Angekommen: nach 25 Kilometern Fußmarsch am Tetraeder. Die Wanderung ist im Sommer, dann entstand das Foto, genauso schön wie zu jeder anderen Jahreszeit. © Christoph Winck
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Auf Kohle geboren: Wanderung zum Tetraeder in Bottrop

Wandern ist „in“ in Corona-Zeiten. Und warum nicht vor der eigenen Haustür? Ein spektakuläres Ziel? Kein Problem. Seit fast 25 Jahren thront der Tetraeder über der Halde Beckstraße in Bottrop.

Doch ich war noch nie in meinem Leben oben. Das muss geändert werden. Als Dorstener starten wir am Bahnhof Dorsten, am Europaplatz. Für den Rückweg ist das strategisch klug, Parkplätze sind zwischen McDonald’s und Media Markt ausreichend vorhanden, vor allem am Wochenende.

Start ist in Dorsten

Es geht am Wasserturm (auch die Straße heißt so) vorbei auf die Feldhausener Straße. Die Eisenbahnbrücke der Feldmark zeugt vom großen ehrenamtlichen Engagement – die Bürgerschaft hat in Eigeninitiative und großer Spendenbereitschaft für die Erneuerung dieser Fußgänger- und Radfahrerbrücke gesorgt. Die Bahnstrecke Dorsten-Feldhausen ist unser ständiger Begleiter.

Über Gelsenkirchener Straße und den Tönsholter Weg geht es bis zur Ostlandstraße. Dort gehen wir in einer schnellen Links-Rechts-Kombination in die Straße Bockumsfeld. Immer wieder rauschen Personenzüge der Nordwestbahn oder der Deutschen Bahn an uns vorbei.

Holzachterbahn des Movie Parks

Doch das nächste laute Knattern verursacht die Holzachterbahn des Movie Parks in Feldhausen. Über die Straße Im Mandel lassen wir den Freizeitpark rechts liegen – die Schreie begeisterter junger Menschen schallen durch den Tag. Definitiv – aus dem Alter sind wir raus. Wir erfreuen uns an unserer Wanderung und erhaschen den Blick auf ein Rentier im Gehege.

Blick von der hinteren Seite – die Holzachterbahn im Movie Park Feldhausen.
Blick von der hinteren Seite – die Holzachterbahn im Movie Park Feldhausen. © Christoph Winck © Christoph Winck

Hinter dem Movie Park nehmen wir den Fußweg durch den Wald, lassen den Bahnhof Feldhausen rechts liegen und überqueren an der Schloßgasse die Bahnlinie. Schloß Beck lassen wir aus, stattdessen laden die Bänke an der Kirche St. Mariä Himmelfahrt zu einer Rast ein. Die ersten 90 Minuten stecken uns in den Beinen. Der Gasthof Berger in Feldhausen lockt auch mit seinem Biergarten – aber für die Mittagspause ist es uns noch zu früh.

Trojanisches Pferd in den Wiesen

Stattdessen gehen wir über die Marienstraße durchs friedliche Feldhausen, lassen die Sportanlage des TSV links liegen und grübeln, woher das trojanische Pferd in den Wiesen stammt. Erst später erklärt sich: ein Relikt der letzten Bauern-Olympiade in Kirchhellen. Wir gehen einfach geradeaus über den Lippweg in den Zweckeler Wald hinein.

Erste Rast oder Startpunkt – Kunst in Feldhausen.
Erste Rast oder Startpunkt – Kunst in Feldhausen. © Christoph Winck © Christoph Winck

Der Weg immer Richtung Süden – tatsächlich erreichen wir wie geplant die Redenstraße in Zweckel. Wir laufen die Brahmsstraße Richtung Süden, laufen links einige Meter über die Beethovenstraße und genießen den Blick auf die zweitürmige Herz-Jesu-Kirche in Zweckel. Wir atmen Industriekultur, während wir die Lortzingstraße vorbei an Zechenhäusern bis zum Ende gehen, rechts in die Tauschlagstraße wandern, um dann am Firmengebäude von RBH Logistics links in die Talstraße zu gehen und die Bahnlinie zu überqueren.

Seltenes Kirchenbauwerk mit zwei Türmen – die Herz-Jesu-Kirche in Zweckel.
Seltenes Kirchenbauwerk mit zwei Türmen – die Herz-Jesu-Kirche in Zweckel. © Christoph Winck © Christoph Winck

Nach wenigen Metern ist der schöne Spielplatz am Nordpark das Signal für uns, rechts in den Park zu biegen. Auf dem Steg des Nordpark-Teiches bietet sich eine herrliche Gelegenheit für die zweite Rast. Eine weitere Stunde sind wir bereits unterwegs.

Wir wanden am Teichufer durch den Park auf das Heisenberg-Gymnasium zu, lassen die Schule links liegen und gehen an der Bahnlinie entlang bis zum Bahnhof Gladbeck-West.

Schloss Wittringen mit seinem Schlosspark – idealer Zeitpunkt für die Mittagsrast.
Schloss Wittringen mit seinem Schlosspark – idealer Zeitpunkt für die Mittagsrast. © Christoph Winck © Christoph Winck

Die Hoffnung auf eine Toilette erfüllt sich dort leider nicht. Deshalb geht es gleich weiter Richtung Schloss Wittringen, dem Ort unserer Mittagspause. Dazu gehen wir vom Bahnhof Gladbeck-West über die Hansemannstraße, überquerten die viel befahrene Mühlenstraße und gelangen über den kleinen Fußweg auf die Wiesenstraße. Diese gehen wir immer geradeaus bis zum Ende.

