An der Glück-Auf-Straße in Hervest entstehen Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen zur Miete. © Guido Bludau
Lange Lieferzeiten

Baustoffe werden extrem knapp und verteuern das Bauen in Dorsten

Die Baubranche ist in der Coronakrise einer der Motoren, die die Wirtschaft stabilisiert haben. Nun aber droht er ins Stocken zu geraten: Baumaterial wird auch in Dorsten knapp.

Handwerksbetriebe und Bauunternehmen bekommen die Krise unmittelbar zu spüren: Baustoffe werden knapp. Das hängt mit der hohen Nachfrage aus dem In- und Ausland zusammen, aber auch mit Lieferengpässen von produzierenden Unternehmen in Deutschland.

„Wir sind noch nicht bei Alarmstufe Rot“, sagt uns Friederike Hütter, die im elterlichen Traditionsunternehmen Hütter Bau im kaufmännischen Bereich tätig ist. Gleichwohl spürten die Fachabteilungen im Haus aber, dass die Lieferzeiten sich verlängert und sich die Preise für die Ware verteuert haben. Spürbar sei das insbesondere bei Dämmstoffen, bei PVC und bei Holzlieferungen.

Zwei neue Baustellen haben noch kein Problem

„Allerdings können wir uns momentan noch gut behelfen. Unsere aktuellen Baustellen laufen termingemäß“, sagt Hütter. Gebaut wird zurzeit an der Schollbrockstraße/Glück-Auf-Straße. Dort wirkt das Unternehmen bei der Errichtung von 33 Häusern der Deutschen Reihenhaus mit, aber gleichzeitig auch beim Bau zweier eigener Mehrfamilienhäuser an der Schollbrockstraße.

Wie bei allen Neubauprojekten in Dorsten, die eher rar gesät sind, sind die Nachfragen nach den Wohnungen und neuem Wohnraum extrem hoch: „Wir hatten schon vor Baubeginn der Mehrfamilienhäuser 50 Interessenten für die Mietwohnungen“, sagt Friederike Hütter. Die Häuser der Deutschen Reihenhaus AG waren im Sommer 2020 kaum auf dem Markt und im Nullkommanichts verkauft.“

Baubranche ist der Motor in der Coronakrise

Die Baubranche gilt in der Coronakrise immer noch als Motor der Wirtschaft hierzulande. Allerdings machen die Baustoffknappheit den Betrieben rings um Dorsten schwer zu schaffen. „Die Baubranche war während der andauernden Corona-Pandemie ein verlässlicher Motor für die deutsche Konjunktur, jetzt droht dieser Motor durch eine regelrechte Preisexplosion und zunehmende Lieferengpässe bei Baustoffen ins Stocken zu geraten“, kommentiert Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin der Bauindustrie NRW, die aktuellen Preissprünge und Lieferprobleme bei wichtigen Baustoffen.

Weltmarktpreise für Holz um über 300 Prozent gestiegen

Sie bestätigt, was sich in Dorsten stellenweise bereits bemerkbar gemacht hat: „Außergewöhnlich schnelle Preissteigerung bei Holz, Dämmstoffen, Bitumen, Stahl und Blechen, aber auch bei Dachpappe und Schrauben, Kunststoffen, PVC sowie Farben und Lacken.“ In den letzten zwölf Monaten seien die Weltmarktpreise für Holz um über 300 Prozent, Preise für Betonstahl in Stäben um knapp 26 Prozent, für Bitumen um gut 21 Prozent, bei Kanalgrundrohren um 50 Prozent und bei Kunststoffen um etwa 17 Prozent gestiegen.

Am Ende zahlen private Bauherren kräftig drauf.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
Zur Autorenseite
Claudia Engel

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.