Brückenspringer leben gefährlich - Polizei kontrolliert am Kanal

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Dorsten schwitzt. Zeit für Abkühlung. Für viele heißt das: Rein in den Kanal! Doch das ist gefährlich und verboten, deshalb kontrolliert die Polizei - und erhält besondere Unterstützung.

Dorsten

, 08.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wasserschutz- und Bundespolizei gehen zurzeit verstärkt auf Wasserstraßen, wie dem Wesel-Datteln-Kanal, mit Kontrollen gegen Brückenspringer vor. Denn das heiße Wetter mit viel Sonnenschein lädt vor allem Jugendliche ein, sich ins kühle Nass zu stürzen. Doch das Springen von Brücken birgt große Gefahren. Die Polizei versucht nun noch einmal verstärkt, auf diese Gefahren aufmerksam zu machen und kontrolliert vor allem auch an den heißen Wochenenden.

Kontrollen der Wasserschutzpolizei

Auch in Dorsten wird kontrolliert. Die Wasserschutzpolizei erhielt dazu am vergangenen Wochenende eine ganz besondere Unterstützung, und zwar aus der Luft: Ein Polizeihubschrauber der Bundespolizei absolvierte über dem Kanal einen Aufklärungsflug. Denn, wie Volker Stall von der Bundespolizeiinspektion Dortmund auf Nachfrage berichtet, hatte es am vergangenen Wochenende eine Situation gegeben, die den Einsatz eines Hubschraubers nötig machte: „Am 1. August sprangen mehrere Personen von einer Eisenbahnbrücke in den Wesel-Datteln-Kanal. Als eine Polizeistreife vor Ort eintraf, konnten die Personen unerkannt flüchten. Deshalb wurde ein Hubschrauber, der mit Überwachung der Bahnstrecke im Großraum Dortmund beauftragt war, abgezogen und nach Dorsten beordert. Ähnliche Dinge passieren immer wieder auf ‚attraktiven‘ Kanalbrücken im gesamten Ruhrgebiet.“

Problem ist schon seit Jahrzehnten bekannt

Und das Brückenspringer-Problem ist den Behörden schon seit Jahrzehnten bekannt. Vor allem Jugendliche stürzen sich bei gutem Wetter von Brücken ins Wasser und riskieren dabei ihr Leben. Und gerade jetzt, wo wegen der Corona-Pandemie die Frei- und Hallenbäder nur eine begrenzte Anzahl von Gästen aufnehmen können, werden bei sommerlichen Temperaturen die Seen und Kanäle zur beliebten Abkühl-Alternative.

Vor allem Jugendliche treffen sich gerne am Kanal.

Vor allem Jugendliche treffen sich gerne am Kanal. © Guido Bludau

Die Bundespolizei betont noch einmal, dass der Aufenthalt auf Eisenbahnbrücken nicht nur verboten, sondern auch lebensgefährlich ist. Gerade beim Sprung von Eisenbahnbrücken kann der Aufenthalt in den Gleisanlagen auf der Brücke tödlich sein. Moderne Züge nähern sich fast lautlos und können je nach Windrichtung erst sehr spät wahrgenommen werden.

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Baden in Kanälen ist nicht erlaubt

Die Wasserschutzpolizei ergänzt, dass die künstlichen Wasserstraßen in erster Linie dem Schiffsverkehr dienen. Baden in Kanälen sei somit eine unzulässige Nutzung der Wasserstraßen und nicht erlaubt. Diese führe in aller Regel dazu, dass kein Versicherungsschutz bestehe, was zur Folge habe, dass der Schwimmer für eigene und fremde Schäden und Verletzungen selbst haftet.

Die Bundespolizei unterstützt die Kontrollen aus der Luft. (Symbolbild)

Die Bundespolizei unterstützt die Kontrollen aus der Luft. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

„Stellt die Wasserschutzpolizei eine Gefährdung des Badenden oder anderer Beteiligter fest, wird der Schwimmer des Wassers verwiesen und muss mit einem Verwarngeld oder einer Anzeige rechnen. Es drohen Bußgelder ab 60 Euro“, so Pressesprecherin Caroline Dlutko vom Polizeipräsidium Duisburg. Und weiter sagt sie: „Dies ist regelmäßig der Fall, wenn Personen von Brücken ins Wasser springen, aus dem Wasser heraus Schiffe anschwimmen oder diese gar betreten. Das widerrechtliche Betreten eines Schiffes ist grundsätzlich als Hausfriedensbruch strafbar. Es geht uns aber nicht nur darum, eine Straftat festzustellen, sondern eher darum aufzuklären, welche Gefahren hier lauern.“

Schiffe können Badende durch ihren Sog unter Wasser ziehen

Caroline Dlutko erläutert die Gefahren: „Im Wasser treibende Gegenstände oder eine zu geringe Wassertiefe können Brückenspringer gefährden. In Fahrt befindliche Schiffe können Badende durch ihren Sog unter Wasser oder sogar in die Schiffsschraube ziehen. Dies betrifft nicht nur die Schwimmer, die leichtsinnig genug sind, ein Schiff anzuschwimmen, sondern grundsätzlich jeden Badenden. Durch die Bug- und Heckwellen können Schwimmer gegen Spundwände oder Steinböschungen gedrückt werden und sich hierbei schwer verletzen. Nebenbei bemerkt: Frachtschiffe haben oftmals Schiffslängen von mehr als 100 Metern. Die Schiffsführer können Badende somit nicht rechtzeitig erkennen. Ein Ausweichen ist dann kaum möglich.“

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