Gesichter ohne Maske – Kunst am Schloss Wittringen in Gladbeck.
Gesichter ohne Maske – Kunst am Schloss Wittringen in Gladbeck. © Christoph Winck © Christoph Winck

Wenige Meter gehen wir nach rechts über die Bottroper Straße um gleich wieder links in die Wittringer Straße einzubiegen. Der Name ist Programm – sie führt uns geradewegs in den Wittringer Wald. Wir genießen den Schlosspark und erreichen schließlich das Wasserschloss Wittringen. Der Tennisclub Haus Wittringen lockt schon mit Schnitzel-Angeboten, wir kehren dann aber doch im Schloss-Restaurant ein. Das lohnt sich, nicht nur weil wir den starken Regenschauer in den Mittagsstunden unbeschadet überstehen.

Ein witziges Spielgerät auf einem Spielplatz an der Wiesenstraße  in Gladbeck.
Ein witziges Spielgerät auf einem Spielplatz an der Wiesenstraße in Gladbeck. © Christoph Winck © Christoph Winck

Nach ausgiebiger Pause gehen wir weiter Richtung Südwesten – die Wanderwege südlich der Bohmerstraße sind schön, aber akustisch dominiert der Lärm der nahen A2. Aber so wissen wir, dass wir richtig sind – akustische Orientierung. Wir stoßen rückwärtig auf das Hotel Van der Valk, das jeder von der Autobahn kennt, biegen links auf die Ellinghorster Straße ein, um die A2 zu überqueren. Wir gehen weiter Richtung Süden, an Bauernhöfen vorbei.

Ein Loch im Zaun und Trampelpfade

Das ist das Ruhrgebiet. Gestoppt werden wir vom Bauzaun am Boyetal. Was tun? Es ist Samstag, die Baustelle ruht. Und ein Loch im Zaun und Trampelpfade weisen uns den Weg auf das andere Ufer der Boye. Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht – die Schilder hatten eine Sperrung bis April 2020 ausgewiesen. Der ist lange vorbei.

Wir überqueren die Straße „Im Gewerbepark“ und nehmen den ausgeschilderten Fußweg (Boykampweg, parallel zur Heimannstraße). Im Knick gehen wir rechts auf die Heimannstraße, diese weiter Richtung Süden und nutzen nach wenigen 100 Metern die Fußgängerbrücke über die Bahnlinie, um auf die Lütkestraße zu gelangen. Diese gehen wir Richtung Süden – und erhaschen einen ersten Blick auf unser Ziel, den Tetraeder. Wir sind auf der Zielgeraden.

Cappuccino-Pause heißt das Motto

Der geplante Kaffee-Stopp im Restaurant Bernsmann muss ausfallen – Betriebsferien. Aber fündig werden wir am Ende der Lütkestraße, wo diese in die Horster Straße mündet. Wir entscheiden uns gegen das Eiscafé zur Rechten, sondern gehen links auf die wunderschöne Restaurant-Terrasse des Ristorante Amanda direkt am Bahnhof Boy. Cappuccino-Pause heißt das Motto hier. Und wir geben das Versprechen ab: Hier kommen wir mal zum Essen wieder hin.

Das Ziel hoch über dem Ruhrgebiet: der Tetraeder in Bottrop
Das Ziel hoch über dem Ruhrgebiet: der Tetraeder in Bottrop © Christoph Wink © Christoph Wink

Doch nun wollen wir hoch auf die Halde, hoch zum Tetraeder. Von der Horster Straße gehen wir nach Süden über die Robert-Brenner-Straße, überqueren die Batenbrockstraße und nehmen die vielsagende Stichstraße „Zum Haldenblick“. Am Ende der Sackgasse geht es auf Fußwegen zum Rand der Halde.

Zum Aufstieg wählen wir die Serpentinen auf der Westseite. Das scheint kraftsparender als die fast 400 Stufen auf der Südseite. Die nehmen wir später auf dem ausgeschilderten Weg Richtung Bottrop Hauptbahnhof. Aber erst einmal genießen wir den Blick der Halde, belohnen uns nach 25 Kilometern mit einer letzten Rast.

50 Meter hoch auf den Tetraeder

Aber natürlich geht es auch noch die Treppen hoch im 50 Meter hohen Tetraeder. Spannend ist der Blick übers Ruhrgebiet. Wo liegt die Heimat? Welches Kraftwerk ist wo zu sehen? Ein kleiner Gruß zu den Bögen der Halde Hoheward in Herten. Natürlich die Veltins-Arena mit ihrem weißen Dach, die Städte Essen und Bochum – wer auf Kohle geboren ist, kann sich nicht satt sehen an seinem Revier.

Zug fährt uns vor der Nase davon

Der einzige Fehler des Tages – zu knapp laufen wir los, um am Bottroper Bahnhof die Nordwestbahn nach Dorsten zu bekommen. Vor der Nase fährt uns der 19.44 Uhr Zug davon. Eine Stunde warten – aber es gibt genug Ereignisse des Tages, über die wir sprechen können. Die kurze Zugfahrt zurück, auch wenn mit einstündiger Verspätung, führt uns an einigen Etappen des Tages im Schnelldurchlauf vorbei. Und ich war endlich auf dem Tetraeder in Bottrop.

Hinweis: Die Wanderung fand im Sommer statt, als noch alle Restaurants für eine Rast geöffnet waren.

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