Sexueller Übergriff auf Fußgängerin

dzLandgericht Essen

Eine Frau aus Dorsten wird am helllichten Tag sexuell bedrängt. In einem zweiten Prozess hat der Täter nun ein Geständnis abgelegt. Frei kommt er trotzdem nicht.

Dorsten/Essen

, 30.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Tat war der reinste Albtraum: Vor sechseinhalb Monaten ist eine 36-jährige Frau aus Dorsten am helllichten Tag eine Böschung hinuntergezogen und sexuell bedrängt worden. Seit Dienstag steht fest: Der Täter bleibt im Gefängnis.

In einem ersten Prozess hatte das Dorstener Amtsgericht bereits anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung verhängt. Im Berufungsverfahren haben die Richter am Essener Landgericht die Strafe zwar um drei Monate reduziert, eine Bewährung aber ausgeschlossen.

Es war der 13. April 2019 gegen halb drei, als der Angeklagte auf dem Verbindungsweg zwischen der Baldurstraße und dem Hohenkamp aufgetaucht ist. Er schloss zu einer Fußgängerin auf, riss sie dann plötzlich einen Abhang hinunter.

"So etwas ist mir noch nie passiert"

„Ich habe sie auf den Boden geworfen, sie hat geschrien“, sagte der 29-jährige Angeklagte den Richtern in Essen. „Dann habe ich sie an der Brust angefasst – ich weiß nicht warum. So etwas ist mir noch nie passiert."

Zwei Radfahrer hatten die Schreie der 36-Jährigen damals gehört und waren sofort zu Hilfe geeilt. Der Angeklagte konnte zwar zunächst noch flüchten, wurde dann aber doch noch im Rahmen einer Nahbereichsfahndung gefasst.

Im ersten Prozess hatte der 29-Jährige den sexuellen Übergriff noch komplett bestritten. „Ich hatte Angst, dass ich ins Gefängnis komme." Genau das war damals dann auch passiert. Nun wolle er jedoch die Wahrheit sagen. „Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen." Die Zeit im Gefängnis sei ihm eine Lehre gewesen. „Menschen machen nun mal Fehler - das war meiner."

Neben seinem Geständnis hatte der Angeklagte die Dorstenerin auch direkt um Entschuldigung gebeten: „Ich hoffe, dass Sie mir verzeihen. Ich bin sehr traurig, dass das passiert ist.“

"Ein Schreckensszenario"

Der Angeklagte war zur Tatzeit erst kurz in Dorsten. Er war aus dem Iran geflohen, hatte in Deutschland Asyl beantragt. Das Verfahren läuft immer noch. Sein Antrag ist zwar abgelehnt worden, doch dagegen hat der 29-Jährige Widerspruch eingelegt.

Dass es zu dem Übergriff gekommen ist, erklärte er den Richtern so: „Ich hatte in der Nacht davor Alkohol getrunken und nicht geschlafen.“ Seiner Mutter im Iran sei es gesundheitlich sehr schlecht gegangen.

Ob auch eine Vergewaltigung geplant war? Der Angeklagte hatte sich damals auch noch auf die 36-Jährige geworfen, ihr den Mund zugehalten.

„Ein Schreckensszenario“, so die Staatsanwältin. Und auch die Richterin befand: „Das ist eine Situation, von der man hofft, dass sie einem nie passiert.“

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