Altenpflegerinnen wollten "gehört werden"

Jobs wegen Überlastungsanzeige verloren

Sie wollten gehört werden - und müssen teuer bezahlen. Nach einer umstrittenen Überlastungsanzeige haben die ersten drei Mitarbeiterinnen des Rhader Pflegeheims „Haus der Geborgenheit“ am Mittwoch (19.11.) ihre Jobs verloren.

Rhade/Herne

19.11.2014, 17:37 Uhr / Lesedauer: 1 min

Den Pflegekräften wurde ihre Unerfahrenheit zum Verhängnis. Sie hatten sich nicht nur an die Geschäftsleitung gewandt, sondern auch sofort Heimaufsicht und Pflegekassen eingeschaltet. Von den Richtern wurden sie dafür regelrecht ausgezählt. Von einer „Loyalitätspflicht“ gegenüber dem Arbeitgeber war die Rede. Und davon, dass „ganz konkrete Fälle“ angeprangert werden müssten.

Wie vergiftet das Klima in dem Pflegeheim gewesen sein muss, lässt sich nur erahnen. Die Geschäftsführerin zog selbst im Prozess noch über ihre Ex-Angestellten her. Über eine der Frauen sagte sie schnippisch: „Die hat es nicht mal hinbekommen, frischen Kaffee zu brühen.“ Als im Prozess später trotzdem etwas Nettes über die Ex-Chefin gesagt wurde, klatschte sie höhnisch Beifall. Ihr letzter Satz: „Ich möchte von den Frauen hier nichts mehr hören und sehen.“ Die Mantra GmbH, die das Senioren- und Pflegeheim betreibt, hat die Vorwürfe über angebliche Pflegemissstände erneut zurückgewiesen.

Die gekündigten Mitarbeiterinnen bekommen nun noch ihre Überstunden und den ausstehenden Urlaub bezahlt – und waren zufrieden. Pflegefachkraft Agnes Biernacki: „Wir haben nicht gekämpft, um Geld zu kriegen, sondern, um gehört zu werden.“

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