So sah der Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz aus. © Privat
Fußgängerzone

Am künftigen „Tisa-Brunnen“ in Dorsten scheiden sich die Geister

Nachbau des Originals? Oder ein Wasserspiel, das den Nutzern des Marktplatzes mehr Platz einräumt? Auch nach der Online-Bürgerversammlung bleibt die Zukunft des Tisa-Brunnens umstritten.

Was soll anstelle des maroden und inzwischen abgebauten „Tisa-Brunnens“ auf dem Dorstener Marktplatz errichtet werden? Ein Nachbau, der dem von der Künstlerin und Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg gestalteten Original-Bauwerk gleichkommt? Oder ein Wasserspiel mit „Tisa-Elementen“, das in Form und Größe die Nutzungsmöglichkeiten von Dorstens guter Stube weniger „einschränkt“?

Auf der von Dr. Josef Ulfkotte vom Verein für Orts- und Heimatkunde zur Geschichte des Brunnen sehr informativ eingeläuteten „virtuellen Bürgerversammlung“ zu der künftigen Gestaltung des Brunnen-Standorts prallten am Montag durchaus gegensätzliche Meinungen aufeinander.

Mehr als 40 Bürger hatten sich „aktiv“ in die gut zweistündige digitale Zoom-Konferenz eingewählt, weitere fast 50 Interessierte verfolgten die Diskussion auf dem Youtube-Kanal der Stadt, wo sie weiterhin abgerufen werden kann.

Elke Frauns (büro frauns kommunikation) moderierte die Veranstaltung.
Elke Frauns (büro frauns kommunikation) moderierte die Veranstaltung. © Screenshot: Stadt Dorsten © Screenshot: Stadt Dorsten

Die Stadtverwaltung hatte bereits im Vorfeld die Bürger zu einer Online-Befragung zum Thema eingeladen, fast 80 Menschen nahmen teil. Tenor: Der Tisa-Brunnen, dessen Reliefplatten in Wort und Bild die Geschichte der Stadt darstellte, sei ein Stück „Heimat“, eine „Erinnerung an die Kindheit“, ein „erfreulicher Anblick“ für Jung und Alt und ein „wichtiges Kulturdenkmal“ der Stadt.

Umfrage: Mehrheit für Replik

„Nur für eine kleine Minderheit ist der Brunnen nicht wichtig“, sagte Joachim Thiehoff vom Büro für Bürgerengagement. 53 von 72 Teilnehmern stimmten dafür, eine Replik des Tisa-Brunnens aufzustellen.

In der Zoom-Diskussion am Montag fand diese Option viele Befürworter. „Er muss dort bleiben, er gehört zum kollektiven Gedächtnis der Stadt“, meinte etwa Ludger Samson (CDU). Andere forderten sogar, den Nachfolge-Brunnen des Originals von „störender“ Gastronomie und Marktständen „freizuräumen“.

„An einem Wendepunkt“

Doch es gab auch gegenteilige Ansichten. Bei all seiner Wertschätzung für das Tisa-Schaffen meinte beispielsweise Steinbildhauer Rainer Kuehn, bei dem die Original-Reliefplatten eingelagert sind: Man stehe nun an „einem Wendepunkt“, dem Marktplatz neue Zukunftsperspektiven als lebendigen Ort der Begegnung geben zu können. Eine Einschätzung, die vor allem Mitglieder der Kaufmannschaft teilten.

Nun soll der städtische Kunstbeirat gehört werden, bevor der Rat entscheidet. Die Zeit drängt. Denn sollte die Brunnen-Replik entweder mit Betonplatten (Kosten samt Technik: rund 75.000 Euro) oder mit Bronze-Reliefs (bis zu 170.000 Euro) ausgestattet werden, könnte die eine Hälfte des Geldes aus dem Altstadtfonds bestritten werden, die Altstadtschützen als Antragsteller würden den Rest besorgen, indem sie Spender und Unterstütze generieren. „Das muss dann aber bis zum Ende des Jahres abgerechnet sein“, so Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Die Original-Reliefplatten des Tisa-Brunnens sollen künftig an anderer Stelle aufgehängt werden. Zur Frage „wo“ und „wie“ können sich einige Bürger beteiligen. Die Stadt möchte ein aus zehn Personen bestehendes „bürgerschaftliches Team“ bilden. Anmeldungen sind ab sofort bis zum 9. Mai unter buergerkommune@dorsten.de möglich. Bei mehr als zehn Personen entscheidet das Los.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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