Eine Dorstener Ärztin will das Absagen vereinbarter Impftermine nicht mehr hinnehmen und berechnet pro Stornierung ein Ausfallhonorar von 25 Euro. (Symbolbild) © dpa
Coronavirus

Ärztin aus Dorsten verteidigt Gebühr für abgesagte Impftermine

Eine Ärztin aus Dorsten stellt 25 Euro in Rechnung, wenn ein vereinbarter Impftermin abgesagt wird. Das will ein Betroffener nicht akzeptieren und spricht von einer Kostenfalle.

Termine für die Booster-Impfung sind heiß begehrt. In einigen Arztpraxen in Dorsten geht schon jetzt vor Frühjahr 2022 nichts mehr. Das dauert manchen zu lange, also bemühen sie sich in mehreren Praxen um Termine. Am Ende wählen sie den frühesten, sagen die übrigen ab oder lassen sie verfallen.

Wer seinen Impftermin in der Praxis von Dr. Anna Mitchell per E-Mail storniert, erhält eine Antwortmail, in der darauf hingewiesen wird, dass „jede Terminabsage – egal aus welchem Grund – kostenpflichtig ist“. Für einen abgesagten Termin wird ein Ausfallhonorar von 25 Euro berechnet.

„Jedes Mal eine Ohrfeige“

Zur Begründung heißt es weiter, dass jede Terminvereinbarung einen Vertragsabschluss darstelle, abgesagte Termine unter Umständen nicht neu vergeben werden können, Absagen ohne Gegenleistung wirtschaftlich nicht vertretbar und „jedes Mal eine Ohrfeige für diejenigen“ seien, „die Zeit und Arbeitskraft investieren, damit Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft werden können“.

Das will Frank P. nicht auf sich sitzen lassen. Er heißt eigentlich anders, will seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen, weil er juristisch gegen das Ausfallhonorar vorgehen will. Der 67-Jährige bekam in der zweiten Januar-Hälfte Termine bei Dr. Mitchell für sich und seine Frau, hatte parallel aber auch in seiner Hausarztpraxis angefragt.

„Als wir dort dann eher drangekommen sind, haben wir die anderen Termine mit zwei Monaten Vorlaufszeit storniert.“ Sie seien über 60 und mit Astrazeneca geimpft: „Da lässt der Impfschutz schon nach zwei bis vier Monaten nach“, so P. „Im Januar lägen sieben Monate dazwischen. Vor dem Hintergrund, dass unser Impfschutz ungenügend ist, machen wir uns große Sorgen und sind natürlich bemüht, möglichst schnell eine Booster-Impfung zu bekommen.“

„Keine AGBs und keine Widerrufsbelehrung“

Die Forderung nach dem Ausfallhonorar habe ihn vom Hocker gehauen: „Es wurden keine AGBs vermittelt und es gab auch keine Widerrufsbelehrung“, so P. Auch habe es bei der Online-Terminbuchung keinen Hinweis auf Stornierungsgebühren gegeben. „Das ist nicht transparent und eine Kostenfalle!“

700 Booster-Termine hat Dr. Anna Mitchell nach eigenen Angaben zur Verfügung gestellt. Nach zwei Tagen seien die vergeben gewesen. Nun würden sich aber auch wieder die Absagen häufen, was schon im Sommer ein großes Ärgernis gewesen sei und sie zu Beginn der Woche dazu bewegt habe, ab jetzt das Ausfallhonorar in Rechnung zu stellen.

Etwa acht Stunden habe sie die Absagerei allein in der vergangenen Woche gekostet, weil sie jeden stornierten Termin im Buchungssystem per Hand neu vergeben müsse. Die Online-Terminbuchungen habe man unter anderem eingeführt, um frühzeitig Planungssicherheit zu haben, sowohl was die Personalplanung als auch die Bestellung von Impfstoff angeht.

„Die Leute melden sich in zehn Praxen an und dann nach Belieben wieder ab. Das merkt man schon an den absolut standardisierten Absage-Mails, die man bekommt“, so Dr. Mitchell. Auf den Rechtsstreit will sie es zur Not ankommen lassen. „Man kann damit argumentieren, dass es sich um Leistungsmissbrauch des deutschen Gesundheitswesens handelt“, sagt sie. „Ich finde das Vorgehen unsolidarisch gegenüber anderen Menschen, die eine Impfung möchten und auch gegenüber denjenigen, die Impfungen anbieten.“

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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