Busverkehr bremst Tempo 30-Pläne für Dorstener Stadtteil Hervest endgültig aus

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Die SPD forderte es, auch die Stadt hatte es mal vor: Doch es ist fast sicher, dass die Hervester Wohngebiete nicht in eine Tempo-30-Zone verwandelt werden. Es gibt dafür mehrere Gründe.

Dorsten

, 01.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Das nennt man wohl „ausgebremst“: Die immer mal wieder diskutierten Pläne, die gesamte Glück-Auf-Straße in Hervest samt ihrer Seitenstraßen in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln, dürften jetzt vom Tisch sein. Politiker im Umwelt- und Planungsausschuss sprachen sich am Dienstag in ihren Wortbeiträgen einvernehmlich gegen diese Überlegungen aus, nachdem sich die „Vestische Straßenbahnen“ kürzlich äußerst kritisch zu den Gedankenspielen geäußert hatten.

Busverkehr würde behindert

Bereits in der November-Sitzung der ÖPNV-Ratskommission hatten sich nämlich Vertreter des Nahverkehrsunternehmens gegen Tempo 30 auf der kompletten Glück-Auf-Straße, die die Verkehrsachse durch den Ortsteil Richtung Dorf Hervest ist, ausgesprochen. Der Grund: Eine derartige Geschwindigkeitsreduzierung hätte als rechtliche Konsequenz zur Folge, dass im gesamten Verlauf der Straße eine „Rechts vor links“-Regelung eingeführt werden müsste, die den Busverkehr behindern würde.

Busverkehr bremst Tempo 30-Pläne für Dorstener Stadtteil Hervest endgültig aus

Der Busverkehr auf der Glück-Auf-Straße könnte behindert werden. © Claudia Engel

„Das würde dazu führen, dass die Pünktlichkeit der Buslinien 274 und 208 sowie der Nachtexpress-Linie N 8 nicht mehr gewährleistet werden könnte“, argumentiert die „Vestische“. Zumal der Fahrplan Richtung ZOB und Bahnhof sehr eng getaktet sei und der gesamte zusätzliche Schulbusverkehr durch Hervest von und zu den weiterführenden Schulen zeitlich „passgenau“ funktionieren müsse. Sollte Tempo 30 kommen, müssten die erwarteten Verzögerungen durch zusätzliche Fahrzeuge und Busfahrer aufgefangen werden, was Kosten in bis zu sechsstelliger Euro-Höhe nach sich ziehen könnte. Argumente, die auch SPD-Sprecher Heiner Heimann überzeugten.

SPD hatte Antrag gestellt

Die SPD war es, die im vergangenen Jahr einen offiziellen Antrag gestellt hatte, das komplette Hervester Siedlungsgebiet zwischen Halterner Straße und Lippe, angefangen vom Gemeindedreieck bis zur Dorfstraße, vollständig zur Tempo-30-Zone zu widmen. „Diese Geschwindigkeitsreduzierung wird zur Verkehrssicherheit beigetragen, sie verbessert die Luftqualität und verringert den Verkehrslärm“, so die SPD damals.

Auch die Stadt hatte diese Idee vor vier Jahren schon einmal selbst entwickelt. Damals war von Anwohnern immer wieder moniert worden, dass auf der Glück-Auf-Straße (wo schon jetzt zum großen Teil Tempo 30 herrscht) und auf mehreren ihrer Einmündungsstraßen zu schnell gefahren werde. Auf einem Bürgerforum wollte die Stadt damals die Pläne vorstellen und mit Anwohnern diskutieren. Doch dann war das Projekt von der Verwaltung nicht mehr weiterverfolgt worden - erstens aus finanziellen und zweitens aus förderrechtlichen Gründen.

„Keine Raserstrecke“

Auch am Dienstag wies Stadtbaurat Holger Lohse darauf hin, dass aktuelle Förderrichtlinien für die Grunderneuerung von verkehrswichtigen kommunalen Straßen auf diesen eine Geschwindigkeit von mindestens 50 km/h voraussetze. Das Hervester Ausschussmitglied Georg Schulz (CDU) sah übrigens für 30 km/h keinen Anlass. Wegen der vielen Einbauten alle hundert Meter sei die Glück-Auf-Straße keine Raserstrecke, sagte er.

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