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Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

dzOrtsteil-Check Barkenberg

Barkenberg, die grüne Oase im Norden, punktet mit ausgezeichneten Verkehrsverbindungen und Radwegen. Aber etwas vermissen die Ortsteilbewohner doch: Gastronomie, Café und eine Eisdiele.

Wulfen-Barkenberg

, 18.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Tanja (35) und Markus Seyer (37) sind 2013 in einen der Bungalows in der ehemaligen Musterhaussiedlung am Surick eingezogen. Sie kam aus Krefeld hierhin, ihr Mann aus dem nördlichsten Sprengel von Lembeck: Wessendorf. Der selbstständige Webentwickler und die Verwaltungsfachangestellte sind hochzufrieden mit ihrem neuen Wohnort: „Hier ist es ruhig, wir kommen gut von A nach B und das viele Grün und die Radwege sind paradiesisch.“ Barkenbergs schlechtes Image in der öffentlichen Wahrnehmung weisen die beiden Neubürger strikt zurück: „Das hat sich in unserem Erleben nie bestätigt.“

Tatsächlich seien Freunde und Bekannte beeindruckt, wenn sie erstmals in Barkenberg zu Gast sind. „Sie sagen dann: Das war eine gute Wahl von euch, nach Barkenberg zu ziehen“, sagt Tanja Seyer. Das können langjährige Barkenberg-Bewohner nur unterstreichen.

Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

Die Finnstadt gilt als Beispiel für gelungene Architektur aus den 1970er-Jahren. © Guido Bludau

In unserem Ortsteil-Check wird die hohe Wohnqualität in Barkenberg hervorgehoben; auch, dass Barkenberg der wohl grünste Ortsteil der Stadt Dorsten sei. Die getrennte Wegeführung von Fußgängern, Radfahrern und Autos ist ein Alleinstellungsmerkmal von Barkenberg und wird dementsprechend von der Bevölkerung als „besonders“ empfunden. „Das Verkehrskonzept ist genial“, schreibt uns eine Barkenbergerin, die sich seit 2007 in dem Ortsteil heimisch fühlt.

Aber: Es fehlt an gastronomischen Angeboten in Barkenberg. Tanja und Markus Seyer loben die gepflegte Gastronomie in der Bar 61 am Wulfener Markt. „Schön wäre es, wenn es noch eine Eisdiele oder ein Café gäbe“, sagen die beiden und bestätigen damit die Wünsche anderer Barkenberger, die solche Angebote ebenfalls vermissen.

Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

© Verena Hasken

Und auch die Sauberkeit in den Grünanlagen lässt aus Sicht der 165 Umfrageteilnehmer aus Barkenberg zu wünschen übrig: „Der Wittenberger Damm wird von Autofahrern wohl als Müllkippe betrachten. Die Grünstreifen beidseits der Straße sind regelmäßig vermüllt“, schreibt uns ein 70-jähriger Barkenberger.

Rainer Diebschlag, „Ur-Einwohner“ des 1958 an auf der grünen Wiese entstandenen Ortsteils, bewertet die Vernachlässigung des Grüns im Ortsteil kritisch. Er sagt auf unsere Anfrage: „In Zusammenarbeit von Bürgern und der Stadt wurde ein Grünkonzept verabschiedet. Leider zeigt sich an der zunehmenden Zahl von privaten Schottersteinbeeten, dass sich immer weniger Menschen verpflichtet fühlen, das Barkenberger ‚Grün bleibt Grün‘ zu respektieren.“

Der Ortsteil sei von Planern entworfen worden, die einen Kontrast zu den seinerzeit verschmutzten und hochgradig belasteten Ruhrgebietsstädten schaffen wollten. Eine „gesunde Umgebung“ für Menschen, die hart arbeiten. Biologen hätten ihre Handschrift bei der Wahrung des Grüns und dem grünen Gitternetz zwischen Straßenzügen und Häusern hinterlassen. „Das wird alles nach und nach aufgeweicht“, sagt Diebschlag.

Das zeige sich auch insbesondere am Napoleonsweg. „Dieser Weg ist das schönste Bauwerk Barkenbergs. Ein Fuß- und Radweg durch Baumalleen und über Brücken, der Barkenberg von Nord nach Süd durchquert. Mittlerweile fühlen sich die Bewohner und auch Ortsfremde nicht mehr an die getrennte Wegeführung gebunden und befahren diesen Weg mit ihren Autos“, kritisiert Diebschlag.

Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

Der Napoleonsweg in Barkenberg ist ein Fuß- und Radweg. Viele nutzen ihn aber als Abkürzung, weil sie eine acht Kilometer lange Ortsumgehung in Richtung Lembeck nicht fahren möchten. © Claudia Engel

Die Polizei kontrolliere zwar manchmal das verbotene Treiben zwischen Lippramsdorfer Straße, Schwalbenstück und Eichenstück, „aber das Knöllchen nehmen die meisten Autofahrer wohl in Kauf, weil die Fahrt über den Wittenberger Damm, über die B58 und die Lippramsdorfer Straße in Richtung Lembeck acht Kilometer länger ist als die verbotene Abkürzung“.

So werde das viel gelobte Konzept der getrennten Wegeführung in Barkenberg zulasten der Fußgänger, Radfahrer und Anlieger ad absurdum geführt. „Ohne regelmäßige Kontrollen wird die Fahrt über den Napoleonsweg als Gewohnheitsrecht empfunden, denn die Bürger erleben, dass die öffentliche Hand versagt“, so Rainer Diebschlag.

Für Neubürger hat die Stadtteilkonferenz, die Wulfen-Konferenz, eine Broschüre herausgegeben, die die Besonderheiten des Ortsteils hervorhebt und zur Wahrung und Achtung der ortsteilspezifischen Merkmale ermuntert.

Das wurde positiv bewertet:

Radwege: Volle Punktzahl (10). Auf den Radwegen könne man kreuz und quer durch Barkenberg fahren, das einzig störende sei, dass die Wege zunehmend vom Auto- und Lieferverkehr missbraucht würden. „Überall wird geparkt, Fußgänger und Kraftverkehr sind nicht mehr getrennt, keiner kümmert sich darum. Meine Kinder sind anders aufgewachsen“, kommentiert ein älterer Barkenberger die Entwicklung.

Kinderbetreuung: Mit 8 Punkten schneidet Barkenberg in puncto Kindertagesstätten und Schulen gut ab. „Wunderbar für Familien mit Kindern geeignet“, schwärmt eine jüngere Barkenbergerin.

Grünflächen: Auch in diesem Punkt wird Barkenberg die volle Punktzahl (10) von seinen Bewohnern zugesprochen. Die Bewertung reicht von „Dorstens grünstem Ortsteil“ bis hin zu „Mir gefallen die schöne Natur und die vielen Fußwege“.

Nahversorgung: Die Nahversorgung wird in Barkenberg hoch bewertet. 9 von 10 Punkten gibt es für das PEP-Einkaufszentrum neben der leerstehenden Ladenzeile Wulfener Markt. Tanja und Markus Seyer sagen: „Wir können gut zu Fuß einkaufen gehen. Für diesen doch relativ kleinen Ort haben wir mit Edeka, Tedi und Aldi, mit Rossmann und Kik eine gute Auswahl.“

Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

Die Nahversorgung in Barkenberg schneidet sehr gut ab: Am PEP-Einkaufszentrum neben der leer stehenden Ladenzeile Wulfener Markt finden die Bewohner alles, was sie brauchen. © Claudia Engel

Sie wünschen sich, dass auch der Handwerkshof wiederbelebt wird. Dies ist das zweite Einkaufszentrum in Barkenberg, das heute aber nur noch einen Supermarkt und einen Handel für Handwerkerbedarf führt. „Der ist aber super sortiert“, lobt Markus Seyer.

Verkehrsbelastung: Mit 8 Punkten wird die Verkehrsbelastung in Barkenberg als durchaus tolerabel empfunden. Tanja und Markus Seyer kritisieren aber die Schnellfahrer auf der Kampstraße: „Es wäre schön, wenn hier eine 30 km/h-Zone eingerichtet würde, denn manche Autofahrer drehen auf der Kampstraße richtig auf.“

Eine Umfrageteilnehmerin wünscht sich das auch dringend: „Es wäre gut, wenn auf der Kampstraße Tempo 30 eingeführt würde, da sie sowohl an ein Altenheim als auch an einen Kindergarten grenzt und angrenzend viele Häuser stehen und Bewohner unter dem Straßenlärm leiden.“

Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie: „Barkenberg hat viele Pizzalieferdienste. Die Bar 61 ist eine Super-Sache, aber es fehlen eine Eisdiele und ein Café und vielleicht noch eine zweite gastronomische Einrichtung.“

Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

Die Bar 61 im Gemeinschaftshaus Wulfen ist die einzige Gastronomie im Ortsteil Barkenberg und wird von den Bürgern sehr geschätzt. © Claudia Engel

Die Meinung der Eheleute Seyer wird von unseren Umfrageteilnehmern geteilt. Sie vergaben lediglich 5 Punkte für die Barkenberger Gastronomie. Umso besser, dass die Lenkungsgruppe im Gemeinschaftshaus Wulfen die Bedürfnisse der Bevölkerung erkannt hat und zusammen mit dem Gastronomen der Bar 61 ein neues Konzept entwickelt, um das vorhandene gastronomische Angebot im Gemeinschaftshaus am Wulfener Markt weiter auszubauen.

Angebote für die Jugend: Das Angebot für die Jugendlichen könnte besser sein. 5 Punkte vergaben die Barkenberger dafür und damit genauso wenig Punkte wie andere Ortsteilbewohner für ihre Ortsteile auch. „Die Sportvereine haben allerdings ein großes Angebot“, haben Markus und Tanja Seyer festgestellt. Ob das der Jugend reicht? Unsere Umfrage gibt dazu keine konkreten Hinweise.

Sauberkeit:
Barkenberg könnte sauberer sein: Das meinten viele unserer Umfrageteilnehmer und auch unser befragtes Ehepaar Seyer sagt, dass einige Grünflächen mit Müll verunreinigt seien. Schmuddelecken seien zudem der Wulfener Markt und der Weg zur Gesamtschule Wulfen. So gibt es nur 6 von 10 Punkten für die ansonsten grünste Oase Dorstens. „Wir sind dazu übergegangen, Müll einzusammeln und dann in die richtigen Müllbehälter zu entsorgen“, sagen die Seyers.

Das war in der Umfrage nicht enthalten

Soziales Miteinander: Wir haben zwar nicht gefragt, aber wegen der Vielzahl von Anmerkungen zum Thema Soziales Miteinander sollte dieser Aspekt nicht verloren gehen. Volle Punktzahl geben die Barkenberger dem Gemeinschaftsgefühl im Ortsteil. „Barkenberger sind offen und engagiert, weil alle zugezogen sind, ist man schnell integriert“ oder „Die Leute sind sehr freundlich“ oder „die tolle Nachbarschaft im Westabschnitt von Barkenberg“ sind nur einige Beispiele für das große Lob, das die Barkenberger einander zollen.

Tanja und Markus Seyer können das nur unterstreichen: „Wir haben hier sofort Anschluss in der Nachbarschaft gefunden und ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn entwickelt.“

HISTORIE
Barkenberg: Wohn- und Radfahrerparadies im Grünen mit zu wenig Gastronomie

Der Wulfener Markt 1978: Der Rundbau ist eines der architektonischen Beispiele, die Barkenberg berühmt gemacht haben. Heute beherbergt der Bau Arztpraxen, Apotheke, Bäckerei, Bank und Optiker im Erdgeschoss. © Archiv Walter Biermann

NEUE STADT WULFEN VOR 60 JAHREN AUS DEM BODEN GESTAMPFT

Der Stadtteil ist erst im Jahr 1958 entstanden. Er sollte die Heimat für bis zu 8000 Bergleute mit ihren Familien werden, die durch den Bau der Zeche herziehen sollten. Die als Mustersiedlung geplante sogenannte „Neue Stadt“ gewann 1961 einen städtebaulichen Wettbewerb. Sie lockte mit ihrer besonderen Architektur in den 1970er-Jahren viele Besucher von außerhalb an und noch heute zeigen die verdichteten Bereiche mit Bungalows und Mehrfamilienhäusern, wie Wulfen-Barkenberg ursprünglich geplant war. 8000 Bergleute wurden nie beschäftigt und als im Jahr 2000 die Schachtanlage stillgelegt wurde, musste die Bebauung angepasst und im Rahmen des Stadtumbaus West Hochhäuser abgerissen beziehungsweise zurückgebaut werden.
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