Als der „Tiger King“ aus Dorsten von seinen Tigern zerfleischt wurde

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Die Netflix-Doku-Serie „Tiger King“ über Raubkatzen-Fans sorgt gerade für Furore. Auch Dorsten hatte einen exzentrischen Tiger-Besitzer. Er fand in seinem Garten ein grausames Ende.

Dorsten

, 17.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die schräge Netflix-Serie „Tiger King“ über exzentrisch-verbrecherische Großkatzen-Liebhaber in den USA hat sich in kürzester Zeit zu einer der am meisten gestreamten Serien weltweit gemausert. Die Serien-Macher hätten auch in Dorsten genügend Futter für eine „True-Crime“-Dokumentation vorgefunden.

Denn auch in der Lippestadt lebte einst eine Art „Tiger King“ - und der fand einen überaus tragischen Tod: Der 34-jährige Kaufmann wurde von drei Tigern und einem Löwen in seinem Garten im Stadtteil Holsterhausen bei der Fütterung der Tiere zerfleischt.

Bei der Fütterung angefallen

Es passiert nicht häufig, dass die westfälische Mittelstadt Dorsten auf den Titelseiten der Zeitungen und sogar in US-Medien Erwähnung findet. Am 13. November 1979 aber war dies der Fall. Denn kurz zuvor war der Kaufmann Werner M. im „Privatzoo“ seines Reihenhauses von vieren seiner Raubkatzen angefallen worden, als er das Gehege zur Fütterung betrat.

Ein Zeitungsbericht aus den Ruhr Nachrichten.

Ein Zeitungsbericht aus den Ruhr Nachrichten. © Michael Klein

Die Raubkatzen waren nach Angaben der Polizei in einem ummauerten Stall untergebracht, der noch von einer drei Meter hohen Umfriedung umgeben war. Doch offenbar hatte das Opfer sämtliche Türen beim Betreten offen gelassen.

„Wir hörten plötzliche entsetzliche Schreie“, sagte damals eine Nachbarin gegenüber unserer Zeitung. Die Freundin des Opfers soll ihr zufolge noch versucht haben, die Raubtiere abzulenken, „indem sie eine Katze in den Käfig warf“.

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Kaum hatte der Tierhalter jedoch die Tür geöffnet, um zu fliehen, wurde er von einem Tiger eingeholt, zu Boden gerissen und zerfleischt. Die anderen Tiere flohen in den Garten, der nur durch einen Jägerzaun von der angrenzenden Wohnbebauung getrennt war.

Mit 100 Schüssen niedergestreckt

Weil sie dabei waren, in die benachbarten Gärten zu springen, streckte die Polizei sie mit rund 100 Schüssen aus Maschinenpistolen nieder. Erst dann konnten die Beamten den schwer verletzten Holsterhausener in ein Krankenhaus schaffen, wo er kurz darauf starb.

Einige Nachbarn hatten dieses Ende kommen sehen, wie sie damals gegenüber dieser Zeitung berichteten. Seitdem der Raubtierfreund nämlich die sibirischen Tigerkätzchen Anja und Shita, den jungen Königstiger Roy und die Löwin Suleika in dem Zwinger vor dem Garten unterbracht hatte, hatte es Beschwerden gegeben.

Kinder haben Tiere gestreichelt

Die Anlieger konnten nicht verstehen, dass die Behörden dem Treiben kein Ende gesetzt hatten. Denn als die Tiere noch klein waren, seien immer wieder Kinder an den Käfig gekommen, um sie zu streicheln, wurde erzählt.

Screenshot des Netflix-Trailers der Doku "Tiger King".

Screenshot des Netflix-Trailers der Doku "Tiger King". © Privat

Als sich die Beschwerden häuften, soll Werner M. mit einem Puma, den er im Keller hielt, die Polizeiwache besucht haben, um die Beamten von der Ungefährlichkeit des Tieres zu überzeugen. Der Kaufmann, der dem Zeitungsbericht zufolge davon träumte, mit seinem Hobby zum Dompteur zu avancieren, hatte aber schon länger Ärger mit den Behörden. Ein erstes Bußgeld in Höhe von 350 Mark musste er zahlen, weil er den Puma angepflockt im Garten hielt.

Abriss war angeordnet

Die Art der Zwingerhaltung bei den anderen Tieren war nach damaliger Rechtslage zwar nicht zu beanstanden, allerdings hatte Werner M. die Raubtieranlage ohne Genehmigung errichtet.

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Deswegen erhielt der Besitzer eine Ordnungsverfügung und ein Zwangsgeld in Höhe von 500 Euro mit der Aufforderung, die Anlage abzureißen. Doch der Abbruch wurde tragischerweise hinausgeschoben, weil M. noch keine Unterbringung für die Tiere gefunden hatte.

Weiteren Löwen bestellt

Übrigens soll das Opfer einen Tag vor seinem Tod im Münsteraner Zoo einen weiteren Löwen bestellt haben. Und einen Tag nach dem Tod wurden die Behörden darüber informiert, dass sich im Badezimmer des Hauses noch ein Ozelot befand.

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