Ärger im Dorstener Rathaus: Gewerkschaft kritisiert den „sprachlosen“ Bürgermeister

dzMillionenloch im Haushalt

Im Dorstener Rathaus rumort es. Mitarbeiter fürchten, dass das neue Millionenloch im städtischen Etat auf ihre Kosten gestopft wird. Im Zentrum der Kritik: der „sprachlose“ Bürgermeister.

Dorsten

, 05.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hiobsbotschaft hatte Bürgermeister Tobias Stockhoff seinen Kollegen im Rathaus am 12. August per E-Mail und wenige Tage später per Mitteilungsblatt offenbart. Bei den notwendigen Sparmaßnahmen (DZ+) werde auch der Personaletat eine Rolle spielen. „Bitte hinterfragen Sie noch stärker als bisher alle Aufwendungen und Investitionen.“

Gewerkschafter vermisst Fingerspitzengefühl

In dieser Woche hat der Vorsitzende der Gewerkschaft Komba in Dorsten, André Sänger, mit einem schriftlichen Kommentar reagiert, der schnell im Rathaus die Runde machte. Sänger (38), der in der Ausländerbehörde arbeitet und bei der Stadtverwaltung als möglicher Nachfolger der Personalratsvorsitzenden Waltraud Hadick im nächsten Jahr gilt, vermisst „jegliches Fingerspitzengefühl für die Kollegen, die jetzt schon am Limit und teilweise darüber hinaus sehr gute Arbeit leisten“.

Der Gewerkschafter spricht von „Überstunden in beträchtlicher Höhe“, von enormen Arbeitsbelastungen. Da sei es unangebracht, „schwer verdauliche Nachrichten in einer Form zu verbreiten, die Vertrauen und Wertschätzung vollkommen vermissen lässt“.

„Wir müssen das Gefühl haben, dass unsere Arbeit etwas wert ist und keine Selbstverständlichkeit.“
Andrè Sänger

Bürgermeister Tobias Stockhoff sei, so kritisiert André Sänger, für Bürger jederzeit ansprechbar, für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung aber nicht. „Wir müssen mehr eingebunden werden und das Gefühl haben, dass unsere Arbeit etwas wert ist und keine Selbstverständlichkeit.“

Die vom Gewerkschafter gewünschte Wertschätzung holte der Bürgermeister auf Anfrage der Redaktion nach. „Ich weiß, dass die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Dorsten viel leisten. Aber auch Bürger und Unternehmen stemmen mit ihren Abgaben und Steuern überproportional viel. Das Komba-Schreiben kann auch Wasser auf die Mühlen aller Kritiker sein, die der Meinung sind, dass im öffentlichen Dienst ohnehin überall zu viele Mitarbeiter beschäftigt sind.“

Ärger im Dorstener Rathaus: Gewerkschaft kritisiert den „sprachlosen“ Bürgermeister

André Sänger ist seit vier Jahren Vorsitzender der Komba-Gewerkschaft in Dorsten. © privat

Der Bürgermeister möchte deshalb eine Anregung aufgreifen, Kollegen- und Bürger mehr miteinander ins Gespräch zu bringen und für gegenseitiges Verständnis zu werben. „Einen ähnlichen Weg planen wir ja bereits bei der Rathaussanierung mit dem Bürger- und Mitarbeiter-Beirat.“

„Wir könnten jetzt noch keine belastbaren Antworten geben.“
Tobias Stockhoff

Dass er die Finanzkrise per E-Mail und Mitteilungsblatt intern publik gemacht habe, begründete Stockhoff mit der derzeit noch ungewissen Situation: „Wie die verschiedenen Maßnahmen genau aussehen, werden wir mit Kollegen in den Fachämtern und dem Rat gemeinsam beraten. Das ist auch der Grund, warum eine Informationsveranstaltung aktuell noch keine belastbaren Antworten hätte geben können.“

Stockhoff wies allerdings den Vorwurf zurück, es gäbe keinen umfangreichen Austausch mit Mitarbeitern. Monatliche Rücksprachen mit den Personalräten, monatliche Sprechstunden, die „sehr gut nachgefragt werden“, und vierteljährliche Beratungen mit der gesamten Personalvertretung gebe es. „Darüber hinaus sind in aller Regel auch Terminvereinbarungen zu individuellen Fragestellungen bestimmter Fachbereiche möglich.“

Auf Anfrage der Redaktion betonte André Sänger, es sei nicht seine Absicht, einen Keil zwischen die Mitarbeiter und die Verwaltungsspitze zu treiben. „Wir sollten gemeinsam konstruktiv an Lösungen arbeiten, am besten im Gespräch.“

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt