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Afrikanische Schweinepest aus den Augen verloren? Jäger sehen das Unglück kommen

dzAfrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine tödliche Tierseuche. Es ist keine Frage, ob sie bei uns ankommt, sondern wann das der Fall sein wird. Jäger fürchten das Schlimmste.

Dorsten

, 11.01.2019 / Lesedauer: 3 min

In Belgien ist sie schon angekommen, in Frankreich werden Schutzvorkehrungen getroffen, Dänemark rüstet sich ebenfalls gegen eine gefürchtete Tierseuche, die sich pestartig in Europa ausbreitet, seit sie in Osteuropa verheerend gehaust hat: die Afrikanische Schweinepest.

Wildschweine gelten als mögliche Überträger des Virus‘ und werden deshalb von der hiesigen Jägerschaft seit 2018 vermehrt zur Strecke gebracht. Doch auch den allergrößten Jagdeifer hält der Dorstener Berufsjäger Hermann Wolff nicht für ausreichend. „Die Gefahr ist nicht gebannt“, sagt er.

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„In Dorsten haben wir 2018 etwa 400 Tiere zur Strecke gebracht, das war rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. Wenn man aber davon ausgeht, dass die Wildschweine maximal 20 Kilometer am Tag zurücklegen, dann wird das Virus von ihnen nur sehr langsam vorangetrieben.“ Das größte Übertragungsrisiko für die meistenteils tödlich verlaufende Schweinekrankheit gehe vom Menschen aus, sagt der Jäger.

Das wird auch vom Landwirtschaftsministerium NRW bestätigt: „Da das Virus in Lebensmitteln, die Fleisch enthalten (Wurstwaren), lange überlebt, besteht die Gefahr, dass das Virus über den Ferntransport entlang der Autobahnen nach Nordrhein-Westfalen eingetragen wird“, meldet Ministerin Ursula Heinen-Esser auf der Homepage ihres Ministeriums.

„Einmalige Übung ist völlig unzureichend“

Hermann Wolff hält deshalb die einmalige Übung des Kreises Recklinghausen im Vorjahr für völlig unzureichend, um das Szenario im Falle eines Ausbruchs der Seuche in der Region in den Griff zu bekommen: „Ich vermisse weitere Aktivitäten“, sagt er.

Sollte tatsächlich ein Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in der Region festgestellt werden, dann würden Sperrgebiete ausgerufen und Quarantänebezirke eingerichtet. „Das in einer so dicht besiedelten Region wie unserer bedarf einer engen Kooperation aller Beteiligten“, meint Wolff. Die vermisst er aber im Kreis Recklinghausen.

Kreisveterinär weist die Vorwürfe zurück

Der Leiter des Kreisveterinäramtes, Dr. Siegfried Gerwert, weist die Kritik zurück: „Wir haben einen prall gefüllten Werkzeugkoffer, wissen aber noch nicht, welches Möbelstück wir damit fertigen müssen“ - mit diesem Bild zeigt Gerwert auf, der auch Mitglied der Landesarbeitsgruppe gegen die Verbreitung und Ausbruch der ASP ist, dass seine Behörde gewappnet ist. Aber: Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest birgt viele unberechenbare Faktoren.

„Keiner weiß, wie viele Wildschweine es im Kreis Recklinghausen gibt. Die Tiere sind äußerst intelligent und lernfähig und flüchten in andere Regionen, wenn Menschen ihnen nachspüren.“ Außerdem sei die ASP keine hochansteckende Erkrankung, wie überall verbreitet werde. „Wenn das so wäre, lägen überall tote Wildschweine herum. Das ist aber nicht so.“

Größtes Risiko für die Ausbreitung dieser Seuche sind laut Auskunft von Gerwert die Menschen. Bei halbjährlich etwa vier Millionen Lkw-Transporten zwischen den Grenzen Ost- und Westeuropas könne man sich nicht ausmalen, wo die Seuche sich zeigt. „Wir haben deshalb an verschiedenen Schauplätzen mithilfe unterschiedlicher Akteure Szenarien durchgespielt.“ Zuletzt im November 2018 auf Halterner Gebiet in Lavesum, wo auch Dorstener und Halterner Ordnungsbehörden beteiligt waren.

„Wir sind vorbereitet“, sagt der Kreis

„Wir sind vorbereitet“, sagt deshalb auch Kreispressesprecher Jochem Manz auf unsere Anfrage. Bei der ersten Übung im Sommer 2018 habe man mit vielen beteiligten Behörden den Ernstfall erfolgreich geprobt. Das Land sagt zu Einzelheiten der Übung, dass fiktive Wildschweinkadaver (Dummys) unter Beachtung von Biosicherheitsauflagen aus dem Wesel-Datteln-Kanal geborgen worden seien. Außerdem wurde der Aufbau einer Hygieneschleuse für Fahrzeuge und die Abriegelung einer Quarantänezone geübt.

Dass die ASP nach Deutschland überschwappt, daran hat auch der Kreisveterinär Dr. Siegfried Gerwert keine Zweifel. „Ich möchte nicht mit unter den Top Ten in Deutschland sein“, sagt er auch. Wegen der hohen Übertragungswahrscheinlichkeit durch den Menschen hält Gerwert einen Ausbruch im Ballungsraum Ruhrgebiet „für sehr wahrscheinlich“.

Übertragungswege unterbrechen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine durch ein Virus hervorgerufene Erkrankung der Haus- und Wildschweine, die bei Schweinen zumeist tödlich verläuft. Für Menschen ist das ASP-Virus ungefährlich.
  • Seit 2014 breitet sich die Tierseuche in Osteuropa unter Wildschweinen aus. Um Hausschwein-Bestände in Nordrhein-Westfalen zu schützen, bedarf es laut Auskunft des NRW-Landwirtschaftsministeriums der Unterbrechung der Übertragungswege. Einer der sehr wahrscheinlichen Übertragungswege besteht aus drei, nacheinander geschalteten Abschnitten
  • Den Ferntransport des ASP-Virus über mehrere 100 Kilometer hinweg aus den osteuropäischen Ausbruchsgebieten nach Nordrhein-Westfalen erfolgt durch Menschen aufgrund von Transport infizierten Materials (z.B. Lkw, Pkw, Kleidung, Schuhwerk, Lebensmittel wie Wurstwaren). Mit diesem Material können sich dann Wildschweine infizieren (z.B. durch die Aufnahme infizierter Wurstwaren an Autobahn-Rändern oder auf den Parkplätzen an Raststätten).
  • Vom Kot lebender als auch unmittelbar von verendeten Wildschweinen kann anschließend durch Sekundärverwerter (z.B. Haushund, Fuchs, Ratte, Rabenvögel) oder wieder durch den Menschen selber der Eintrag in Nutztierhaltungen erfolgen und Tierleid sowie hohen wirtschaftlichen Schaden verursachen.
  • Der infizierte Nutztierbestand muss dann getötet werden. Für Nordrhein-Westfalen und angrenzende Regionen würden in einem solchen Fall auch internationale Handelseinschränkungen drohen.
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