufig anschloss: Wie sollen ältere, gebrechliche Menschen den Weg in die Kreisstadt bewältigen, wenn sie keine Angehörigen und hilfsbereite Nachbarn haben? Darauf allerdings hatten Heike und Thomas Hein eine Antwort.

Und so entstand vor vier Monaten ein ungewöhnlicher Fahrdienst. Das Ehepaar organisierte beim befreundeten Autohändler Oliver Sprungmann einen Bus und brachte bis Anfang Juni etwa 30 Senioren nach Recklinghausen und wieder nach Hause – und zwar zur ersten wie auch zur zweiten Corona-Schutzimpfung. „Jetzt ist langsam Schluss, denn die Menschen der Prio-Gruppen eins und zwei sind durchgeimpft“, glaubt Heike Hein.

„Sie haben uns ihr ganzes Leben erzählt“

Nach anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten am Impfzentrum hatte sich der Service eingespielt. Heike und Thomas Hein durften ihre Fahrgäste dann auch im Impfzentrum und durch den 350 Meter langen „Impf-Parcours“ begleiten. Für sie eine Selbstverständlichkeit, für den Kreis Recklinghausen zunächst nicht.

Die Menschen, die Heike und Thomas Hein zum Impfen brachten, wurden vom Dorstener Sozialamt vermittelt. Auf der Fahrt nach Recklinghausen und zurück kamen sich Fahrer und Passagier zwangsläufig näher. „Sie haben uns oft ihr ganzes Leben erzählt“, berichtet Heike Hein.

Wie zum Beispiel der ältere Herr, der 1969 unter abenteuerlichen Umständen aus der damaligen DDR geflohen ist. In den Gesprächen sei immer wieder deutlich geworden, wie dankbar die Fahrgäste sind, dass ihnen jemand zuhört. Und dass ihnen geholfen wird. In einem Fall sogar mit einer Tasche voller Kartoffeln aus dem Keller von Familie Hein.

Auch der Bürgermeister ist beeindruckt

Sehr beeindruckt vom Engagement des Ehepaars ist auch Tobias Stockhoff. „Thomas und Heike Hein haben damals spontan angeboten, Fahrdienste zu übernehmen – und das komplett ehrenamtlich, unentgeltlich und trotz der Nöte, in die Corona auch ihre Veranstaltungsbranche gebracht hat.“ Dorstens Bürgermeister ist „sehr dankbar, dass es bei uns Menschen gibt, die in solchen Situationen einfach aktiv werden und das Richtige tun. Denn das ist überhaupt nicht selbstverständlich.“

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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