Auf dem Freitags-Markt konnte die E-Rikscha am Wulfener Gemeinschaftshaus ausgiebig getestet werden. © Michael Klein
Nachbarschaftsprojekt

Ausflüge und Einkäufe mit der E-Rikscha: Fahrer kutschieren Senioren

Damit ältere Menschen in einem Stadtteil von Dorsten wieder mobil werden, können sie kostenlos eine E-Rikscha mit Fahrern bestellen - für Ausflüge und für Einkaufstouren.

Viele Bereiche von Wulfen-Barkenberg sind autofrei – wer hier wohnt, ist immer schon viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Inzwischen aber sind viele Bewohner, die vor Jahrzehnten in die damals „Neue Stadt Wulfen“ gezogen sind, gemeinsam mit ihren Wohnquartieren in die Jahre gekommen. Und sind aus Altersgründen nicht mehr so mobil wie früher – weder mit dem Rad noch zu Fuß, schon gar nicht mit dem Auto.

Vor allem an diese Generation richtet sich ein Angebot, das vor gut zwei Monaten in die Probephase gegangen ist. „Und das so erfolgreich anlief, das es jetzt so richtig vermarktet wird“, kündigt Petra Kuschnerenko, Demografiebeauftragte bei der Stadt Dorsten, an.

„Rikscha radeln“ heißt es – und das bedeutet: Wer nicht mehr selbst in die Pedale treten kann oder möchte, kann in Wulfen kostenlos ein seniorengerechtes E-Tandem ausleihen – der Fahrer oder die Fahrerin werden auf Wunsch sogar gestellt. Sie haen sogar eine Sicherheits- und Erste-Hilfe-Schulung absolviert.

„Inzwischen sind wir mehr als zehn Leute, die die Rikscha-Gäste durch die Gegend kutschieren“, sagt Michael Wolf von der Gruppe „Rad & Tat Barkenberg“, deren Mitglieder sich ehrenamtlich als Chauffeure zur Verfügung gestellt haben. „Wir fahren die Menschen zum Einkaufen, transportieren ihre Sachen wieder nach Hause“, nennt er ein Einsatzgebiet. Mancher Fahrauftrag führt aber auch zum Friedhof, „und ganz beliebt sich unsere Rundtouren am Barkenberger See.“

Die Fahrer holen die Gäste auch zu Ausflügen an den Barkenberger See ab. © Privat © Privat

Sonja Schroer-Klösener ist schwer angetan von dem Angebot. „Das ist bei unseren Bewohnern der absolute Renner“, sagt die Leiterin des AWO-Seniorenhauses in Barkenberg. In der Garage des Altenheims ist die E-Rikscha geparkt, wenn sie nicht im Einsatz ist. „Kürzlich durfte eine Rollstuhlfahrerin vorne auf dem Sitz des Tandems Platz nehmen und einen Ausflug durch den Stadtteil machen“, erzählt die Heimleiterin. „So glücklich war sie schon lange nicht mehr.“

Damit alte Leute sicher aufsteigen können, wurde der Beifahrereinstieg tiefer gelegt.
Damit alte Leute sicher aufsteigen können, wurde der Beifahrereinstieg tiefer gelegt. © Michael Klein © Michael Klein

„Es geht um das Gemeinschaftsgefühl, wir wollen die Nachbarschaft miteinander verbinden und dafür sorgen, dass sich die Generationen wieder mehr begegnen können“, erklärt Jan Erdmann, Projektleiter des „DigiQuartiers Barkenberg“. Die eine möchte nur mal raus kommen aus dem Alltag, die Straße sehen, wo sie früher mal gewohnt hat, der andere möchte noch einmal rausfahren zu Tante Guste ins Café oder zu den Störchen in den Hervester Bruch.

Das Projekt, angesiedelt beim Kreis Recklinghausen und gefördert vom Land NRW, widmet sich dem Ziel, Senioren im Modellquartier Barkenberg technische Alltagshelfer nahezubringen und so ihre digitale Kompetenzen zu fördern. Beispielsweise durch den „Digital-Treff“ (eine offene Sprechstunde) oder die „Bücherei der Dinge“, wo sich Senioren technische Geräte von Tablets bis hin zu Saugrobotern ausleihen und diese testen können.

Jan Erdmann (Projektleiter Digi-Quartier) spendierte dem Fahrer-Team von „Rad & Tat Barkenberg
Jan Erdmann (Projektleiter Digi-Quartier) spendierte dem Fahrer-Team von „Rad & Tat Barkenberg“ grüne Warnwesten. © Michael Klein © Michael Klein

8.000 Euro hat die E-Rikscha gekostet, eine Anfertigung der Firma Reha-Triplex, für den Einsatz ein wenig modifiziert. „So ist auf einer Seite ein tiefer Einstieg installiert worden, das ist für alte Leute einfacher“, erzählt Bernd Lübbers, einer der „Rad & Tat-Fahrer“. Der Fahrer tritt mit Unterstützung eines Elektromotors, der Beifahrer mit Muskelkraft. Vier Räder hat die E-Rikscha, drei Sitze, einer ist vorne. 13 bis 14 km/h brachte sie als Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Tacho.

Auch in die Hohe Mark

Michael Wolf betont, dass sein engagiertes Team auf Wunsch sogar Ausflüge in die umliegenden Bauernschaften oder die Hohe Mark unternimmt. Hauptsache, die Gäste und Fahrer haben Spaß und es wird nicht zu anstrengend. In Zukunft kann er sich auch Touren vorstellen, bei denen unterwegs der Müll am Wegesrand aufgesammelt wird. Oder Fahrten mit den Inklusionskindern der Gesamtschule Wulfen.

Rikscha und „Rad & Tat-Team sind organisatorisch an den Verein „ProGHW“ angebunden. Deswegen erfolgen Kontaktaufnahme und Terminvergabe über das Büro des Gemeinschaftshauses Wulfen (montags bis freitags, 9 bis 12 Uhr), Wulfener Markt 5, Tel. (02369) 93450 oder per Mail: RuT-Barki@gmx.de . Weitere Infos gibt es auf der Homepage unser-quartier.de/radundtat-barkenberg . Auch zwei E-Bikes für weitere Begleitfahrer können ausgeliehen werden.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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