Seit Mittwoch dürfen nur noch geimpfte und genesene Gäste ins Restaurant. Ungeimpfte müssen zu Hause bleiben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Gastronomie in Dorsten: Weihnachtsessen werden reihenweise abgesagt

Die betriebliche Weihnachtsfeier - abgesagt. Das große Familienessen am Feiertag - storniert. Dorstens Gastronomiebetriebe leiden unter Absagen und fürchten einen neuerlichen Lockdown.

Corona wütet weiter, und die Gastronomie erlebt gerade eine Stornierungswelle. Die mag unterschiedlich heftig ausfallen, ist aber überall spürbar. „Auch wenn der überwiegende Teil unserer Gäste geimpft ist“, erzählt Steffen Surray von Maas-Timpert, „verzeichnen wir gerade vor allem Absagen von größeren Gruppen. Die Menschen haben einfach Angst und sind vorsichtig.“

Während Surray noch hofft, dass er die Absagen größerer Gruppen durch Buchungen von Vierer- oder Zweier-Tischen etwas kompensieren kann, verzeichnet Thomas Püttmann vom Restaurant „Zum Blauen See“ auch schon zahlreiche Absagen kleiner Gruppen. „Angesichts der alarmierenden Corona-Zahlen sind die Leute einfach vorsichtig“, erklärt er. „Die größeren Gruppen haben für die Vorweihnachtszeit schon abgesagt, und auch Reservierungen von zwei und und vier Personen werden storniert.“

Schon jetzt werden Familienessen an Weihnachten abgesagt

Dirk Homfeldt von Kösters Bierstuben in Lembeck teilt die Erfahrung seiner Kollegen. „Größere Gruppen sagen oft ab, weil sie lieber Vorsicht walten lassen wollen“, berichtet er aus seinem Stornierungs-Alltag. Manchen sei die Gesamtlage zu ungewiss, sie sagen frühzeitig ab, um nicht kurzfristig ihre gesamte Planung auf den Kopf stellen zu müssen. Auch für die Weihnachtstage seien ihm schon zwei Absagen ins Haus geflattert.

Dirk Homfeldt ist froh, dass sich seine Gäste überwiegend kooperativ verhalten. Auch er muss mit Stornierungen leben.
Dirk Homfeldt ist froh, dass sich seine Gäste überwiegend kooperativ verhalten. Auch er muss mit Stornierungen leben. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Am Freitag sollte „Lembeck leuchtet“ stattfinden – abgesagt. Dass Homfeldt nicht auf 150 Litern Glühwein und 50 Litern Kakao für das Event sitzengeblieben ist, hat er der Kulanz seines Lieferanten zu verdanken, der die Ware kostenlos zurückgenommen hat.

Nicht wieder verderbliche Lebensmittel vernichten

Auf äußerst vorsichtige Vorratshaltung hat auch Bernd Humbert vom gleichnamigen Wulfener Gasthaus umgestellt. Im siebenmonatigen Lockdown habe er eine Menge verderblicher Lebensmittel und Getränke vernichten müssen, berichtet der Hotelbesitzer. Das soll möglichst nicht noch einmal geschehen. Deshalb bestellt er zurückhaltend und mit Übersicht. Denn täglich müssen auch in seinem Haus Stornierungen entgegengenommen werden. Und wer nicht komplett absage, korrigiere zumindest die Personenzahl nach unten.

Renate und Bernd Humbert registrieren derzeit Stornierungen für ihr Restaurant und den Hotelbetrieb.
Renate und Bernd Humbert registrieren derzeit Stornierungen für ihr Restaurant und den Hotelbetrieb. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Zu den Umsatzeinbußen im Restaurant kommen bei Humbert auch viele Absagen im Hotel. Die er Übernachtungsgästen ebenso wenig in Rechnung stellen kann wie Restaurantbesuchern. „Gekniffen sind am Ende immer wir“, konstatiert Humbert und spricht damit für die ganze Branche.

Alles tun, damit es keine Schließung gibt

„Hauptsache, es gibt nicht wieder eine Schließung“, drückt Steffen Surray eine Hoffnung aus, die sicherlich all seine Kollegen teilen. Auch er sagt, dass „den Letzten die Hunde beißen“, man aber froh sein müsse, wenn man den Laden überhaupt noch offen halten dürfe.

Thomas Püttmanns Bilanz fällt drastischer aus: „Wir Gastronomen sind seit zwei Jahren die Sündenböcke.“ Für ihn wäre die Regel 2G+ (Geimpft, genesen plus frisch getestet) ein Lockdown durch die Hintertür. „Spontan geht doch keiner mehr ins Restaurant, wenn er sich vorher testen lassen muss.“ Von der Regierung wünscht der Restaurantbesitzer sich eine Impfpflicht.

Thomas Püttmann Zum Blauen See
Thomas Püttmann ist das Lachen vergangen: Bei ihm trudeln täglich Stornierungen ein. Dafür lassen die Überbrückungshilfen auf sich warten. © Ralf Pieper (A) © Ralf Pieper (A)

Auch Steffen Surrey hofft, dass alles getan wird, um einen neuerlichen Lockdown zu vermeiden. Alle befragten Gastronomen befürworten die seit Mittwoch (24. November) geltende 2G-Regel. Ihre Gäste seien schon seit Wochen daran gewöhnt, dass sie beim Betreten des Restaurants kontrolliert werden. Das führe nur selten zu Diskussionen.

Steffen Surray (l.) und sein Bruder Sebastian von der Gaststätte Maas-Timpert hoffen, dass sie die Absagen von Gruppen noch durch individuelle Buchungen kompensieren können. © Maas-Timpert © Maas-Timpert

Dirk Homfeldt musste einen Stammgast nach Hause schicken, der seinen Personalausweis nicht vorzeigen wollte. Er freut sich aber auch über Gesellschaften, die freiwillig geimpft und zusätzlich getestet in sein Lokal kommen, um größtmögliche Sicherheit für sich und andere herzustellen. Da sei die Solidarität im Dorf wohl noch größer als in großen Städten, vermutet Homfeldt.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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