Hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten: der Angeklagte neben seinem Verteidigern im Essener Landgericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

15-Jährige bedrängt: Ex-Boxer erneut verurteilt

Ein ehemaliger Kickboxer aus Dorsten ist erneut verurteilt worden – wegen sexueller Nötigung. Er selbst reagierte fassungslos.

Das war ein Treffer, der Wirkung zeigte: Ein ehemaliger Weltmeister im Kickboxen aus Dorsten ist am Dienstag zum zweiten Mal verurteilt worden. Die Strafe: fünf Jahre Haft. Dabei ist allerdings ein früheres Urteil wegen Vergewaltigung von weit über vier Jahren Haft mit einbezogen worden.

„Ich habe nichts gemacht“, raunte der 29-Jährige seinen Eltern zu, als die Richter am Essener Landgericht das Urteil verkündeten. Später schüttelte er immer wieder den Kopf, wollte am liebsten ständig dazwischenreden.

Die Wachtmeister waren für die Urteilsverkündung sogar mit Verstärkung angerückt. Doch alles blieb ruhig. Der Angeklagte selbst hatte die Vorwürfe von Anfang an vehement bestritten.

Licht und Schatten

Es waren Schülerinnen, die sich in den einst so erfolgreichen Profi-Sportler verliebt hatten. „Sie waren ein durchtrainierter Athlet, der sicherlich auch auf Frauen eine gewisse Anziehungskraft ausgeübt hat“, sagte Richter Sebastian Jordan bei der Urteilsbegründung. „Einer, der zielstrebig seinen Weg ging.“ Doch wo Licht sei, sei auch Schatten.

Eine der Ex-Freundinnen war 15 und ging noch zur Schule, als sie sich in den Angeklagten verliebt hat. „Er hat mir imponiert“, hatte sie den Essener Richtern bei ihrer Zeugenvernehmung gesagt. „Am Anfang war er auch superlieb.“

„Wollte nicht prüde sein“

Es gab mehrere Treffen, zu denen der damals 21-Jährige die Schülerin mit seinem Auto abgeholt hat. Einige der Fahrten gingen zum „Poco-Parkplatz“, der abends weitgehend verlassen war. Genau dort soll er die 15-Jährige laut Urteil schließlich zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. „Mit Gewalt und gegen ihren Willen“, hieß es im Urteil.

Es sollen auch Fotos entstanden sein, die die Schülerin eigentlich nicht machen wollte. „Aber ich wollte ja nicht prüde sein“, hatte sie den Richtern kleinlaut gesagt. Vor Gericht war es auch noch um die mutmaßliche Vergewaltigung einer anderen Ex-Freundin gegangen. In diesem Fall ist der Dorstener jedoch freigesprochen worden.

Höhere Strafe gefordert

Die neuen Vorwürfe waren während des ersten Prozesses Anfang 2019 bekannt geworden. Durch die Berichterstattung hatten sich weitere junge Frauen bei einer Anwältin gemeldet und ebenfalls von sexuellen Übergriffen berichtet. Daraufhin waren neue Ermittlungen angelaufen.

Mit dem Urteil blieben die Richter am Essener Landgericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die unter Einbeziehung des ersten Urteils sogar siebeneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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Gerichtsreporter

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