Wer sein Auto liebt, der steht: In der Dorstener Innenstadt sehen Autofahrer überwiegend Rot. Das wird sich absehbar nicht ändern. Schuld sind die Autofahrer selbst.

Dorsten

, 24.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Ob Montagmorgen oder nach Feierabend: Die Dorstener werden bei Autofahrten in der Innenstadt auf eine harte Geduldsprobe gestellt. „Einfach nur schlimm hier zu gewissen Zeiten“, stöhnt eine Facebook-Userin aus Dorsten. Eine andere empfiehlt ihr, eher zuhause loszufahren. Man wisse ja in Dorsten, woran man sei.

Tatsächlich knubbelt sich der Verkehr am Südwall/Willy-Brandt-Ring, am Willy-Brandt-Ring/Westwall, vom Gemeindedreieck aus kommend in Richtung Altstadt schon auf der Lippe- und Kanalbrücke und von der Marler Straße in Richtung Stadt. Es wird gehupt und sich geärgert.

Einige Verkehrsteilnehmer fahren in die Kreuzungsbereiche hinein, weil sie noch eben über Gelb geschlüpft sind. Das ärgert wiederum den wartenden Grün-Verkehr auf der kreuzenden Achse. Seit Jahren wird in Dorsten darüber diskutiert, wie man die Situation entzerren kann und den Verkehrsfluss beschleunigen kann.

Aber: „In Dorsten knubbeln sich die Verkehrsströme wegen dreier Land- und Bundesstraßen, die in die Altstadt einmünden“, sagt Frank Hoffmann, Sachgebietsleiter für Betrieb und Verkehr bei Straßen NRW in Bochum. Das seien die L463 (Königsberger Allee/Gahlener Straße), die B224 (Borkener Straße/Willy-Brandt-Ring) und B225 (Marler Straße).

„Man kann eine Route priorisieren, aber nicht alle. Es gibt keine Lösung, die alle Verkehrsteilnehmer zufriedenstellt“, so Hoffmann. Dabei seien die Ampelanlagen auf der B224 „technisch auf dem neuesten Stand“: „Mehr geht nicht“, sagt Hoffmann und raubt allen Dorstenern die Hoffnung, dass mit digitaler Aufrüstung der Anlagen etwas mehr Grünzeit aus den Ampeln herauszuquetschen sei. Auch die Stadt ist zu diesem Ergebnis gekommen: „Grundsätzlich liefert das Ampelsystem in der Innenstadt sicherlich für Autofahrer keine befriedigenden Ergebnisse, es gilt aber als noch leistungsfähig“, so Stadtsprecher Ludger Böhne auf unsere Anfrage.

Der Verkehr hat stark zugenommen

Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Verkehr in Dorsten hat enorm zugenommen. Dorstens Umgehungsstraßen rund um die Altstadt sind einst für 35.000 Fahrzeuge täglich ausgelegt worden; mittlerweile sind es in Stoßzeiten bis zu 45.000 Fahrzeuge am Tag, die sich quälend langsam durch die Stadt fortbewegen. Das bekommen alle zu spüren, die ihre Wege mit dem Auto nehmen und sich keine andere Alternative vorstellen können. Deshalb müssen sie warten. An roten Ampeln, von denen es allein 20 im Innenstadtkern gibt.

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Eine Verbesserung der Situation ist absehbar im Knotenpunkt B224/Westwall möglich. Im städtebaulichen Vertrag mit dem Einkaufscenter Mercaden sei festgelegt worden, dass „die unmittelbar von veränderten Verkehrsströmen betroffenen Signalanlagen B224/Westwall und B224/Schiffbauerstraße/Kappusstiege anzupassen sind“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne auf unsere Anfrage.

„Die Berechnung einer neuen Schaltung für diese beiden Lichtsignalanlagen durch die Verkehrsplaner der Stadtverwaltung liege vor. „An der Signalanlage Schiffbauerstraße ist die Steuerung allerdings so alt, dass sie nicht mehr programmiert werden kann, sondern ausgetauscht werden muss. Hier läuft die Endabstimmung über die Umsetzung und Kostenbeteiligung mit den Mercaden“, so Böhne.

Digitale Steuerung auf der Königsberger Allee/Gahlener Straße

Ein weiterer Hoffnungsstreif am Horizont zeichnet sich für die Ein- und Ausfallstraße L463 (Königsberger Allee/Gahlener Straße) ab. Über das „Programm zur Verbesserung des Verkehrsflusses an Landesstraßen durch digitale Steuerung“ wird die Ampelschaltung an den Kreuzungspunkten der L463 im Jahr 2021 modernisiert. Das kündigte Straßen.NRW-Fachmann Frank Hoffmann an. „Zwischen Königsberger Allee und Südwall gibt es sieben Ampelanlagen, die mit moderner Technik ausgestattet werden“, so Hoffmann. Die Planung werde im Herbst 2020 beauftragt.

Autofahrer in Dorsten sehen weiterhin Rot: Ampeln in der Innenstadt können nicht mehr

Fußgänger sind an den Mercadenampeln unterprivelegiert: Sie haben kaum neun Sekunden Zeit, die andere Straßenseite zu erreichen. Die meisten schaffen es nicht bei Grün. © Claudia Engel

Ansonsten wird in Dorsten wohl alles beim Alten bleiben. Es sei denn: „Die Stadt Dorsten trägt uns zündende Ideen zur Verbesserung vor“, so Hoffmann. Bisher haben Gespräche „für eine große Lösung“ zwischen Straßen.NRW und Stadt noch zu keinem Ergebnis geführt. Allen Verkehrsteilnehmern sollte aber auch klar sein: „Es wird in der Innenstadt keine freie Durchfahrt geben, da auf wenig Raum mit hoher Verkehrsdichte und dem besonderen Nadelöhr Kanalbrücke an den Mercaden verschiedenste Ansprüche von Verkehrsteilnehmern unter einen Hut gebracht werden müssen“, wie Ludger Böhne schon 2018 verdeutlichte.

Ein Dorstener Autofahrer hatte trotz Staus aber tatsächlich nichts zu meckern. Er hat nämlich die Zeit gestoppt, die er vom Gemeindedreieck bis zum Arbeitsamt am Ostwall gebraucht hat. Sein Fazit: „Bin um 16 Uhr da durch gefahren. Stau vom Gemeindedreieck bis Arbeitsamt. Hab genau 2:15 Minuten dafür gebraucht. Wem das zu viel ist, dem empfehle ich, zwei Minuten eher loszufahren.“

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