Big-Band Dorsten vor der Kamera: Extra-Dreh statt Extraschicht

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Ihr geplanter Auftritt bei der Extraschicht fiel Corona-bedingt aus - und so nutzte die Big Band Dorsten den freien Tag, um auf dem alten Zechengelände in Dorsten ein Image-Video zu drehen.

Dorsten

, 19.07.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dirigent Hans-Christian Dörrscheidt gibt den Takt an. Und sofort haben die Musiker den Swing-Modus eingeschaltet. Dann schält sich langsam ein bekanntes melodisches Thema heraus: Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt - und hat sein jazziges Licht bei der Nacht. Der Groove passt zum Ort wie die Faust auf Schlägel und Eisen.

Aufnahmen in der Lohnhalle

Denn es ist die Lohnhalle der alten Zeche Fürst Leopold, in der die Rhythmus-Section der Big Band Dorsten dem alten Bergmanns-Gassenhauer Tribut zollt - begleitet von allerlei Kameras und auch der einen oder anderen Drohnen-Aufnahme von schräg oben.

„Luck up“ - so hat Dorstens Vorzeige-Jazzorchester sein Arrangement der Kumpel-Hymne augenzwinkernd übersetzt - ist eines von zwei Stücken, das hier im professionellem Video-Gewand produziert wird.

Video
Bigband-Konzert

Es ist der 27. Juni. An diesem Tag hätte eigentlich auch im Creativ-Quartier Fürst Leopold die „Extraschicht“, die revierweite „Nacht der Industriekultur“, stattfinden sollen. Samt Auftritt der Big Band. Doch die Corona-Krise machte auch dieser Großveranstaltung einen fetten Strich durch die Rechnung.

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„Da unsere Band-Mitglieder den Termin lange vorher im Kalender geblockt und sie wegen Corona sowieso keine andere Auftritttsmöglichkeiten hatten, haben wir kurzerhand aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Big-Band-Leiter Stephan Schulze. Statt Live-Konzert nun also ein Imagefilm, der Ende Juli auf Internet-Portalen wie Youtube hochgeladen wird und sowohl der Big Band als auch der Stadt Dorsten zu Werbezwecken dienen soll.

Mit dem nötigen Abstand

Big Band-Urgestein Manfred Dahlhaus, Posaunist und hauptberuflich Tonmeister in Wuppertal, hat dafür seine guten Kontakte zu einer Hamburger Filmagentur spielen lassen, die auch schon die Hamburger Symphoniker unter Corona-Bedingungen aufgenommen hatte. Heißt: mit dem nötigen Abstand, räumlich wie zeitlich.

Pascal Bartoszak hat die Komposition "Common Ground" für den Video-Dreh beigetragen.

Pascal Bartoszak hat die Komposition "Common Ground" für den Video-Dreh beigetragen. © Michael Klein

Auch die Big Band-Musiker haben sich an dem Samstag die nötige Zeit genommen, um den musikalischen Staffelstab untereinander weiterzugeben. Zuerst spielten die Solisten Hans-Christian Dörrscheidt (Klarinette) und Pascal Bartoszak (Saxophon) ihre Instrumental-Parts ein. Dann die Rhythmus-Gruppe, noch ohne „Wumms vom Gebläse“. Erst jeweils zwei Stunden später stieg die Posaunen-Gruppe ein, ebenso allein für sich wie anschließend die Trompeter und die Saxofonisten.

Einzel-Sequenzen zusammengeschnitten

Am Schneidetisch wurden die Ton- und Filmsequenzen so zusammen geschnitten, dass es wie ein stimmiges Großes und Ganzes wirkt, also so, als würde die Big Band wirklich gemeinsam zusammengespielt haben. „Ist wirklich super geworden“, urteilt Stephan Schulze nach Begutachtung der ersten Rohfassung.

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Für den Videodreh sind die allesamt in der Region aufgewachsenen Musiker aus allen Richtungen Deutschlands angereist. „Das war auch eine Botschaft nach innen“, sagt Stephan Schulze, „um den Zusammenhalt in der Band über Wasser zu halten.“ Denn wer weiß schon, wann man wieder zusammen auf der Bühne stehen wird, ob die geplanten Vor-Weihnachtskonzerte wie gehabt stattfinden können?

„Üben, schreiben, arrangieren“

Der aus Dorsten stammende Saxophonist Pascal Bartoszak hat seit März kein Konzert mehr geben können. „Üben, Musik schreiben, arrangieren“ - das steht für ihn tagtäglich an. Er hat das zweite Stück für den Videodreh beigetragen: „Common Ground“, das Titelstück seiner jüngsten Quartett-CD. „Ich bin froh, dass ich von Stephan Schulze den Auftrag für das Arrangement bekommen habe und die Big Band-Jungs mal wieder sehen kann“, sagt er.

Big Band-Leiter Stephan Schulze hat dank mehrerer Lehraufträge als Festangestellter finanziell weniger unter der Corona-Krise zu leiden als frei berufliche Musiker. Er hofft dennoch, dass die „Perspektivlosigkeit für Musiker und andere Künstler bald ein Ende hat“.

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