Gefälschte Impfpässe werden Apothekern in Dorsten seit einigen Wochen häufiger vorgelegt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Apotheker in Dorsten bestätigen: Immer mehr gefälschte Impfpässe

In Dorsten sind in den letzten Wochen vermehrt gefälschte Impfpässe vorgelegt worden. Aussagen von Apothekern stehen im Widerspruch zur offiziellen Polizei-Statistik.

Der Druck auf Ungeimpfte ist zuletzt nochmals deutlich erhöht worden. Um die Beschränkungen zu umgehen oder auch nur den täglichen Test, wählen offenbar immer mehr Impfgegner den illegalen Weg: gefälschte Impfpässe.

Ertappte Kunden verlassen eilig die Apotheke

Judith Pollmann (Apotheke im Viertel, Recklinghäuser Straße) berichtet, dass sie regelmäßig auf gefälschte, zumindest aber verdächtige Impfpässe stößt, die ihr zum Digitalisieren vorgelegt werden. „Es dauert halt auffällig länger, wenn wir zum Beispiel die Chargennummern der Impfungen kontrollieren, dann nehmen die Kunden uns die Unterlagen meist schnell wieder weg und verlassen eilig die Apotheke.“

Judith Pollmann
Apothekerin Judith Pollmann © Robert Wojtasik (A) © Robert Wojtasik (A)

Mit der Zeit seien die Mitarbeiter sensibler geworden für Fälschungen, sodass man den Betrügern besser auf die Schliche komme. Aber Anzeige hat Judith Pollmann noch nicht erstattet, weil die Betrüger die Apotheke in der Regel schnell verlassen, wenn sie merken, dass die Mitarbeiter Verdacht geschöpft haben.

Und so kommt es, dass der Polizei in den letzten Wochen im Zusammenhang mit verdächtigen Impfausweisen nur ein Fall von Urkundenfälschung aus Dorsten angezeigt wurde. „Gut möglich, dass einige Fälle auch als Betrugsdelikt erfasst wurden“, bestätigt Polizeisprecherin Corinna Kutschke. „Aber das herauszufiltern, dauert einige Zeit.“

Es gibt plumpe und gut gemachte Fälschungen

Apotheker Gerrit Nattler, der mit seinem Bruder Simon in Dorsten und Gelsenkirchen sechs Elisana-Apotheken betreibt, hat ähnliche Erfahrungen gemacht wie seine Kollegin. „,In all unseren Apotheken sind schon Fälschungen aufgefallen. In der Apotheke in der Stadtmitte eher weniger, da hier die Nähe zur Polizei wohl abschreckt. Aber an den anderen Standorten leider in den letzten Tagen und Wochen vermehrt.“

Gerrit Nattler hat zwei Arten von Fälschungen ausgemacht – „die ganz plumpen und die wirklich gut gemachten“. Da sei nicht auszuschließen, dass seinem Team, „das wirklich gut geschult ist und konzentriert die Ausweise begutachtet, mal eine gute Fälschung durchrutscht“.

Wie erkennt man einen gefälschten Impfpass?

Es ist nicht einfach, ein Impfzertifikat auf Echtheit zu überprüfen. Trotzdem gibt es einige Indizien, die für eine Fälschung sprechen könnten.

  • Name auf dem Impfpass passt nicht mit dem im Personalausweis zusammen;
  • Impfdatum und Impfabstände passen nicht. Beispiel: Vielerorts impfen Hausärzte erst seit April 2021. Ist das Datum älter, könnte das ein Indiz für eine Fälschung sein;
  • Aufbau des Impfpasses: Bei Fälschungen handelt es sich häufig um einen neu ausgestellten, gelben Impfpass. Bei neuen Impfpässen gibt es allerdings mittlerweile eine Extra-Seite für Corona-Impfungen;
  • Chargen-Nummern: Die Sticker einer Biontech-Impfung tragen mittlerweile ein Wasserzeichen, Moderna-Sticker haben einen 2D-Code;
  • Impfzentrum oder Arzt existieren nicht.

Seit Mai diesen Jahres ist eine neue Version des gelben Impfpasses verfügbar. Er wurde im Bereich der Standardimpfungen für Erwachsene um das Feld „COVID-19“ ergänzt. Zudem gibt es auf einer extra Doppelseite seitdem auch genügend Platz für Corona-Nachimpfungen.

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