Bürgermeister Tobias Stockhoff erklärt seine Idee eines „ehrenamtlichen Ordnungsdienstes“

dzEhrenamtlicher Ordnungsdienst

Die massive Kritik an einem ehrenamtlichen Kommunalen Ordnungsdienst in Dorsten will Bürgermeister Tobias Stockhoff nicht auf sich sitzen lassen. Er spricht von Missverständnissen.

Dorsten

, 19.09.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer seinen Nachbarn anschwärzen möchte, hat im ehrenamtlichen Kommunalen Ordnungsdienst nichts verloren. Das hat Bürgermeister Tobias Stockhoff am Mittwoch klargestellt. „Bürger, die nur auf individuelle und konkrete Regelverstöße in ihrem Umfeld hinweisen möchten, können dies schon heute auf vielfältige Weise tun: ein Anruf im Amt, eine E-Mail an die Stadtverwaltung oder ein Eintrag über die Bürger-App.“

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Nachdem seine Idee, den städtischen Ordnungsdienst mit Freiwilligen aufzustocken, für reichlich Wirbel gesorgt hat, sah sich der Bürgermeister am Mittwoch gezwungen, das Thema noch einmal grundsätzlich aufzugreifen. „Der gefühlte Eindruck bei vielen Dorstenern ist, dass sich immer mehr Menschen einen feuchten Kehricht um die einfachsten Spielregeln für ein gutes Miteinander scheren“, erklärt Stockhoff. „Es geht nicht darum, diese Stadt lückenlos zu überwachen oder zu einer Stadt der Denunzianten zu werden. Sondern es geht darum, dass wir gemeinsam in der Stadtfamilie für ein vernünftiges Miteinander einstehen.“

Streifengänge gewünscht

Viele Dorstener ärgern sich laut Stockhoff massiv über vermüllte Ecken, über zugeparkte Gehwege und Ausfahrten. Diese Regelverletzungen richteten sich nicht gegen „die Stadt“, sondern treffen ganz konkret andere Menschen. „Von uns als Stadtverwaltung wird erwartet, dass wir solches Fehlverhalten ahnden und abstellen.“

Der Kommunale Ordnungsdiens (KOD) habe eine Fülle von Aufgaben zu bewältigen, aber „gerade die Streifengänge werden besonders gewünscht – denn schon Präsenz zu zeigen, habe erstaunliche Wirkung. „Ein Bürger meldete, dass nach einer einzigen KOD-Streife an einem Spielplatz die Zahl der Hundehaufen im Umfeld spürbar zurückgegangen ist. Es hat sich blitzschnell herumgesprochen, dass wir da ein Auge drauf haben.“ Auch die erst vor wenigen Tagen thematisierte Verdreckung der Fußgängerzone mit Zigarettenkippen habe nach Kontrollgängen sichtbar nachgelassen. „Bei der Überlegung, einen ehrenamtlichen KOD als Unterstützung des hauptamtlichen zu installieren, geht es vor allem darum, die Präsenz zu erhöhen.“


Deutliche Entlastung

Vorstellbar sei, dass die hauptamtlichen KOD-Mitarbeiter auf ihren Streifengängen begleitet werden, insbesondere abends und an Wochenenden. „Dort, wo immer zwei KODler unterwegs sind, könnten die Hauptamtlichen deutlich entlastet werden, um andere Aufgaben zu übernehmen oder um den Präsenzdienst zu verstärken.“ Neben gemeinsamen Streifengängen mit hauptamtlichen Kräften seien laut Stockhoff außerdem Einsätze zu besonderen Anlässen möglich, etwa bei Stadtfesten oder Großveranstaltungen.

Wer kommt für den ehrenamtlichen KOD infrage? „In anderen Städten hat es sich bewährt, dass es nicht mehr ehrenamtliche als hauptamtliche Kräfte gibt, damit eine gute Betreuung im Alltag gewährleistet ist, insofern müsste es ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren geben“, so Stockhoff. „Auf jeden Fall müssen Ehrenamtliche gut geschult werden. 60 bis 80 Stunden Unterricht plus jährliche Nachschulungen sind in anderen Städten die Regel.“

Akzeptanz erhöhen

Ein staatliches Ehrenamt hält Tobias Stockhoff nicht für ungewöhnlich. In den Freiwilligen Feuerwehren und im Technischen Hilfswerk übernehmen Bürgerinnen und Bürger Hilfsdienste, als Schöffen in Gerichtsverhandlungen und Schiedspersonen seien sie Teil des staatlichen Handelns.

Dorstener, die sich ehrenamtlich engagieren, haben laut Stockhoff generell oft spezielle Ortskenntnisse, sind gut bekannt und angesehen. Im Ordnungsdienst würde das „die Akzeptanz erhöhen, wenn Sünder ertappt und angesprochen werden“. In anderen Städten habe sich außerdem gezeigt, dass die Ehrenamtlichen durchaus als Bewerber in Betracht kommen, wenn hauptamtliche Stellen zu besetzen sind.

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