Beziehungsdrama endet mit lebensgefährlichem Messerstich in die Lunge

dzGerichtsprozess

Nach einem Streit greift eine Frau zum Messer und sticht ihren alkoholisierten Lebensgefährten aus Notwehr nieder. Der Mann wird lebensgefährlich verletzt - und landete jetzt vor Gericht.

Dorsten

, 04.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein schlimmes Drama beendete im April des vergangenen Jahres eine neunjährige Beziehung zwischen einem 50-jährigen Dorstener und seiner 53-jährigen Lebensgefährtin.

Nach einem verbalen Streit wehrte sich die Frau in der Wohnung auf der Lindenfelder Straße in der Feldmark gegen ihren alkoholisierten Partner und verletzte ihn mit einem Messer derart schwer am Lungengewebe, dass zunächst Lebensgefahr bestand.

Ermittlungen eingestellt

Am Mittwoch (3. Juni) wurde das damalige Geschehen vor dem Dorstener Schöffengericht juristisch aufgearbeitet. Angeklagt war nicht die Frau - weil sie in Notwehr handelte, hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Dorstenerin eingestellt.

So musste sich der inzwischen von ihr getrennt lebende damalige Lebensgefährte wegen Körperverletzung verantworten. Der Bauarbeiter war am Tag der Tat von einem mehrwöchigen Reha-Aufenthalt wegen eines Bandscheiben-Schadens nach Dorsten zurückgekehrt - und hatte nach eigenen Angaben auf der mehrstündigen Zugfahrt und am später am ZOB-Kiosk insgesamt sieben Flaschen Bier getrunken.

Abends traf er sich mit einem Kumpel, dort kamen weitere Biere hinzu - die ärztliche Blutprobe nach dem Vorfall wies 2,2 Promille aus.

Beleidigungen unter der Gürtellinie

Wieder zu Hause, geriet er mit seiner Lebensgefährtin aneinander. Der Disput entzündete sich an einem Berg Wäsche, den die Frau hatte liegen lassen. „Er beschimpfte mich mit Beleidigungen unter der Gürtellinie“, erklärte die Frau im Gerichtssaal.

Ein Wort gab das andere, sie warf ihm vor, dass er weder schreiben noch lesen könne. „Da ist bei ihm ein Knopf gedrückt worden“, erklärte die Frau. Schließlich habe der kräftige Angeklagte ihr so an den Kopf gefasst, „dass ich Angst hatte, dass er mir das Genick bricht“.

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Um sich wehren, ergriff sie ein Messer, das auf der Waschmaschine lag und stach zu. „Wäre ich doch nur im Bett liegen geblieben, als er nach Hause kam“, sagte sie mit Tränen in den Augen, „dann wäre das alles nicht passiert“.

Wenn ihr Lebensgefährte getrunken habe, werde er beleidigend, so die Frau, „aber so habe ich ihn noch nie erlebt“. Sie erklärte aber, dass er ihr keine schmerzhaften Verletzungen zugefügt habe.

„Hatte einen Filmriss“

Der Mann konnte sich im Gerichtsaal an nichts erinnern, er habe einen „Filmriss“ gehabt. Nach dem Vorfall war er ein paar Tage im Krankenhaus, noch heute hat er Narben, die ihn an die Stichwunden erinnern. Das Angebot der Staatsanwältin, das Verfahren gegen eine Geldbuße in Höhe von 150 Euro einzustellen, lehnte er ab - das Geld habe er nicht.

Doch der von seinem Verteidiger beantragte Freispruch blieb aus: 420 Euro Geldstrafe, so lautete das Urteil.

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