Altes Casino in Dorsten abgerissen: Millionenschweres Technologie-Projekt entsteht

dzOpen Grid

Das alte Ruhrgas-Casino an der Halterner Straße ist abgerissen worden. Dort wird nun mit mehreren Millionen Euro Kosten eine weltweit führende Prüfanlage erweitert. Hier die Hintergründe.

Dorsten

, 08.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Viele vorbeifahrende Autofahrer werden wenig mit dem alten Gebäude anfangen können, das da in den vergangenen Tagen an der Halterner Straße dem Erdboden gleich gemacht worden ist. Ehemaligen Dorstener Mitarbeitern des früheren Ruhrgas-Werkes dürfte bei dem Anblick allerdings ein wenig das Herz bluten.

„Das soziale Zentrum der Ruhrgas“

Denn bei der schon seit vielen Jahren leer stehenden Abriss-Immobilie, die einem Millionen-Projekt der Open-Grid-Unternehmensholding weicht, handelt es sich um das ehemalige Ruhrgas-Casino, das früher „quasi das soziale und kommunikative Zentrum unserer Betriebsstelle war“, wie Harald Stucken, Vorsitzender des Verkehrsvereins Dorsten und damals Gruppenleiter im Ruhrgas-Analyse-Labor, betont.

„Bis zu 400 Essen täglich“

Das Casino diente ab Ende der 1950er-Jahre vor allem als Kantine der Beschäftigten der Dorstener Steinkohlengas AG und später der EON/Ruhrgas AG, bis letztere vor gut zehn Jahren das Gelände räumte und die Ingenieure und Techniker ins Essener Zentrallabor versetzte. „Zu besten Zeiten wurden im Casino bis zu 400 Essen täglich ausgegeben“, erinnert sich Harald Stucken.

Zudem probte hier bis 2009 regelmäßig der Ruhrgas-Chor, es fanden Firmen- und Jubiläumsfeiern statt, die Betriebsversammlungen. „Und wenn die Chefs an die jeweiligen Abteilungen ihre Mitteilungen zu machen hatten, geschah das auch hier“, so Stucken.

WinDor hat Grundstück verkauft

Nachdem die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft WinDor einen Teil des ehemaligen Ruhrgas-Geländes übernahm, ließ sie 2011 alle Verwaltungsgebäude abreißen, um Platz zu schaffen für neue Gewerbeansiedlungen. Das Casino blieb allerdings erst mal stehen. Das Grundstück samt Gebäude wurde kürzlich von WinDor an den EON-Ruhrgas-Nachfolger „Open Grid Europe“ verkauft, dessen Unternehmens-Holding „Vier Gas Transport GmbH“ hier mit einer mehreren Millionen Euro schweren Investition eine neue Prüfanlage errichten wird.

Altes Casino in Dorsten abgerissen: Millionenschweres Technologie-Projekt entsteht

Blick auf den Hochdruck-Gaszähler-Prüfstand "Pigsar", der erweitert werden soll. © Open Grid

Das Gas-Transport-Unternehmen betreibt gleich nebenan ein ganz besonderes technologisches Projekt, das es vor ein paar Jahren von der EON/Ruhrgas als neue Eigentümerin übernommen hat. Und zwar den seit mehr als 25 Jahren auf einem Teil des ehemaligen Ruhrgas-Geländes stehenden und als einen der weltweit führend geltenden Hochdruck-Gaszählerprüfstände namens „Pigsar“.

„Diesen Standort werden wir signifikant erweitern“, teilte Open-Grid-Pressesprecher Helmut Roloff auf Anfrage mit. Auf dem Gelände wird eine rund 1400 Quadratmeter große, neue Prüfhalle entstehen, dazu ein neues Kundencenter. „Die Inbetriebnahme ist für 2020 geplant“, so Roloff.

„Genauester Prüfstand in Europa“

„Pigsar“ hat seit 1993 tausende Gaszähler für gewerbliche Kunden aus aller Welt geprüft und geeicht. Er gilt laut Angaben von „Open Grid Europe“ als „der genaueste Prüfstand in Europa“. In Kooperation mit der Physikalisch Technischen Bundesanstalt wird hier der „Ur-Kubikmeter“ für Hochdruck-Erdgas betrieben. Das Hauptaufgabengebiet des Prüfstandes liegt in der Prüfung von Zählern für den Erdgastransport und -handel.

Altes Casino in Dorsten abgerissen: Millionenschweres Technologie-Projekt entsteht

Die Unternehmensholding von "Open Grid Europe" hatte den Pigsar-Standort an der Halterner Straße von EON/Ruhrgas übernommen. © Michael Klein

Zudem werden weitere Prüfstände in Deutschland und Europa durch „Pigsar“ kalibriert und bekommen nach Abschluss einer erfolgreichen Prüfung eine Prüf- oder Eichmarke und die entsprechenden Zertifikate. Eine solche Eichung ist wichtig: Denn wegen der hohen Gasmengen, die durch die Gaszähler fließen, könnten schon geringe Messfehler gravierende Folgen haben.

Neue Technik kommt zum Einsatz

In der geplanten Prüfhalle soll parallel eine neue Technik in einem geschlossenen System zum Einsatz kommen, erklärt Helmut Roloff, das sogenannte „Closed Loop“. Die neue Technologie ermögliche „eine größere Unabhängigkeit vom vor- und nachgelagerten Gasleitungssystem“.

„Open Grid Europe“ ist übrigens nicht nur wegen der Prüfanlage mit dem Standort Dorsten verbunden - noch immer verlaufen hier wichtige grenzüberschreitende Gasversorgungsleitungen. Auch die geplante neue Erdgasfernleitung Heiden – Dorsten soll hier enden.

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