Michael Hübner (l.) und Michael Gerdes bewerben sich als SPD-Kandidaten für die Bundestagswahl. © Montage: Martin Klose
Bundestagswahl 2021

Bundestagswahl: Showdown und Ärger bei der SPD, CDU lauert schon

Die SPD stellt am Dienstag ihren Kandidaten für die Bundestagswahl auf. Es gibt eine Kampfabstimmung und vorher einige Nebengeräusche. Die CDU positioniert sich ebenfalls.

61 Delegierte aus Bottrop, Gladbeck und Dorsten entscheiden am Dienstagabend, wer im Wahlkreis 125 für die SPD bei der Bundestagswahl antritt. Die Entscheidung fällt zwischen dem bisherigen Berliner Abgeordneten Michael Gerdes (Bottrop) und dem Landtagsabgeordneten Michael Hübner (Gladbeck), der erstmals in den Bundestag möchte. Es dürfte einen knappen Ausgang bei der Kampfabstimmung in der Bottroper Dieter-Renz-Halle geben.

Gerdes will es noch einmal wissen

Für Michael Gerdes (60) ist die Situation neu. Seit 2009 ist er direkt gewählter Bundestagsabgeordneter und galt auch in seiner Partei stets als „gesetzt“. In den letzten Wochen hat er mehrfach betont, noch eine Legislaturperiode dranhängen zu wollen. „Ich habe noch viel zu tun.“

Gerdes kann vermutlich auf die Stimmen der 28 Bottroper Delegierten zählen, doch das reicht nicht. Wenn Michael Hübner (47), der Ende September bei der Stichwahl um das Amt des Landrats hauchdünn an Bodo Klimpel (CDU) gescheitert war, alle Stimmen aus Gladbeck (21) und Dorsten (12) bekäme, kann er auf einen neuen Karriereschritt hoffen. Er verspricht eine „neue Kommunikation“ in die Region und nach Berlin.

Ärger um Hübner-Aussage

Doch mit der Kommunikation ist das so eine Sache. Während die Delegierten aus Dorsten wohl mehrheitlich auf Hübner setzen, murren die Sozialdemokraten ausgerechnet in Hübners Heimatstadt Gladbeck. Dessen öffentlich geäußerte Annahme, die hohen Corona-Infektionszahlen in der Stadt hätten ihren Grund in privaten Feiern von Migranten, hat Parteikollegen verärgert.

Ratsfraktion, Stadtverband und Bürgermeisterin Bettina Weist distanzierten sich von Hübners Äußerungen. Der wiederum stellte gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung klar: „Es war nie meine Absicht, Ressentiments zu schüren oder Migranten pauschal die Schuld am Ausbruchsgeschehen zu geben.“

Ob diese Nebengeräusche das Abstimmungsverhalten der Delegierten am Dienstagabend beeinflussen, wird auch die CDU mit Interesse verfolgen. Sie rechnet sich Chancen aus, den Wahlkreis 125 erstmals direkt zu gewinnen. Und sie setzt vermutlich auf einen Mann, der dies schon dreimal versucht hat und dem SPD-Kandidaten Gerdes dabei immer näher kam.

CDU Dorsten nominiert Sven Volmering

Der CDU-Stadtverband hat bereits im Dezember Sven Volmering (44) nominiert. Das Votum aus Bottrop und Gladbeck steht noch aus. Der Gymnasiallehrer aus Bocholt war 2013 über die CDU-Liste in den Bundestag gekommen, hatte dann 2017 das Direktmandat knapp verpasst. Über die Liste blieb ihm der Weg nach Berlin damals verwehrt.

Sven Volmering im Bundestag
Sven Volmering war bereits von 2013 bis 2017 im Bundestag. © Deutscher Bundestag © Deutscher Bundestag

Das Umfrageportal Election.de sagt derzeit einen Wahlsieg der Union im Wahlkreis 125 voraus, ihr Kandidat wird aber wohl erst „Ende April, Anfang Mai“ feststehen. Diesen Termin nannte Dorstens CDU-Chef Ludger Föcker beim digitalen Neujahrsempfang am Sonntag. Volmering durfte dort das Schlusswort sprechen.

Delegiertenkonferenz erst im Frühjahr

Die Terminverzögerungen haben ihren Grund in der Corona-Pandemie. Die CDU-Statuten schreiben eine „richtige“ Delegiertenversammlung mit 200 Teilnehmern zwingend vor. Im Frühjahr ist das zur Not auch im Freien möglich, hoffen die Christdemokraten. Wegen der Kürze der Zeit bis zur Wahl könnte es deshalb ein Vorteil sein, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, den viele Menschen schon kennen.

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Stefan Diebäcker

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