Am Michaelisstift in Lembeck wird der Krankenhausflügel abgerissen

dzNeue Nutzung

Der Krankenhausflügel am Lembecker Michaelisstift wird abgerissen. Und auch im „Vorderhaus“ neben der Kapelle stehen bauliche Veränderungen an.

Lembeck

, 19.09.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abrissarbeiten am Michaelisstift in Lembeck: Der Bagger ist schon angerollt und wird in wenigen Tagen damit beginnen, den Krankenhausflügel abzureißen. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer neuen Nutzung des Michaelisstifts.

Wie Ferdinand Graf von Merveldt im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, steht der hinten rechts gelegene Gebäudeteil, der einst als Krankenhaus diente, nicht unter Denkmalschutz. Schon im Mai dieses Jahres sei dem Bauordnungsamt der Abbruch angezeigt worden, Abbruch- und Entsorgungskonzept sind genehmigt.

Am Michaelisstift in Lembeck wird der Krankenhausflügel abgerissen

Der Bagger hat bereits mit dem Abriss begonnen. © Stefan Diebäcker

Flüchtlingsunterkunft wird nicht mehr gebraucht

Seit dem Wegzug der Karmelitinnen nach Hannover habe sich die St.-Michael-GmbH um eine Nutzungsmöglichkeit für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeteile bemüht. Vorübergehend diente das Michaelisstift als Flüchtlingsunterkunft. Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe hervorragend geklappt, lobt Graf Merveldt, aber inzwischen werde dieser Wohnraum für Flüchtlinge nicht mehr gebraucht.

Im vorderen Haus sollen nun fünf (Miet-)Wohnungen entstehen, ein entsprechender Bauantrag sei gestellt und werde derzeit bearbeitet. „Da nicht alle Flächen genutzt werden können und die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäudeteile im Vordergrund stehen“, heißt es in einer Pressemitteilung der St.-Michael-GmbH, „wurde beschlossen, den nicht denkmalgeschützten Anbau im hinteren Bereich abzubrechen.“ Selbstverständlich bleibe die Kapelle als Gottesdienstort erhalten. Auf der Fläche des Krankenhausflügels werde Rasen angelegt.

Die Kapelle wurde von Johannes Conrad Schlaun erbaut

Das Michaelisstift wurde 1702 als gräflicher Witwensitz der Witwen Merveldt errichtet. 1727 wurde die von Baumeister Johannes Conrad Schlaun erbaute Kapelle eingeweiht. Die Stiftung sah vor, dass der Witwensitz im Krankheitsfall auch anderen Familienangehörigen als Domizil dienen solle. Dafür reichte allerdings das Vermögen nicht, sodass die Pläne bis 1830 auf Eis gelegt wurden.

1833/34 wurde ein Kranken- und Waisenhaus eingerichtet. Bis 1969 versorgten die Klemensschwestern die Patienten, für die es zuletzt 38 Betten gab.

Von Wulfen ging es mit der Hebamme zur Entbindung nach Lembeck

Katharina Leistner hat in dem kleinen Krankenhaus ihr erstes Kind geboren: Sohn Thomas erblickte dort 1963 das Licht der Welt. Die 81-Jährige erinnert sich gut: „Als die Wehen einsetzten, hat mich die Hebamme mit ihrem Auto von Wulfen nach Lembeck zur Kapelle, wie wir damals sagten, gefahren. Sie hat dann auch die Geburt betreut. Erst am nächsten Tag kam ein Arzt, um nach Mutter nd Baby zu schauen.“

Am Michaelisstift in Lembeck wird der Krankenhausflügel abgerissen

Katharina Leistner mit ihren Söhnen Thomas (r.) und Andreas. Der Erstgeborene kam 1963 im Michaelisstift zur Welt, das zweite Kind im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus. © privat

Vier Wöchnerinnen hätten sich damals ein Zimmer geteilt. Üblicherweise wurden die Neugeborenen damals kurz nach der Entbindung schon getauft. Katharina Leistner: „Die Taufe von Thomas fand in der Kapelle statt. Mein Mann, die Paten und die Großmutter gingen mit dem Kleinen rüber, ich musste im Bett bleiben. Nach der Taufe brachten sie mir das Kind wieder zurück. Dann ging die Familie zum Mittagessen aus.“

Drei Jahre später kam ihr zweiter Sohn zur Welt: anderes Krankenhaus, andere Taufsitte. „Da habe ich die Gäste schon selbst bewirtet.“ Weitere drei Jahre später wurde das Krankenhaus geschlossen.

Bis 1995 beherbergte der Gebäudeflügel ein Altenheim

Dann wurde es zu einem Altenheim umfunktioniert. Das Waisenhaus wurde 1977 aufgegeben, das Altenheim 1995. Drei Jahre später zogen elf Karmelitinnen ein, die ihren Sitz in Bonn-Pützchen zugunsten des Standorts Lembeck aufgegeben hatten. Vor fünf Jahren übernahmen sie jedoch den Karmel polnischer Schwestern in Hannover und zogen weg. Die ernomen Heizkosten für die hohen Altbau-Räume hatten das Budget der Ordensschwestern über Gebühr belastet.

Seither denken die Eigentümer über eine neue Nutzung des Ensembles an der Rhader Straße nach. Mit der Schaffung von Wohnraum scheint nun eine zukunftsfähige Lösung gefunden worden zu sein.

Wie war das damals im Krankenhaus an der Lembecker Kapelle?

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