50 Jahre Von-Ketteler-Schule: Dorstens Förderschule wächst und gedeiht

dzSchuljubiläum

Die Von-Ketteler-Schule, Dorstens Förderschulzentrum, spielt für Schüler mit besonderem Förderbedarf eine tragende Rolle. Zum 50. Geburtstag steht sie so gut wie nie zuvor da.

Dorsten

, 24.05.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Margarete Kannengießer, Leiterin des Förderschulzentrums Von-Ketteler-Schule an der Bismarckstraße, blättert in einem alten Zeugnisbuch. Penibel hat einer ihrer Vorgänger vermerkt, was sich seine Schüler so leisteten.

Mangelhaften häuslichen Fleiß zum Beispiel. Oder zahllose Fehlstunden. Oder ungenügende Rechtschreibung. Aber auch fleißige mündliche Mitarbeit oder große Fingerfertigkeit im Handwerklichen. Von 1969 bis 2019 hat sich viel getan und viel verändert in der Förderung der Kinder in Dorsten mit besonderen Bedarfen im Lernen oder in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung.

Schule spielt für die Kinder eine tragende Rolle

Dabei hat die Von-Ketteler-Schule im Leben dieser Kinder eine tragende Rolle gespielt. Und das wird absehbar erst einmal so bleiben: „Entgegen den Prognosen im Schulentwicklungsplan haben wir solide bis steigende Schülerzahlen“, sagt Margarete Kannengießer.

50 Jahre Von-Ketteler-Schule: Dorstens Förderschule wächst und gedeiht

Schulleiterin Margarete Kannengießer ist seit 38 Jahren als Pädagogin am Standort Bismarckstraße tätig. © privat

260 Kinder von der Klasse 1 bis 10 besuchen das Schulzentrum an der Bismarckstraße 187 und 189. 2013 übersiedelten die Kinder der Korczakschule nach Hervest, 2017 die Kinder der Astrid-Lindgren-Schule. Aus drei Schulen wurde eine gemacht aufgrund eines politischen Beschlusses, der im Hervester Marienviertel tiefe Wunden hinterlassen hat.

Denn für das Schulzentrum musste die Hervester Wicherngrundschule ihren angestammten Platz aufgeben. „Das hat Verletzungen auf beiden Seiten hinterlassen. Trotzdem war ein friedliches Miteinander bis zum endgültigen Auszug der Wichernschule möglich“, sagt Margarete Kannengießer.

Ein friedliches, konstruktives Miteinander sei ein Hauptziel der Schulgemeinde. Auch zwischen Eltern, Schülern und Schule sollte die Chemie stimmen, „damit wir das Bestmögliche für die Kinder erreichen können“: „Unser Team mit 55 Lehrern, mit Integrationshelfern und Lehramtsanwärtern arbeitet mit vereinten Kräften daran“, sagt Margarete Kannengießer.

50 Jahre Von-Ketteler-Schule: Dorstens Förderschule wächst und gedeiht

50 Jahre Von-Ketteler-Schule: Kreatives Arbeiten gehört mit zum Programm. © Claudia Engel

Und auch viele Eltern tragen dazu bei, dass ihre Kinder mit Erfolg einen Schulabschluss schaffen. Da, wo die Eltern wegen ihrer individuellen Problematiken nicht zur Entwicklung ihrer Kinder beitragen können oder wollen, sei die Schule in besonderer Weise gefordert: „Wir bieten zum Beispiel morgens ab 7.30 Uhr ein Frühstück für alle Kinder an, denen das zu Hause nicht möglich ist“, so Kannengießer. Dank regelmäßiger und großzügiger Spender wie KAB und Lions Club könne dieses Angebot gemacht werden.

50 Jahre Von-Ketteler-Schule: Dorstens Förderschule wächst und gedeiht

In der Mensa bekommen die Kinder regelmäßig Frühstück oder Mittagessen. © Claudia Engel

Auch der Mittagstisch ist in der Von-Ketteler-Schule selbstverständlich. Margarete Kannengießer: „Wir sind Ganztagsschule. Die Kinder bekommen nachmittags und nach dem Essen besondere Förderangebote bzw. Hausaufgabenhilfe.“ Wegen der individuellen und bestmöglichen Förderung seien die Vermittlungsquoten der Jugendlichen in Ausbildungsstellen besonders gut: „Das hat sicher auch mit dem Arbeitsmarkt zu tun, aber auch damit, dass wir sehr gute Kontakte zu Dorstener Betrieben und zur Dorstener Arbeit haben. Viele Schüler lassen sich zu Altenpflegehelfern ausbilden oder sind in der Gastronomie und im Handwerk tätig“, sagt Kannengießer. Ein schöner Erfolg, um den die „Hilfsschüler“ oder „Sonderschüler“ von einst häufig vergeblich kämpften.

Väter brachen wegen der verordneten Schule in Tränen aus

„Vor mir sind noch in den 1980er-Jahren gestandene Väter in Tränen ausgebrochen, weil ihr Sohn oder ihre Tochter es nicht auf die Regelschule schafften und die Förderschule besuchen mussten“, schildert Kannengießer Erlebnisse aus Zeiten, wo der Besuch der Förderschule noch vom Schulamt angeordnet wurde.

Heute können Eltern frei entscheiden, ob ihr Kind eine Regel- oder die Förderschule besuchen soll. Viele entscheiden sich von vornherein für die Förderschule. „Der Bedarf an Sonderpädagogen ist immens und längst nicht gedeckt“, weiß Kannengießer. An die vergleichsweise sehr gut mit Fachpersonal ausgestattete Von-Ketteler-Schule wenden sich Eltern, die ihre Kinder in diesem geschützten Umfeld wachsen sehen wollen.

Am Samstag (25. Mai) wird der Geburtstag gefeiert

Wenn am Samstag (25. Mai) um 11 Uhr die Feier des 50. Geburtstages der Von-Ketteler-Schule auf dem Schulgelände an der Bismarckstraße veranstaltet wird, geht es dort richtig rund. Große und kleine Schüler haben Überraschungen für ihre Eltern und Besucher vorbereitet. Darunter werden bestimmt auch viele Ehemalige sein.

Aus der Geschichte der Von-Ketteler-Schule

  • 1920 bis 1969: Hilfschulklassen in den Volksschulen der Stadt, Zusammenführung der Hilfsschulklassen zur „Hilfsschule“ in den 1960er-Jahren.
  • 1969: Umzug der „Hilfsschule“ in das Gebäude an der Bismarckstraße 189, neuer Name Von-Ketteler-Schule. Dort herrschte bald Platzmangel, Auslagerung von Klassen an die Martin-Luther-Straße.
  • 1990er-Jahre: Erweiterungsbau an der Bismarckstraße 189, alle Klassen an einem Standort.
  • 2009: Ausbau der Von-Ketteler-Schule zur erweiterten Ganztagsschule, größtes Projekt Selbstständige Schule.
  • 2013: Korczakschule Wulfen siedelt nach Hervest um.
  • 2017: Die Astrid-Lindgren-Schule zieht an die Bismarckstraße ins Schulgebäude der ehemaligen Wichernschule um.
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