„ADS ist heilbar“: Forschungsergebnisse eines Dorstener Arztes machen Hoffnung

dzNeues Buch von Dr. Meyers

ADS - eine Krankheitsgeschichte mit vielen Missverständnissen. Der Dorstener Kinderpsychiater Dr. Ralph Meyers räumt in seinem neuen Buch mit vielen auf und macht Betroffenen Mut.

Dorsten

, 07.09.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielleicht war der Zappelphilipp aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ hyperaktiv. Womöglich litt auch der Hanns Guck-in-die-Luft aus der gleichen Geschichtensammlung an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung und schaute deshalb stets verträumt zum Himmel, statt auf den Weg zu achten. Kämen die beiden heute in die Sprechstunde des Dorstener Kinderpsychiaters Dr. Ralph Meyers, könnten sie nicht nur mit einer exakten Diagnose, sondern sogar mit Heilung rechnen.

Mit und ohne Hyperaktivität

ADHS und ADS

ADS und ADHS stehen für die gleiche Erkrankung, das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Es gibt drei Subtypen: Unaufmerksamkeit (ADS), Hyperaktivität (ADHS) und eine Kombination aus beidem (Mischtyp). Keine ist schlimmer als die anderen.

Denn für Meyers steht fest: „ADS ist heilbar“. So lautet auch der Titel seines neuen Buches, das in der vorigen Woche erschienen ist. Das Buch will aufräumen mit vielen Missverständnissen und Laien die Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten erklären. Eine Störung, an der in Deutschland etwa acht Prozent der Schulkinder leiden und weltweit 2,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Meyers: „Bei den Erwachsenen ist die Dunkelziffer vermutlich noch höher.“

Viele Missverständnisse ranken sich um die Krankheit

Denn, um gleich mal ein gängiges Missverständnis auszuräumen, ADS wächst sich nicht aus. Falsche Strukturen und Vernetzungen im Gehirn seien die Ursache für die verminderte Konzentrationsfähigkeit, die könne das Gehirn ohne Therapie nicht reparieren. „Eine geeignete Therapie kann das jedoch schaffen“, erklärt Meyers und räumt gleich mit dem nächsten Missverständnis von der Unheilbarkeit von ADS auf.

Am Anfang einer sinnvollen Therapie stehe unabdingbar eine objektive Diagnose. „Es gibt längst objektive Tests zur Feststellung von Konzentrationsmangel, Flüchtigkeit, Unruhe und Impulsivität“, klärt Meyers auf. Kinder, die im Wartezimmer seiner Praxis am Südwall ärztlich verordnet mit dem iPod spielen, absolvieren vermutlich gerade den Opatus-Test, der auf iOS läuft und als App auf jedes Apple-Gerät heruntergeladen werden kann.

„Dieser relative einfache, aber sehr aussagefähige Test ist refinanzierbar durch die Krankenkasse“, erklärt Dr. Meyers, der sich bei der ADS-Diagnose nicht auf Blickdiagnosen und Laien-Wahrnehmungen durch Eltern, Lehrer oder Erzieher verlassen mag. Er kann auch zu Hause vorsichtige erste Aufschlüsse geben.

Dr. Meyers: „Vieles sieht aus wie ADS, ist aber keins“

Meyers: „Die präzise Diagnostik ist auch deshalb so wichtig, weil der Arzt eine Abgrenzung zu ähnlichen Symptomatiken vornehmen muss. Vieles sieht aus wie ADS, ist aber keins.“ Schließlich sollen Behandlung und Medikation die Symptome nicht noch verschlimmern.

Lesung und Signierstunde

„ADS ist heilbar“

Am 11. November (Montag) stellt Dr. Ralph Meyers sein neues Buch von 18.30 bis 21 Uhr im „Leo“ an der Fürst-Leopold-Allee 70 vor. Eingeladen sind Eltern, Betroffene und Profis wie Lehrer, Sozialpädagogen, Ärzte, Therapeuten.

Der Opatus-CPTa-Test gebe objektiv Auskunft darüber, wie unruhig, impulsiv und unaufmerksam ein Proband sei. Zusammen mit Informationen über Lebensumstände, Beschwerden und Krankenheitsgeschichten macht sich der Kinderpsychiater dann ein Bild über Art und Schwere des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms. Körperliche, neurologische, orthopädische sowie psychiatrische Untersuchungen runden das Bild ebenso ab wie ein Intelligenztest. Und auch außergewöhnliche Geschehnisse während Schwangerschaft und Geburt interessieren Meyers.

Manchmal braucht es Medikamente, manchmal auch nicht

Alternativen und ergänzenden Diagnosen zu ADS widmet Ralph Meyers ein ganzes Kapitel in seinem Buch, bevor er sich ausführlich den medikamentösen und nicht-medikamentengestützten Behandlungsmöglichkeiten von ADS widmet.

Das berühmt-berüchtigte Medikament „Ritalin“ kommt darin selbstverständlich auch vor, ist aber laut Ralph Meyers nur einer von fünf gängigen Wirkstoffen in der Behandlung von ADS.

Für jede Behandlung gilt der Grundsatz: Je früher sie einsetzt, desto schneller erfolgt die Heilung. Vorschulkinder können demnach oft schon nach sechs bis zwölf Monaten aus der Behandlung entlassen werden, während die Gehirne von Erwachsenen acht bis zehn Jahre brauchen, bis alte, falsche Strukturen gelöscht und neu überschrieben werden.

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