Sexarbeiterinnen bewegen sich im ungeschützten Raum. Seit dem 1. Juli 2017 gibt ihnen das Prostituiertenschutzgesetz Rückendeckung. 213 Frauen haben sich seitdem einen „Hurenpass“ besorgt.

Dorsten

, 14.08.2018, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. Juli 2017 ist das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. Es legt Prostituierten und Erotikunternehmen Meldepflichten auf. Frauen, die das älteste Gewerbe der Welt ausüben möchten, müssen sich beim Kreis anmelden. Im Gegenzug bekommen sie eine Anmeldebescheinigung, den sogenannten Hurenpass. Mit den Pflichten sind aber auch Rechte gesetzlich verankert worden.

Nach schleppendem Anlauf beurteilt die Kreisverwaltung Recklinghausen, die Meldeadresse für Sexarbeiterinnen und Betriebe aus Dorsten und weiteren neun Kreisstädten, die Lage als gut: „213 Frauen und 20 Betriebe haben sich seit Jahresbeginn angemeldet“, sagt Jochem Manz auf unsere Anfrage. Im Januar waren es erst 99 Frauen gewesen und vier Betriebe.

Hurenpass gilt auch mit Alias-Namen

Auch in Dorsten gehen Frauen auf die Straße oder üben ihr Gewerbe in Privatwohnungen beziehungsweise Clubs oder Bordellen aus. Nach dem neuen Gesetz müssen sie das beim Kreis anmelden. Dabei können sie sich einen Hurenpass auf einen Alias-Namen ausstellen lassen. Wegen des Schriftverkehrs mit der Behörde nahmen viele Frauen zu Jahresbeginn zunächst Abstand von einer Anmeldung. Sie befürchteten, bloßgestellt zu werden.

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Wie viele Frauen in Dorsten dem horizontalen Gewerbe nachgehen, kann niemand genau sagen. Manche Frauen arbeiten in den beiden Dorstener Bordellbetrieben, andere direkt an der Straße, manche vielleicht auch in einer Wohnung.

An der Bundesstraße 225 waren am Dienstag drei Frauen auf den Standstreifen kurz vor der Autobahnauf- und Autobahnabfahrt im Einsatz. „Es können auch schon mal mehr sein“, heißt es vonseiten der Polizei. Die kontrolliert regelmäßig am Straßenstrich, verlangt aber andere Identitätsnachweise als den Hurenpass von den Damen: den Personalausweis.

Manche Bürger empfinden den Betrieb an der B 225 als Ärgernis. „Ab und an, aber sehr selten, melden sich Dorstener, dass sie Prostituierte an der B 225 (Marler Straße) gesehen haben und die Stadt dagegen einschreiten soll“, sagt Stadtsprecherin Lisa Bauckhorn. Dorsten ist kein Sperrgebiet. Deshalb dürfen die Damen ihrem Gewerbe an der Marler Straße (B 225) nachgehen.

Schutz vor Gewalt und Hilfen im Ernstfall

Das Prostituiertenschutz-Gesetz schützt die Frauen in der Grauzone sexueller Aktivitäten auch vor Gewalttaten bzw. den Folgen. Allerdings müssen die Frauen dann ihre gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen.

Zuletzt hatte eine 24-Jährige aus einem Wulfener Etablissement am 31. Juli Prügel von einem Mann bezogen. Er hatte sie auf einem Parkplatz vor einem Möbelhaus schwer verletzt. Misshandelt worden war sie aber nicht von einem Freier, wie die Polizei ermitteln konnte. „Es war ein Beziehungsstreit“, sagte Polizeisprecherin Ramona Hörst auf Anfrage.

Die Frau habe nach dem Angriff des Mannes keine Hilfe haben wollen. „Die hätte sie bekommen können“, sagt Ramona Hörst. Trotzdem wird sie als Opfer einer Gewalttat in den Akten geführt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihren Peiniger.

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Das Prostituiertenschutzgesetz eröffnet den Beteiligten weitere Möglichkeiten: „Zum Beispiel gesundheitliche Beratungsangebote, Hilfen in Notfällen, Krankenversicherung und soziale Absicherung.“ Das geht aus einer Information des Gleichstellungsministeriums NRW hervor.

Und auch die Bordelle haben neben der Last des Schriftverkehrs mit der Behörde Vorteile: Sie haben dann die offizielle Erlaubnis, das Gewerbe zu betreiben.

  • Am 1. Juli 2017 ist das Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen, kurz Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), in Kraft getreten.
  • Mit diesem werden erstmalig alle typischen Formen der gewerblichen Prostitution erfasst sowie Rechte und Pflichten für Prostituierte und Gewerbetreibende im Bereich der Prostitution eingeführt.
  • Das Gesetz regelt die Ausübung von Prostitution durch Personen über 18 Jahre und gilt für alle sexuellen Dienstleistungen, wie zum Beispiel auch Tantra-Massagen oder Escort. Ebenso gilt das Gesetz für diejenigen, die kein Geld, sondern Sachleistungen, wie zum Beispiel freies Wohnen oder Essen, Schmuck usw. für ihre sexuellen Dienstleistungen erhalten, wenn sie auf diese Weise ihren Lebensunterhalt sichern oder steigern.
  • Nicht entscheidend ist, ob die sexuellen Dienstleistungen nur gelegentlich oder regelmäßig angeboten werden. Das Gesetz gilt auch unabhängig davon, wo die Prostitution stattfindet, ob auf der Straße, in privaten Räumlichkeiten oder in einem Prostitutionsgewerbe.
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