Anwohner wehren sich in Dorsten gegen Baumfäll-Pläne der Stadt

dzBürgerprotest

Immer im Frühjahr zur Kirschblüte ist der Alte Postweg die farbenprächtigste Allee Dorstens. Doch die Stadt will die Bäume fällen. Gegen die geplanten Ersatzbäume machen die Anwohner mobil.

Dorsten

, 03.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Jedes Frühjahr wird der Alte Postweg in der Altstadt zur farbenprächtigsten Allee Dorstens - der Kirschblüte sei Dank. „Immer wieder kommen Leute extra vorbei, um hier von den Kirschbäumen schöne Fotos zu machen“, sagt Anwohner Hendrik Schulze-Oechtering. „Deswegen wehren wir uns dagegen, dass dieses ungewöhnliche und von vielen Dorstenern geschätzte Straßenbild zerstört werden soll.“

„Im Vergleich unscheinbar“

Denn die Stadtverwaltung möchte hier, zwischen Katharinenstraße und Gahlener Straße, gut 15 Bäume dieser Japanischen Zierkirschenart „Kanzan“ fällen und durch eine schmalere Kirschbaum-Art namens „Amanogawa“ ersetzen. Dagegen laufen die Anlieger Sturm. Drei dieser Amagonawa-Säulenkirschen seien von der Stadt gegenüber im Park angepflanzt worden, heißt es in einem Schreiben der Nachbarn. „Sie haben aber nur wenige weißlich-blassroasfarbene Blüten und sind im Vergleich zur Kanzan äußerst unscheinbar“, so ihre Kritik.

Neben CDU-Ratsherr Hendrik Schulze-Oechering gehören Nicole Wölke-Neuhaus (SPD-Kreistagsabgeordnete), Birgit Straub und Karin Janonowitz zu der vierköpfigen Aktivengruppe, die gegen die Pläne protestiert. „Ich habe Unterschriften gesammelt, alle in der Straße haben unterzeichnet“, erklärt Karin Janowitz. Die studierte Biologin kann nicht nachvollziehen, dass die Stadt so schnell Nägel mit Köpfen machen will.

Gutachten liegt noch gar nicht vor

Bereits am Dienstag (4.12.) soll der Bauausschuss in seiner letzten Sitzung des Jahres über die Rathauspläne abstimmen und den Verwaltungsvorschlag absegnen. „Dabei liegen die Ergebnisse des kürzlich von der Stadt beauftragten Baumgutachters doch noch gar nicht vor“, so Karin Janowitz. „Wir gehen nämlich davon aus, dass uns der Gutachter zum großen Teil recht gibt.“

Während die Stadt der Auffassung ist, dass die „Bäume stark überaltert sind“, meint Karin Janowitz, dass nur zwei der Kirschbäume so geschwächt seien, dass sie abgeholzt werden müssten.

Die Anwohner bemängeln in ihrem Schreiben, dass die Stadt die notwendigen Pflege- und Erhaltungsarbeiten an den Bäumen in den vergangenen Jahren nicht durchgeführt habe. „Gerade das hat zur Vergreisung der Bäume geführt.“ Da die von der Stadt gewünschte Säulenkirsche ebenfalls einmal im Jahr einen Rückschnitt benötige, habe dies keinen Vorteil beim Pflegeaufwand für die Stadt, so die Anwohner.

Schölzbach-Umgestaltung

Dass Stadt und Politik sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen, hat mit dem Stadtumbau-Projekt „Wir machen Mitte“ zu tun. Eines der Vorhaben: Mit gut zwei Millionen Euro soll die ökologische Qualität des Schölzbachs verbessert und das Schölzbachtal vor allem in den Bereichen Lippemündung, Finkennest, Winks-Mühlen-Park und Klimawäldchen für die Bürger landschaftlich aufgewertet werden. Neben neuen Sitzbänken, Lampen und Info-Stelen gehört auch eine neue Grünverbindung zwischen Park und Brücke an der Gahlener Straße dazu, bestehend aus den genannten 22 neuen Amagonawa-Stämmen anstelle der bisherigen Kirschbäume.

Beschlussvorschlag soll von der Tagesordnung

„Wir haben nichts dagegen, dass die Baumreihe ergänzt wird, wollen aber, dass die bisherige Kirschbaumart eingesetzt wird“, sagt Hendrik Schulze-Oechtering. „Wie wären sogar bereit, den Mehraufwand bei der Pflege aus eigenen Mitteln zu bestreiten.“ Er kündigt an, dass die Anwohner bis zur letzten Minute vor der Sitzung auf die Fraktionen einwirken wollen, damit der Baumfäll-Beschluss von der Tagesordnung genommen wird.

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