In den kommenden Tagen will die Ständige Impfkommission entscheiden, ob sie Schwangeren generell eine Corona-Impfung empfiehlt. (Symbolbild) © dpa
Coronavirus

Arzt zur Corona-Impfung: „Schwangere haben selbstverständlich Ängste“

Kurz nach der Geburt starb eine Frau in Dortmund an Corona. Ein Dorstener Facharzt für Frauenheilkunde spricht sich für die Impfung von Schwangeren aus - und bald auch die Stiko?

Es ist ein Fall, der viele erschüttert hat: In der vergangenen Woche starb eine 25 Jahre alte Frau in der Dortmunder Frauenklinik an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Sie hatte sich als Schwangere infiziert, keine Vorerkrankungen gehabt und war ungeimpft. Per Kaiserschnitt konnten die Ärzte das Kind noch retten, für die Mutter kam jede Hilfe zu spät.

Der Direktor der Frauenklinik appellierte danach an alle Schwangeren, sich unbedingt impfen zu lassen. Dazu legte er Daten vor, wonach das Sterberisiko bei einer Corona-Infektion bei Schwangeren höher ist als bei Nicht-Schwangeren gleichen Alters. Diese Zahlen kennt auch der Dorstener Facharzt für Frauenheilkunde, Dr. Thomas von Ostrowski: „Leider ist die Sterblichkeit bei Schwangeren mit Covid-19-Infektion um das 26-Fache erhöht“, sagt er.

Inzwischen seien glücklicherweise aber die meisten Schwangeren geimpft. Das Thema bleibt jedoch sensibel – unter anderem weil die Ständige Impfkommission (Stiko) aufgrund nicht ausreichender Datenlage bislang keine generelle Impfempfehlung für Schwangere ausspricht. Bis Ende August soll in dieser Frage eine Entscheidung fallen.

Dr. Thomas von Ostrowski ist Facharzt für Frauenheilkunde in Dorsten. © privat © privat

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfahl schon im Mai, nach ärztlicher Aufklärung und Ausschluss medizinischer Gründe, die gegen eine Impfung sprechen, alle schwangeren und stillenden Frauen priorisiert mit mRNA-Impfstoffen (Biontech oder Moderna) zu impfen.

Desinformation in Sozialen Netzwerken

Auch von Ostrowski spricht sich für die Impfung von Schwangeren aus, weiß aber auch: „Schwangere haben in dieser Situation selbstverständlich Ängste und möchten die Gesundheit ihres Kindes keinesfalls gefährden.“ Fake-News in Sozialen Medien würden zusätzliche Ängste schüren.

Hartnäckig wird etwa behauptet, dass Impfungen unfruchtbar machen oder der Impfstoff dem Kind schaden könnte: „Beides ist nach aktueller Datenlage vollkommen unzutreffend.“ Vielmehr würden nach der Impfung Antikörper der Schwangeren auf das ungeborene Kind übertragen: „Dadurch kann sogar ein Infektionsschutz für das Neugeborene generiert werden.“

Als problematisch empfand von Ostrowski, dass lange unklar war, wie mögliche Impfschäden bei Schwangeren reguliert werden. Das habe Impfärzte verunsichert und dazu geführt, dass impfwillige Schwangere abgewiesen wurden. Mittlerweile sei klar, dass Impfschäden auch dann reguliert werden, wenn – wie derzeit bei den Schwangeren – keine generelle Stiko-Empfehlung vorliegt. Das habe zu einer merklichen Entspannung geführt.

Keine Impfung für Schwangere im Impfzentrum

Im Recklinghäuser Impfzentrum werden Schwangere bislang grundsätzlich nicht geimpft. „Es gab einen Erlass, der klar regelt, dass Schwangere bei Gynäkologen und oder niedergelassenen Ärzten geimpft werden sollen und nicht im Impfzentrum“, sagt Kreissprecherin Svenja Küchmeister. „Und bislang wurde dieser Erlass nicht aufgehoben.“ Der Kreis Unna beispielsweise impft aber auch Schwangere in seinem Impfzentrum.

Aus dem NRW-Gesundheitsministerium heißt es dazu auf Nachfrage, „dass für die Impfzentren derzeit keine Regel dazu getroffen wurde, in welchen Fällen bzw. in welchem Rahmen Schwangere geimpft werden können, da die Stiko die Impfung in der Schwangerschaft derzeit grundsätzlich nicht empfiehlt.“

Ob auch im Kreis Recklinghausen Schwangere an Corona gestorben sind, ist nicht bekannt. Die Kreisverwaltung macht dazu keine Angaben und verweist auf den Datenschutz. Bei den allermeisten Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in der Altersgruppe unter 50 Jahren im Kreis Recklinghausen handelt es sich um Männer.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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