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140 Lastwagen kippen Tag für Tag Flüssigbeton in den Schacht der ehemaligen Zeche Dorsten

dzFürst Leopold

Auch auf den Förderschacht 2 von Fürst Leopold kommt jetzt endgültig der Deckel drauf. Wir erklären, was derzeit auf dem Gelände passiert und was die vielen Lastwagen dort zu suchen haben.

Dorsten

, 21.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Quasi im Fünf-Minuten-Takt karren die schweren Betonmischfahrzeuge ihre flüssige Fracht heran: 22.000 Kubikmeter Normbeton werden es am Ende sein, die in langen Schläuchen ihren Weg fast 700 Meter tief hinein in den Schacht 2 des Bergwerks Fürst Leopold gefunden haben. Ende März, so ist es geplant, ist dann endgültig der Deckel drauf. Auf dem Schacht also, in dem seit den 1970er-Jahren die Kumpel und die unter Tage benötigten Güter eingefahren und wieder hinauf transportiert worden sind.

Fürst Leopold wird Reservestandort

18 Jahre nach Ende der Kohleförderung auf Fürst Leopold dient die ehemalige Schachtanlage der RAG (Ruhrkohle Aktiengesellschaft) künftig nur noch als Sicherungsstandort innerhalb des neuen Grubenwasserkonzepts. Dieses sieht unter anderem vor, dass das Grubenwasser der früheren Wasserhaltung von Fürst Leopold nicht mehr in die Lippe geleitet wird, sondern unter Tage über Prosper Haniel und Lohberg in den Rhein. Fürst Leopold ist zukünftig lediglich Reservebrunnen für den Fall, dass die vorgesehenen Fließwege versagen.

Schacht wird teilverfüllt

Für die Umsetzung des langfristigen Wasserhaltungskonzeptes sei eine „dauerstandsichere Teilverfüllung des offenen Schachtquerschnitts“ von Schacht 1 nötig, erklärt Jana Wenzel von der RAG-Pressestelle. Der im Jahr 1911 abgeteufte Schacht hat eine Teufe (bergmännisch für Tiefe) von 903 Metern, der Durchmesser beträgt 6,50 Meter. In einer Teufe von 670 Metern erhält der Schacht ein Widerlager, „sozusagen eine Bühne“, erklärt Jana Wenzel.

Anlieferung sechs Tagen die Woche

Darauf wird der Beton „im freien Versturz eingebracht, sodass der Schacht nach Abschluss der Arbeiten zwischen dem späteren Pumphorizont des Grubenwassers und der Rasenhängebank verfüllt ist“. Um das Material für die Verfüllung bereitzustellen, finden derzeit an sechs Tagen pro Woche (Sonn- und Feiertage ausgenommen) pro Tag rund 140 Lkw-Anlieferungsfahrten statt.

Schacht 1 ist bereits versiegelt

Bereits Anfang Februar war der Schacht 1 des Standorts Fürst Leopold explosionsfest versiegelt und verschlossen worden. Seit Oktober 2017 hatte es dort Bauarbeiten gegeben. Der Schacht Leopold 1 wurde mit dem weltweit erstmals eingesetzten Verfahren der sogenannten Kletterschalung zu einem Brunnen umgebaut. Heißt: „Über die offene Brunnenröhre kann, sofern es erforderlich würde, eine Tauchmotorpumpe bis in das Pumpniveau eingelassen werden“, sagt Jana Wenzel.

Aufbohren möglich

Der mit einer homogenen Verfüllsäule und einer Holzkassette als Widerlager ausgestattete Schacht 2 dient künftig als Reserveschacht: „Im Falle einer Aktivierung kann die Betonsäule mittels moderner Bohrverfahren aufgebohrt und so der Zugang zum tiefen Grubenwasserspiegel hergestellt werden.“

Einjährige Verzögerung

Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein. „In der Praxis führten wetter- und prozessbedingte Verzögerungen dazu, dass der ursprünglich geplante Verfüll-Rhythmus nicht durchgeführt werden konnte“, erklärt Jana Wenzel die Verzögerung. Wenn die Verfüllarbeiten Ende März beendet und die Schachthalle sowie der Stützbock am Gerüst abgebaut sind, kann laut RAG die Industrie- und Denkmalstiftung mit der geplanten Sanierung des Fördergerüsts von Schacht 2 beginnen.

Gelände wird wieder eingefriedet

Und was wird aus der Lüfteranlage? „Die Seilscheibenverlagerung wird demontiert, die Schleuse bleibt bestehen“, so Jana Wenzel. Die fortwährenden Geräusche, die aus dem Gebäude nach außen drangen, sind jedenfalls weg, da die Hauptlüfteranlage inzwischen außer Betrieb gegangen sei. Nach den Ende der Schachtverfüllung wird das Gelände wieder mit Zäunen eingefriedet, mit gleich zwei Eigentümern: Das Fördergerüst gehört der Industriedenkmalstiftung, der Rest der RAG.

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