Agathaschule in Dorsten freut sich auf Lesementoren für ihre Schüler

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Kinder können nicht lesen, weil sie nicht lesen. Kinder lesen nicht, weil sie nicht lesen können: Die Agathaschule will diesen Teufelskreis durchbrechen und verspricht Bildung durch Bindung.

Dorsten

, 03.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das hört sich alles ein wenig kompliziert an, ist es aber nicht: „Kinder lernen im Grundschulalter, um Erwachsenen einen Gefallen zu tun“, sagt Schulleiter Herbert Rentmeister. Deshalb ist das Programm „Bildung durch Bindung“ an der Grundschule ein großer Erfolg. Hinter „Bildung durch Bindung“ verbirgt sich seit zehn Jahren das Mentorenprogramm Niederrhein. Es wurde 2019 an der Pestalozzischule in Dorsten eingeführt und nun auch an der Agathaschule.

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Ernst-Georg Lohöfener hat weitere Dorstener ermuntern können, als Mentor für jeweils ein Kind an der Agathaschule anzutreten. Beatrix Sparfeld, Ulrike Bruckmann, Brigitte Lebkücher, Regina Budde, Brigitte Poloszyk und Heike Schmitt werden mit Ernst-Georg Lohöfener ein Kind unter ihre Fittiche nehmen und 45 Minuten in der Woche 1:1 im Lesen unterrichten. Wobei streng genommen erst einmal die Kontaktaufnahme und die Vertrauensbildung im Mittelpunkt stehen: „Es wird nicht von Anfang an 45 Minuten lang gelesen“, sagt Herbert Rentmeister. „Wir spielen und sprechen mit den Kindern, das ist der Anfang“, so die Lesementoren.

Sprache erst einmal begreifen lernen

Denn wer Lesen möchte, der müsse erst einmal begreifen, um was es überhaupt geht. „Wir haben Kinder, die können wunderbar vorlesen, erfassen aber nicht den Inhalt der Geschichte“, sagt Schulleiter Herbert Rentmeister. Das sei etwa so, als wenn er, ohne der türkischen Sprache mächtig zu sein, aus der Hürriyet vorliest. „Das geht, weil es im lateinischen Schriftbild gedruckt ist.“

Um Sprache zu erschließen und einen Wortschatz zu bilden, müssten Kinder schon in der Vorschulzeit mit Spielen oder Vorlesen motiviert werden. „Memory ist als Spiel wunderbar geeignet, den Wortschatz der Kinder auszuprägen“, so Rentmeister. In zunehmend mehr Familien komme das gemeinsame Spiel oder das Vorlesen aber zu kurz oder finde gar nicht statt. „Das hat erhebliche Auswirkungen auf die schulische Weiterentwicklung“, weiß das Team von der Agathaschule.

Kinder schämen sich, vorzulesen

„Die Kinder schämen sich, vorzulesen. Sie haben kein Selbstvertrauen“, so Rentmeister. Lesen zu können, sei aber grundlegend wichtig auch für alle weiteren Schulfächer. „Wer nicht richtig lesen kann, der kann sich andere Sachverhalte ebenfalls nicht erschließen.“

Eine Gesamtschule in Kleve hat laut Auskunft eines Lesementors einen Hilferuf an die Leselernhelfer vom Niederrhein abgesondert: Bei Fünft- bis Siebtklässlern seien erhebliche Defizite festgestellt worden: „Sie können nicht richtig lesen.“

So weit will es die Agathaschule nicht kommen lassen und hat nun neben Lesepaten aus dem „Netzwerk Dorsten liest vor“, die eine Gruppe von Kindern betreuen, auch Lesementoren für die 1:1-Betreuung von Kindern mit erheblichen Defiziten gewinnen können. „Das kann ein Lehrer für 25 Kindern nicht alleine leisten“, sagt Herbert Rentmeister.

Jede Verstärkung ist herzlich willkommen

Die Lesementoren freuen sich über jede Verstärkung, die sie dazu gewinnen können. Für sieben Kinder ab Klasse 2 konnten auf Anhieb persönliche Förderer gefunden werden. Der Bedarf ist aber größer. „An der Pestalozzischule haben wir mittlerweile 21 Lesementoren“, ist Ernst-Georg Lohöfener begeistert vom Erfolg. Auch an der Agathaschule seien weitere Ehrenamtliche mit Zeit, Geduld und Freude an ihrem Tun herzlich willkommen.

Interessenten wenden sich vorab an Ernst-Georg Lohöfener, Tel. (02362) 2 66 84, oder melden sich per E-Mail bei ihm: ernst-georg.lohoefener@unitybox.de .

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