Altes Rathaus: Endlich keine Plastik-Pflanzen mehr in den Blumenkästen

dzFußgängerzone

Jahrelang wurden die Fenster des denkmalgeschützten Wahrzeichens auf dem Marktplatz von Dorsten mit Plastikpflanzen bestückt. Endlich hat das Alte Rathaus einen natürlichen Blumenschmuck.

Dorsten

, 22.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fußgängerzone in Dorsten hat ihre Schönheits-OP erfolgreich hinter sich gebracht, insbesondere der Marktplatz ist zu einem echten Kleinod mit ganz neuer Aufenthaltsqualität geworden. Da will der Trägerverein Altes Rathaus den stimmigen Gesamteindruck nicht länger schmälern: Die Zeiten der Plastik-Blumen in den Fenstern des Dorstener Wahrzeichens am Marktplatz sind vorbei, jetzt flattern endlich echte Pflanzen im Wind.

Aufmerksamen Zeitgenossen ist es kürzlich aufgefallen: Hummeln und Bienen flogen den Pflanzschmuck des altehrwürdigen Gebäudes an - das hatte es in den vergangenen 10, 15 Jahren doch nie gegeben.

Keinen „Gießer“ gefunden

„Es hatte sich schlichtweg niemand gefunden, der dort Pflanzen regelmäßig gießen konnte oder wollte“, erklärt Dr. Josef Ulfkotte (Vorsitzender des Trägervereins Altes Rathaus) die so lange Phase des kümmerlichen Plastik-Grüns.

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Denn vor allem bei Hitzetagen wäre das eine sportliche Herausforderung geworden: Mehrfach am Tag vom Wasseranschluss im Keller des Gebäudes mit voller Gießkanne die schmalen Treppen hoch ins Obergeschoss: „Da haben wir uns damals lieber für einen künstlichen Blumenschmuck entschieden.“ Jahrelang besetzte beispielsweise eine Reihe von kleinen grünen Plastik-Bubiköpfen das Alte Rathaus.

Kritik wurde lauter

Heute aber bestimmen Klima-Themen die aktuelle Diskussion: mehr Grün in der Stadt, Insektensterben, Bio-Diversität. Und spätestens, als die Stadt in diesem Jahr im Rahmen des Stadtumbau-Programms „Wir machen Mitte“ den Wettbewerb „Dorsten lebt grün“ auflegte, wurde die immer mal wieder auftauchende Kritik an den Kunststoff-Blumen in Dorstens guter Stube lauter.

Pflanzen-Sponsor Tobias Hellerberg (Florawelt Dorsten) präsentiert den künftigen herbstlichen Blumenschmuck für das Alte Rathaus.

Pflanzen-Sponsor Tobias Hellerberg (Florawelt Dorsten) präsentiert den künftigen herbstlichen Blumenschmuck für das Alte Rathaus. © Michael Klein

Bürgermeister Tobias Stockhoff brachte nach Angaben von Josef Ulfkotte zwischenzeitlich eine Berieselungsanlage für die Blumenkästen ins Gespräch. „Doch die ließ sich technisch nicht umsetzen“, so der Trägervereins-Vorsitzende. Denn dazu hätte man eine neue Wasserleitung vom Keller hoch zu den Fenstern legen müssen. „Da hätte der Denkmalschutz nicht mitgespielt.“

Mit Wasserspeicher

Die Lösung nach langer Suche fand sich in Person von Tobias Hellerberg, Geschäftsführer des Dorstener Unternehmens „Florawelt“ in Dorsten. Er spendete dem Trägerverein passgenaue Blumenkästen mit Wasserspeicher, die lange die Feuchtigkeit halten.

Und da das markante Alte Rathaus im Schatten der St.-Agatha-Kirche liegt, war ein weiterer Kooperationspartner schnell gefunden: Pfarrer Dr. Stephan Rüdiger ist mit im Boot und erklärte sich dazu bereit, dass Christiane Reichel, seine „gute Seele“ im Pfarrbüro, sich zwei-, dreimal die Woche um das Wohl und Wehe der Pflanzen kümmert.

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Die „Florawelt“ ist auch Sponsor der Pflanzen, die künftig je nach Jahreszeit ausgetauscht werden. Derzeit ist es Pentas, der Fünfzahlstrauch, „er ist hitzebeständig und zieht die Bienen an“, sagt Tobias Hellerberg. In 14 Tagen wird es herbstlich. „Dann kommen Erika und unterschiedliche Gräser zum Einsatz.“

Pfarrer Stephan Rüdiger und Tobias Hellerberg sind der Meinung, dass die Innenstadt durchaus noch viel mehr Grüngewächse und bunte Pflanzen vertragen könnte: „Das sieht doch gleich viel einladender und gemütlicher aus“, sagt der Florawelt-Chef und zeigt auf die Olivenbäume, die eine Marktplatz-Gastronomin aufgestellt hat.

Nachahmer erwünscht

„Insofern hoffen wir auch auf einen Nachahmereffekt“, betont Josef Ulfkotte. „Es wäre doch schön, wenn auch die Kaufmannschaft die Innenstadt mit Pflanzen verschönert“, pflichtet ihm Tobias Hellerberg.

Er sieht aber auch die Stadt in der Pflicht. „Wenn man in die neue Fußgängerzone blickt, sieht es ganz schön trostlos aus“, sagt er. „Ein paar Bäume mehr hätten trotz der benötigten Feuerwehr-Stellplätze sicher ihren Platz gefunden.“

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