Tony Catania, Produzent aus Florida, will eine alte Schermbecker Aufnahme zum Hit machen. © privat
Musik

15 Jahre alte Aufnahme aus Schermbeck soll in Florida zum Hit werden

Ein Genesis-Song, ein Schermbecker DJ, Scatman John, ein Dorstener Sänger, ein Hit-Produzent aus Florida, die Gruppe Mr. President und ein altes Tape: Diese Geschichte verbindet sie alle.

Los geht es im Jahr 2005. DJ Thomas Averkamp und Klaus Demmerling vom Universe-Tonstudio in Schermbeck suchen Background-Sänger für ihre Produktionen. „Da haben wir Anzeigen in der Dorstener Zeitung geschaltet“, sagt Averkamp.

Die Anzeige liest Claudio Bucchi aus Dorsten, ein Hobbymusiker, der kurz darauf im Schermbecker Studio auftaucht. Averkamp und Demmerling stellen ihm den Plan vor, einen alten Genesis-Hit zu covern. „Claudio Bucchi meisterte seine Sache direkt hervorragend und sang den Song perfekt ein, dazu steuerte er auch noch ein paar Gitarrenriffs bei“, so Averkamp.

Claudio Bucchi, der früher in Dorsten lebte, hat vor 15 Jahren einen alten Genesis-Titel in einem Schermbecker Studio eingesungen. © privat © privat

Aufgenommen wurde damals auf einer DAT-Kassette – ein digitales Audio-Magnetband. Averkamp ist überzeugt, dass diese Aufnahme Hit-Potenzial hat. Doch es kommt zunächst anders. Demmerling und Averkamp hatten zu der Zeit den Auftrag, für die erfolgreiche Eurodance-Gruppe „Mr. President“ („Coco Jamboo“, „I give you my heart“) einen Megamix zu erstellen. „Das war uns damals wichtiger“, sagt Averkamp heute.

„Er war der Herr über die Regler“

„Er war der Herr über die Regler“, sagt Averkamp über seinen Freund und Studiokollegen Klaus Demmerling: „Ich war mehr für die Ideen zuständig.“ Doch Demmerling sei dann erkrankt, habe immer wieder zum Arzt gemusst. Nach dem Tod von Demmerling gerät der vorproduzierte Song mit Claudio Bucchi in Vergessenheit.

Averkamp widmet sich anderen Dingen: Den Vodafone-Shops, die er mit seinem Bruder betreibt, seiner DJ-Tätigkeit sowie den erfolgreichen Party-Reihen im Schermbecker Ramirez, etwa „Back 2 the Roots“, die stets Hunderte von Gästen anlocken.

Zwangspause wegen Corona

Als Averkamp sein Studio modernisieren will, gerät beim Aufräumen die alte DAT-Kassette wieder in seine Hände. Und wieder gehen einige Jahre ins Land, doch als Corona die Welt heimsucht, bedeutet das für Thomas Averkamp eine Zwangspause als DJ und Party-Organisator. „Ich hatte wieder mehr Zeit.“

Er kontaktiert Tony Catania. Ein Produzent, mit dem Averkamp bereits in den 1990er-Jahren in dessen Bottroper Studio zusammengearbeitet hatte. Catania, der klassische Gitarre, Querflöte, Klavier und Musikgeschichte in Palermo studiert hatte, arbeitete für Hit-Produzent Frank Farian in den 1980er-Jahren.

1994 landete Catania selbst als Songwriter und Produzent seinen ersten internationalen Hit mit Scatman John: „Scatman (Ski-Ba-Bop-Ba-Dop-Bop)“. Über 20 Millionen Platten verkaufte der Scat-Sänger mit Schnauzer und Schlapphut weltweit. 1999 starb er an Krebs. Auch mit Londonbeat, Michelle oder „Mark’Oh“ arbeitete Catania zusammen.

„Hammer-Track, Hammer-Stimme“

Mittlerweile produziere Tony Catania nur noch in Florida, so Averkamp. Neben Catanias Mischpult steht ein Papp-Aufsteller von Scatman John. Catania sei von dem in Schermbeck entstandenen Song begeistert gewesen. „Hammer-Track, Hammer-Stimme“, habe Catania nach dem Anhören gesagt und wolle nun den Titel nachproduzieren.

Um welchen Genesis-Song es sich handelt, will Averkamp noch nicht verraten. Gefragt nach dem Stil, sagt er: „Pop.“ Und: „WDR 2-tauglich.“ Da die Aufnahme mittlerweile 15 Jahre zurückliege, klinge sie natürlich etwas „veraltet“. Das soll mit der neuen Produktion wieder aufgefrischt werden, bei der bis auf die Stimme Claudio Bucchis alles ausgetauscht werde.

Aber was sagt der Sänger selbst dazu? Averkamp hat mit Bucchi im Laufe der Jahre immer mal wieder telefoniert. „Er ist mittlerweile Doktor und arbeitet bei der Messe in Düsseldorf.“ Bucchi sei begeistert gewesen, als Averkamp ihm den Plan erzählte. „Er hatte nicht damit gerechnet, dass wir uns noch wegen des Songs bei ihm melden.“

„Das steht und fällt mit dem Video“

Die Gesangsaufnahme schickt Averkamp per Internet über den großen Teich. Und natürlich ist er gespannt, wie es nun mit dem „Ohrwurm“ weitergeht. Klar ist eines: Nur mit dem Song allein wird Averkamps Traum vom Hit nicht wahr. „Das steht und fällt mit dem Video“, sagt der Schermbecker.

Noch nicht ganz geklärt ist die Frage, wie das Video produziert werden könnte. „Ich habe ein, zwei Leute in Duisburg, die Videos produzieren. Das wäre kein Problem“, sagt Averkamp. Aber es könne auch sein, dass das Video in Florida gedreht werde.

Thomas Averkamp (Mitte) glaubt immer noch an das Hitpotenzial des Songs, den er vor 15 Jahren aufnahm. Wann er wieder Partys in Schermbeck feiern kann, weiß er aber noch nicht.
Thomas Averkamp (Mitte) glaubt immer noch an das Hitpotenzial des Songs, den er vor 15 Jahren aufnahm. Wann er wieder Partys in Schermbeck feiern kann, weiß er aber noch nicht. © privat © privat

Mittlerweile ist die Duisburger Discothek Jansen, in der Averkamp auflegt, wieder geöffnet. Doch ob er in diesem Jahr noch Partys im Ramirez organisieren kann, weiß Averkamp noch nicht. Er hat beispielsweise die Party in Münster im Blick, die unter 2G-Regeln gefeiert werden sollte, aber mittlerweile 72 Corona-Infizierte zählt. „Wann es wieder eine Party im Ramirez gibt, können wir noch nicht sagen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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