Der Angeklagte war Abteilungsleiter im Dorstener Jugendamt. © Dorstener Zeitung (Archiv)
Gerichtsprozess

Betrugsskandal im Jugendamt: Jetzt hat Gericht das Urteil gefällt

Er hat im Jugendamt Dorsten einen sechsstelligen Betrag veruntreut. Jetzt wurde dem Ex-Abteilungsleiter der Prozess gemacht. Das Gericht äußerte in seinem Urteil auch Kritik an der Stadt.

Was bewegt einen zuvor gänzlich unbescholtenen Familienvater dazu, öffentliche Steuergelder zu veruntreuen und damit nicht nur seinen Dienstherren, sondern auch die Allgemeinheit zu betrügen?

Das bleibt sein Geheimnis, denn dies kam in dem zweiten Prozesstermin gegen einen ehemaligen Abteilungsleiter des Dorstener Jugendamtes am Freitag (26.2.) nicht zur Sprache. Da es um persönliche psychische Belange ging, hätte er sich nur dazu geäußert, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden wäre – doch diesen Antrag lehnte das Schöffengericht ab.

Nach Jobverlust arbeitslos

Dem 39-Jährigen wurde vorgeworfen, 215.000 Euro an städtischen Geldern für private Anschaffungen unterschlagen zu haben. Fast 300 betrügerische Bestellungen an 223 Tagen zwischen Oktober 2016 und Oktober 2019 listete die Anlageschrift auf. Dann flog er auf, er verlor seinen Job und ist seither arbeitslos.

Im Grundsatz hatte der Angeklagte die Vorwürfe schon im Vorfeld eingeräumt. Sein Anwalt wies am Freitag jedoch darauf hin, dass von den bestellten Gegenständen einige durchaus von der Stadt genutzt wurden.

Beispielsweise ein Anhänger, der zum Transport für das städtische Spielmobil im Einsatz war oder für Veranstaltungen am Gemeinschaftshaus.

Auch die in der Anklageschrift aufgeführte Musikanlage will der in seiner Freizeit auch als DJ tätig gewesene Angeklagte nicht für private Zwecken verwendet haben. So sagte er jedenfalls aus.

Von der Stadt aufgebaut

Die Lautsprecher und Mischpulte seien vielmehr bei städtischen Veranstaltungen aufgebaut worden, zum Beispiel bei einer Radtouristik am Platz der Deutschen Einheit oder vom Jugendgremium bei einem Fest an der Neuen Schule.

„Er weiß, dass er seine Kompetenzen überschritten hat“, so der Verteidiger: „Aber offenkundig gab es massive Missstände bei der Stadtverwaltung, einen vollständigen Totalausfall bei den Kontrollvorgaben.“ Sowohl seine Vorgesetzten als auch das Rechnungsprüfungsamt und die Kämmerei hätten bei den höheren Ausgaben diese gegenzeichnen und prüfen müssen.“

Auch Strafrichterin Lisa Hinkers kam in der Urteilsbegründung zu dem Schluss: „Wenn die Kontrollmechanismen funktioniert hätten, dann wäre er wohl vorher aufgefallen und wir säßen nicht hier.“

Schaden wiedergutgemacht

Letztlich kam dem Angeklagten zugute, dass er den Schaden komplett wiedergutgemacht hat. Er hat dafür ein Darlehen aufgenommen, wird die nächsten 30 Jahre monatlich 550 Euro an die Bank zurückzahlen. Während die Staatsanwältin ein Jahr und neun Monate auf Bewährung forderte, urteilte das Schöffengericht deutlich milder: ein Jahr auf Bewährung.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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