Heinz-Dieter Tiemeyer und Dirk Rosenberg von der Tiemeyer AG mit Dietmar Storm (Köpper Automobile) vor dem VW-Autohaus am Duvenkamp, das bald den Namen Tiemeyer trägt. Mercedes Köpper ist von der Übernahme nicht betroffen. © Robert Wojtasik
Autohandel

Köpper-Übernahme: Tiemeyer sagt kleinen Autohändlern schwere Zeiten voraus

Einer der größten Autohändler Deutschlands für VW und Audi mischt ab 2021 auch in Dorsten mit. Aus Köpper wird Tiemeyer. Kleinere Händler werden es schwer haben, sagt Heinz-Dieter Tiemeyer.

Mit Übernahmen kennt Heinz-Dieter Tiemeyer sich aus. In den vergangenen Jahren hat seine Tiemeyer AG unter anderem Autohäuser in Oberhausen, Remscheid oder Finnentrop übernommen. Demnächst tragen auch zwei Köpper-Häuser in Dorsten (Mercedes Köpper ist von der Übernahme nicht betroffen) und eines in Dülmen seinen Namen. Eine Übernahme im Lockdown ist aber auch für Tiemeyer neu.

„Wir hoffen auch, dass wir das nicht noch mal machen müssen“, sagt Heinz-Dieter Tiemeyer und spielt damit auf den Lockdown an. Durch die Schließung der Verkaufsräume brachen bundesweit die Umsätze im Autohandel besonders im April (- 45,5 Prozent) ein. Im ersten Halbjahr 2020 gingen die Umsätze im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2019 um rund 18 Prozent zurück. Lieferwege waren plötzlich gekappt, die Kundennachfrage brach zusammen.

Gebrauchtwagen-Geschäft zieht nach erstem Lockdown an

Mit Ende des ersten Lockdowns zog das Geschäft mit Gebrauchtwagen allerdings massiv an. Tiemeyer verkaufte in diesem Jahr mehr als 21.000 Gebrauchtwagen und knapp 12.000 Neuwagen an seinen 24 Standorten in NRW. Der erwartete Jahresumsatz liegt bei 790 Mio. Euro (Vorjahr: 682 Mio.).

Zahlen, die zeigen, dass ein großer Player nach Dorsten kommt. „Die Kleinen verschwinden nach und nach“, sagt Tiemeyer. Köpper sei zwar kein Kleiner und vor allem kein Sanierungsfall. „Aber die Familie Salamon hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich zu einem Verkauf entschlossen. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern um dem Unternehmen eine Perspektive zu bieten.“ Händler mit zwei oder drei Autohäusern würden es künftig schwer haben, die Branche verändere sich rasant.

Die Tiemeyer-Gruppe von Heinz-Dieter Tiemeyer ist nach der Köpper-Übernahme ab 2021 an 26 Standorten in NRW vertreten.
Die Tiemeyer-Gruppe von Heinz-Dieter Tiemeyer ist nach der Köpper-Übernahme ab 2021 an 26 Standorten in NRW vertreten. © Robert Wojtasik © Robert Wojtasik

Alle 147 Köpper-Mitarbeiter an den Standorten in Dorsten (Borkener Straße, Duvenkamp) und Dülmen inklusive der 23 Azubis werden übernommen. „Eigentlich wächst das Personal in den Autohäusern, wenn wir übernehmen“, so Tiemeyer. „Weil wir drei- bis viermal so viele Gebraucht- und Neuwagen verkaufen, als es an solchen ländlichen Standorten normalerweise der Fall ist.“

Bei Tiemeyer scannt ein zehnköpfiges Einkaufs-Team täglich den europäischen Gebrauchtwagen-Markt. Auch eine eigene Marketing-Abteilung leistet sich das Unternehmen. „Für unsere Mitarbeiter ändert sich nichts“, sagt Dietmar Storm, Geschäftsführer der Automobile Köpper GmbH. „Außer eben beim Einkauf und Marketing. Da ist vieles in Personalunion gemacht worden, weil wir einfach nicht die Manpower dazu haben.“ Storm geht Ende Januar nach 47 Jahren im Autohandel, davon knapp 10 bei Köpper, in den Ruhestand.

Neun von zehn Autohäusern ohne konkrete Digitalstrategie

Wie die immer noch sehr analoge Branche sich digitalisiert, erlebt Storm dann als Beobachter. Laut einer Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hatten im vergangenen Jahr neun von zehn Autohäusern keine konkrete Digitalstrategie. Fast die Hälfte plant auch nicht, entsprechende Ziele festzuschreiben. „Kunden wollen eben noch den persönlichen Kontakt und die Beratung“, sagt Heinz-Dieter Tiemeyer. Am Digitalen werde man aber nicht vorbeikommen.

Beim Thema Elektromobilität rechnet Tiemeyer damit, dass die EU ab 2030 die Zulassung von Autos mit Verbrennungsmotor verbietet. Volkswagen habe aber den Anspruch, Weltmarktführer in Sachen E-Mobilität zu werden und werde den Markt mit neuen Modellen fluten.

VW mit Lieferproblemen bei E-Autos

Zuletzt hatte VW Schwierigkeiten, genug E-Autos zu liefern. Köpper investierte in Dorsten und Dülmen, um die Häuser zu E-Mobilitätsstandorten auszubauen. „Jetzt warten wir nur darauf, dass die Lieferfähigkeit besser wird“, sagt Dietmar Storm.

Der ID.3, der nach Käfer und Golf der dritte ganz große Wurf von Volkswagen werden soll, hatte so zwar einen holprigen Start, ist aber schon jetzt das meistverkaufte Elektroauto Europas. Ab 2021 wird mit dem ID.4 der erste Elektro-SUV von VW verkauft.

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Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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