Agathaschule: Abriss, Neubau oder Umzug?

Diskussionen in den Ausschüssen

Die Geschwister-Scholl-Schule am Nonnenkamp wäre als alternativer Standort für die wachsende Zahl von Kindern der St.-Agatha-Grundschule am Vosskamp in der Altstadt gut geeignet. Der Schulausschuss beschäftigte sich am Dienstagabend in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Bauausschuss mit möglichen Alternativen zu dem hoffnungslos maroden Altbau der Altstadtgrundschule.

Dorsten

, 26.04.2017, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Agathaschule: Abriss, Neubau oder Umzug?

Renoviert und trotzdem arg ramponiert: Der Agathaschule, das Kerngebäude wurde 1895 errichtet, der Anbau in der Nachkriegszeit, ist ein Fass ohne Boden. Abreißen und neu bauen wäre im Sinne von Rektor Herbert Rentmeister.

„Der Standort am Vosskamp ist bewährt, zentral, fördert den Stadtteil und ist an den Personennahverkehr für Erwachsene angebunden“ – der Leiter der Agatha-Grundschule am Vosskamp, Herbert Rentmeister, machte bei der gemeinsamen Sitzung des Schul- und Bauaussschusses am Dienstagnachmittag im Gemeinschaftshaus Wulfen keinen Hehl aus seiner Vorliebe für den Platz, den die Agatha-Schule im Herzen der Altstadt einnimmt.

Standortanalyse

Anderthalb Stunden beschäftigten sich die Politiker mit der Standortanalyse zur Agathaschule, die Architektin Anja Rosen als externe Expertin im Auftrag für die Stadt vorgenommen hat. Denn das Gebäude der Agathaschule hat einen immens hohen Sanierungsbedarf – man geht von etwa 6,2 Millionen Euro aus – und ist für die wachsende Schülerschar und deren Bedürfnissen nach differenzierten Förder- und Forderangeboten nicht mehr geeignet.Zu dieser Erkenntnis ist die Schulverwaltung in Zusammenarbeit mit der Schulleitung gekommen. Weil plötzlich ungeahnte Summen in Millionenhöhe von Bund und Land für die Sanierung und Ausstattung von Schulen fließen, erscheint ein Neubau der Agathaschule oder ein Umzug in ein anderes bestehendes Schulgebäude möglich.

Die externe Architektin Anja Rosen hat untersucht, ob der Altbau der Agathaschule saniert, abgerissen und am Vosskamp wieder aufgebaut werden soll. Oder ob die Schule Platz findet in der Geschwister-Scholl-Hauptschule am Nonnenkamp oder als Neubau daneben beziehungsweise als Neubau im Lippetal. Am bestehenden Standort der Agathaschule, so die Expertin, sei der Platz für eine Ausdehnung des Gebäudes und eine neue Zweifachturnhalle knapp bemessen: „Das wird sehr problematisch, insbesondere wäre der Zuschnitt des Schulhofes dafür ungeeignet“, meinte sie. Ein richtungsweisender Beschluss wurde am Dienstag aber nicht gefasst, da das Architekturbüro noch nicht alle Komponenten in der Untersuchung berücksichtigen, insbesondere noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung aufstellen konnte.

Tendenzen der Fraktionen

Tendenziell machten die Politiker der Fraktionen aber ihre Vorstellungen deutlich, welche Variante ihnen am ehesten zusagen könnte. Von vornherein ausgeschlossen wurde mit großer Mehrheit der Standort im Lippetal: „Er ist ein Festplatz für die Schützen, ein Parkplatz für die Angestellten in der Innenstadt und die Kunden der Altstadtgeschäfte“, meinte etwa Tristan Zielinski für die FDP. Bernd Schwane (CDU) konnte sich aus denselben Gründen nicht für das Lippetal erwärmen: Seine Fraktion bevorzuge, ohne dass schon eine Feinabstimmung stattgefunden habe, auf jeden Fall einen Standort „mit guter Verkehrs- bzw. Busanbindung“. Denn klar ist: Sollte die Agathaschule am Vosskamp nicht bleiben können, dann müssen die Kinder aus der Feldmark möglicherweise zum Nonnenkamp gelangen, der weiter westlich vom jetzigen Ort der Schule angesiedelt ist. Und das wären mehr als zwei Kilometer Entfernung, die Grundschulkindern im Allgemeinen als vertretbare fußläufige Entfernung zugemutet werden.

"Wir reißen nicht ab"

Günter Fraund erklärte für die Grünen, dass der Bestand der alten Schule am Vosskamp Priorität für die Grünen habe: „Wir reißen nicht gerne ab. Schön wäre es, wenn der alte Standort, sei es durch Abriss oder Neubau, weiter genutzt werden könnte.“ Die SPD fühlte sich von den Neigungen der anderen Fraktionen, eine gewisse Richtung einzuschlagen, überrollt und witterte insbesondere in Reihen der CDU Vorabinformationen durch die Verwaltung, die die Genossen nicht bekommen hätten. Bürgermeister Tobias Stockhoff wies den Verdacht, den Rainer Heimann äußerte, aber zurück: „Wir selbst haben erst am Montag vom Planungsbüro nähere Einzelheiten aus der Standortanalyse erfahren."

Die SPD verwarf aber, wie die anderen auch, den Standort im Lippetal. Großen Charme könnte, wie aus den Erläuterungen von Anja Rosen deutlich wurde, der Umzug in den Gebäudekomplex der Geschwister-Scholl-Hauptschule am Nonnenkamp haben. „Hier findet die vierzügige Grundschule Platz, der erste Jahrgang könnte im Erdgeschoss untergebracht werden und Differenzierungsräume bekommen. Es gibt viel Raum für den OGS-Bereich, die Schulleitung hätte einen eigenen Trakt, die Zweit-, Dritt- und Viertklässler ebenfalls eigene Gebäudeteile.“ In zwei Wochen will Rosen die Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen.

Herbert Rentmeister würde lieber heute als morgen mit „seinen“ Kindern den Altbau räumen. Übergangsweise, für die Dauer einer Sanierung beziehungsweise einer Umzugsmöglichkeit, könnten die Agathaschüler in Containern auf dem Schulhofgelände beziehungsweise im Gebäude der Astrid-Lindgren-Schule an der Marler Straße untergebracht werden. Sie steht dann leer.

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