Die Anwohner sind überrascht und entsetzt, wie viele Bäume im Winks-Mühlen-Park im Schölzbachtal gefällt worden sind. © Privat
Baumfällungen

Bürger stinksauer über „barbarische“ Baumrodungen in Park in Dorsten

Gleich 14 Bäume entlang eines Bachlaufs sind für die Umgestaltung eines Parks in der Altstadt von Dorsten gefällt worden. Anwohner sind erschrocken und verwundert über das Ausmaß der Rodung.

Hans-Martin Nikolai ist stinksauer. Nein, er ist sogar „sehr böse“, wie er betont. Und zwar über den nach seinen Worten „barbarischen Kahlschlag“ im benachbarten Winks-Mühlen-Park am Alten Postweg, an dem er tagtäglich vorbeikommt. „Das geht doch nicht“, sagt er. „Das waren fast alle gesunde Bäume, das tut besonders weh.“

Der Anwohner der Agathastraße ist nicht der einzige, der sich über die Fällarbeiten der Stadt beschwert. In der letzten Februar-Woche hat die Stadt in Vorbereitung für den 2. Bauabschnitt der Umgestaltung des Schölzbachtals an mehreren Stellen Gehölze roden lassen: an der Platzfläche an der Kirchhellener Allee, am Klimawäldchen, an der Bachseite der Straße „Goldbrink“, an der Baustelle für das Regenrückhaltebecken am Jahnplatz.

Doch nirgendwo wurde so viel abgeholzt wie im Winks-Mühlen-Park. 14 Bäume, überwiegend Erlen. Aber auch die große Birke an der Brücke des Alten Postwegs. „Da blieben früher immer die Fußgänger stehen, weil das dort so schön aussah“, erzählt Hannelore Holz. „Doch jetzt ist hier alles kahl.“

Tränen in den Augen

Die Anwohnerin des Alten Postwegs kam zufällig an dem Tag dort vorbei, als die Arbeiter der von der Stadt beauftragten Baumfirma zur Tat schritten. „Ich dachte noch, das darf nicht wahr sein, da ging die riesige alte Birke schon krachend zu Boden.“ Und auch die Rhododendren-Büsche waren weg. „Mir standen die Tränen in den Augen.“

Gehäufte Hinterlassenschaften der Rodungsaktion. © Privat © Privat

Auch im hinteren Schölzbach-Bereich nahe des Ritter-Spielplatzes kamen viele Bäume weg. Das hat mit dem Abriss des dortigen Stauwehrs zu tun. „Um diese Stelle überhaupt mit den erforderlichen Gerätschaften erreichen zu können, musste gefällt werden“, so Christoph Winkel (Pressestelle der Stadt) auf Anfrage unserer Redaktion.

Da das Stauwehr beseitigt wird, mussten auch in diesem Bereich einige Bäume gefällt werden.
Da das Stauwehr beseitigt wird, mussten auch in diesem Bereich einige Bäume gefällt werden. © Michael Klein © Michael Klein

Nach seinen Angaben gab es im Sommer 2020 eine Bürgerversammlung vor Ort, wo die Bürger über die Pläne für den Winks-Mühlen-Park informiert wurden. Zudem einen Workshop zu Beginn dieses „Wir-machen-Mitte“-Projekts und einen Stadtteilspaziergang, bei dem der Wunsch geäußert worden sei, „alles ein wenig übersichtlicher zu halten“.

Ersatzpflanzungen geplant

Nach Angaben von Hannelore Holz war damals nur die Rede davon, dass das „Ufer an den Übergangsstellen entsprechend ausgelichtet“ werde. „Hätten die Leute gewusst, dass Bäume gefällt werden, wäre doch der Teufel los gewesen.“

Laut Christoph Winkel liege von den zuständigen Kreis-Behörden eine Genehmigung vor. Es gäbe einen „landschaftspflegerischen Begleitplan“, der Ersatzpflanzungen vorsehe.

So sollen zum Beispiel heimische Ufergehölze die bisherigen nicht standortgerechten Gehölze ersetzen. Auch heimische Kräuter und Gräser sollen zum Einsatz kommen. „Die Planungen, wie viele Sträucher und Bäume gepflanzt werden, beginnt in Kürze, ebenso wird dann die Frage nach den Sorten beantwortet.“

So idyllisch sah es noch wenige Tage vor der Baumfällung aus.
So idyllisch sah es noch wenige Tage vor der Baumfällung aus. © Privat © Privat

Vor gut zehn Jahren hatten schon mal die Altstadtschützen ehrenamtlich an mehreren Winter- und Frühjahrs-Wochenenden mit der Stadt den Parkbereich hergerichtet, alte und kranke Bäume gerodet und ihn neu bepflanzt.

„Jetzt noch schlimmer“

Schützenoberst und CDU-Ratsherr Hendrik Schulze-Oechtering zeigte sich überrascht über das Ausmaß der aktuellen Arbeiten. „Damals wurde von manchen gesagt, wir hätten zu viel des Guten getan. Doch jetzt ist ja noch mehr weggekommen als damals.“

Die Stadt indes betont in ihrer Stellungnahme an unsere Redaktion ausdrücklich: „Wäre zur künftigen Schölzbach-Überquerung nahe des Spielplatzes statt der Trittstein-Lösung die ursprünglich geplante Brücke gebaut worden, „wären mindestens doppelt so viele Bäume gefällt worden“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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