Apotheker und Patienten schlucken bittere Pillen

Arzneimittelneuordnungs-Gesetz

Seit dem 1. Januar sorgt das Arzneimittelneuordnungs-Gesetz sowie die neuen Rabattverträge bei Apothekern in Dorsten und deren Kunden für Verwirrung und Unmut.

DORSTEN

von Von Thomas Terhorst

, 11.01.2011, 17:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Arzneimittelneuordnungs-Gesetz beschert den Apothekern mehr Arbeit.

Das Arzneimittelneuordnungs-Gesetz beschert den Apothekern mehr Arbeit.

Für Apotheker in Dorsten bedeutet das Gesetz und die neuen Rabattverträge vor allem eins: mehr Arbeit. So sieht das vor allem der Recklinghausener Bezirksgruppen-Vorsitzende des Apothekerverbandes, Gerhard Brauckmann.

"Das Gesetz ist die totale Augenwischerei. Keinem würde ich zur Draufzahl-Alternative raten", so der Vorsitzende. Seitdem das Gesetz in Kraft getreten ist, können Kunden entweder das günstigere, von der Kasse bezahlte Medikament kaufen, oder die teure Alternative. Das Aufgeld müssen sie für die Alternative allerdings in der Apotheke vor Ort zahlen.Kunden nutzen die Option nicht

Erst nachdem Patienten die Quittung bei den Kassen eingereicht haben, bekommen sie die Differenz zurück. Doch "diese Option wird von den Kunden einfach nicht genutzt", berichtet die Dorstener Apothekerin Rebekka Feische. "Den Kunden fehlt das Vertrauen zu den Krankenkassen und nehmen aus Angst lieber das günstigere Produkt."

Problematisch ist auch die neue Handhabung der Packungsgrößen. Schon bei N1-Medikamente, das sind Arzneien mit kleinen Verpackungen, gibt es neuerdings einen Austauschbereich von maximal fünf Prozent. "Da kann es schon mal vorkommen, dass Patienten nur 95 statt der verschriebenen 100 Tabletten bekommen, sagt Apothekerin Anke Murlat, "aber bis jetzt haben das alle Kunden akzeptiert."Hauptsache günstig Verwirrend für die Kunden ist zudem, dass die Medikamente, die die Apotheken gemäß den Rabattverträgen ausgeben müssen, zwar den selben Wirkstoff beinhalten, aber nicht ausdrücklich für die Krankheit des Patienten bestimmt sein müssen. "Bis man den Kunden das alles ausführlich erklärt hat, vergeht natürlich wertvolle Zeit", so Brauckmann, "aber dass der Patient schon lange nicht mehr zählt, ist ja bekannt".

Lesen Sie jetzt