Wohnungslosenhilfe schlägt Alarm: „Die zunehmende Zahl der Fälle schreit zum Himmel“

dzAlarmierende Zahlen

Immer mehr Menschen in Dorsten sind von Wohnungslosigkeit bedroht. Vermieter weigern sich, Menschen in schlimmster Not eine Bleibe zu bieten. Das hat Gründe.

Dorsten

, 14.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohnungslosigkeit offenbart sich in Dorsten nicht auf den ersten Blick - so wie in Großstädten etwa. Denn sie spielt sich im Verborgenen ab. Menschen, die keine eigene Bleibe mehr haben, ziehen von Couch zu Couch bei Bekannten. Oder finden sich abends in der Notschlafstelle in der Klosterstraße ein. Die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Klienten wächst in Dorsten. Die Wohnungslosenhilfe schlägt Alarm.

Sach- und Geldspenden wichtig

Die Wohnungslosenhilfe und ihre Besucher sind auf Sach- und Geldspenden angewiesen. In der Tagesstätte an der Borkener Straße 37 werden gut erhaltene Kleidungsstücke, aber auch haltbare Lebensmittelspenden entgegengenommen. Diese werden gratis an die Menschen verteilt. Als hilfreich hat sich auch die Adventslichteraktion für die Wohnungslosenhilfe erwiesen; Kontakt: (0176) 85 04 21 39,

„Es kommen immer mehr Menschen mit immensen Mietschulden und einem negativen Schufa-Eintrag zu uns. Dies macht es uns fast unmöglich, eine Vermittlung auf dem freien Wohnungsmarkt anzubieten. Vermieter, egal ob privat oder Wohnungsgesellschaft, werden abgeschreckt.“

Wohnungslosenhilfe schlägt Alarm: „Die zunehmende Zahl der Fälle schreit zum Himmel“

Die Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten ist an der Borkener Straße zu Hause. Die alte Telefonnummer auf dem Hinweisschild funktioniert zwar noch, aber es gibt eine neue, unter der die Mitarbeiter der Anlaufadresse zu erreichen sind: (02362) 9 66 25 89. © Claudia Engel

Zu diesem Ergebnis kommt das Team der Wohnungslosenhilfe (Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten) in seinem Jahresbericht 2018. Das vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von Klienten: 2018 nahmen 279 Klienten die Beratung der Wohnungslosenhilfe in Anspruch und damit deutlich mehr als in den Jahren zuvor (2017: 240, 2015: 213).

Für jeden Einzelnen bleibt nicht viel Zeit

„Bei 279 Klienten bleibt nicht viel Zeit für jeden Einzelnen“, stellen die Beraterinnen fest. Trotzdem gaben Vanessa Greef-Groß (Leiterin), Lisa Pieper (Beraterin) und Lena Reinmuth (Beraterin) ihr Bestes, die schlimmsten Konsequenzen aus sozialen Notlagen von ihren Klienten abzuwenden.

„Es wurden viele Telefonate mit dem Jobcenter, Vermietern, Krankenkassen und dem Sozialamt geführt. Es wurde viel verhandelt und es wurden viele Vereinbarungen getroffen“, heißt es in dem Jahresbericht. Bei 209 Menschen habe der Einsatz des Teams (vorerst) ein positives Ende gefunden.

Vielschichtige Gründe für umfassende Notlage

Gründe, warum die Ratsuchenden die Wohnungslosenhilfe aufsuchen, sind vielschichtig. Drohender Wohnungsverlust, akute Wohnungslosigkeit, unzumutbare Wohnverhältnisse, gewaltgeprägte Lebensumstände, persönliche Probleme, fehlende soziale Beziehungen, gesundheitliche Probleme - die Liste ist lang. „Notwendig ist ein umfassendes Hilfsangebot“, sagen die Beraterinnen.

Die Beratungsstelle diene als zentrale Anlaufstelle in einem komplexen Hilfsnetz. Wegen der zunehmenden Zahl der Fälle sendet die Beratungsstelle aber ein Notsignal: „Die Zahl der Klienten schreit zum Himmel. Die Zahl schreit eindeutig Stop. Wir kommen an unsere Grenzen.“

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