Coronavirus: Bei der Stiftsquelle in Dorsten ist das Leergut knapp

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Die Coronakrise hat den Mineralwasserproduzenten Stiftsquelle schwer getroffen. Zum deutlichen Umsatzminus kommt aber noch ein anderes Problem.

Dorsten

, 06.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Restaurants geschlossen, Flughäfen dicht, Kindertagesstätten und andere Einrichtungen seit vielen Wochen ohne öffentlichen Betrieb: Der Johann Spielmann GmbH sind in den vergangenen knapp zwei Monaten zahlreiche Kunden weggebrochen. Das Mineralwasser-Unternehmen produziert und vertreibt seit einigen Jahren von Dorsten aus die Marken „Stiftsquelle“ und „Landpark“.

„Wir konnten Einschränkungen teilweise kompensieren“

„Gerade der Gastronomieabsatz ist nahezu zum Erliegen gekommen“, bestätigte Geschäftsführer Sebastian Brodmann auf Anfrage. „Auch andere Kanäle sind zum Teil von den behördlichen Schließungen betroffen.“ Brodmann spricht von einem Absatzminus im zweistelligen Bereich, „obwohl wir sehr gut vorbereitet gewesen sind und viele Einschränkungen teilweise kompensieren konnten“.

Die allermeisten der mehr als 100 Mitarbeiter im Industriegebiet Dorsten/Marl mussten deshalb bislang nicht in Kurzarbeit. „Nur für unseren achtköpfigen Vertriebsaußendienst haben wir für einen Monat Kurzarbeit angemeldet“, betont der Stiftsquelle-Chef, „weil unsere Kunden keinen Besuch wollten“. Den betroffenen Mitarbeitern sei das Gehalt aber auf 100 Prozent aufgestockt worden, „sodass sie keinen wirtschaftlichen Nachteil hatten“.

Leergutmarkt war schon vor Corona angespannt

Zur Sache

120 Millionen Flaschen

Die Johann Spielmann GmbH füllt in Dorsten pro Jahr 120 Millionen Flaschen ab. Stiftsquelle und Landpark Bioquelle als Premiummarken machen ca. 80 Prozent des Gesamtvolumens aus. Das Unternehmen hat etwa 110 Mitarbeiter. Das 40.000 Quadratmeter große Grundstück an der Buerer Straße im Industriegebiet Dorsten/Marl ist nach dem Umzug aus Essen binnen sieben Jahren vollständig bebaut worden.

Mineralwasser kann also weiterhin ausreichend gefördert werden, nur mit dem Abfüllen gibt es Probleme. „Der Leergutmarkt war schon vor der Coronakrise angespannt, inzwischen hat sich die Situation weiter verschärft“, gibt Brodmann zu. Denn die Kunden kaufen kistenweise Getränke, bringen aber die leeren Flaschen nicht zeitnah zurück. „Wir sind um jede Kiste Leergut verlegen. Leider mussten auch wir Produktionsschichten einschränken, da das Leergut gefehlt hat.“

In vielen Getränkemärkten der Region wird eindringlich gebeten, leere Kisten zurückzubringen. Mancherorts gilt sogar: Eine volle Kiste gibt es nur, wenn eine leere abgegeben wird. Der Leergut-Mangel trifft nicht nur Mineralwasserbrunnen, sondern auch Brauereien. In der Vergangenheit gab es Engpässe vor allem in den Sommermonaten.

Sebastian Brodmann (r.) leitet die Johann Spielmann GmbH seit vielen Jahren gemeinsam mit seinem Vater Michael. In Dorsten werden jährlich 120 Millionen Flaschen abgefüllt.

Sebastian Brodmann (r.) leitet die Johann Spielmann GmbH seit vielen Jahren gemeinsam mit seinem Vater Michael. In Dorsten werden jährlich 120 Millionen Flaschen abgefüllt. © Julian Schäpertöns (A)

„Für den kommenden Sommer sehen wir uns allerdings gut organisiert, um die Lieferfähigkeit aufrechterhalten zu können“, betont Sebastian Brodmann. Erfreulich ist es aus seiner Sicht, „dass viele Verbraucher mittlerweile die Vorteile unseres neuen Tetrapak-Gebindes zu schätzen wissen“. Die könnten jederzeit geliefert werden, auch wenn mal das Leergut für Glasflaschen knapp würde.

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