In der Friseurbranche kennt sich Alfred Sartory aus, doch Kunden hat der Dorstener niemals selbst die Haare geschnitten oder den Bart gestutzt. © Daniel Morsey / IHK Nord Westfalen
Altstadt Dorsten

Friseurmeister, der nie Haare geschnitten hat, gibt letzten Salon ab

Er ist wohl der einzige Friseurmeister Dorstens, der niemals einem Kunden die Haare geschnitten hat. Ende des Jahres macht er aber einen „Cut“ - und gibt seinen letzten Salon ab.

Er gilt als einer der wohl umtriebigsten Unternehmer der letzten Jahrzehnte in Dorsten. Auch weil er die Stadt, seine Heimatstadt, stets „nach vorne bringen“ wollte. Doch mit nun 72 Jahren will Alfred Sartory tatsächlich kürzertreten.

Zum Jahresende gibt „Freddy“, wie ihn Freude und Bekannte nennen, seinen letzten Friseur-Salon („Hair-Pirat“) in der Altstadt ab. Eine Zäsur für den Mann, der die Friseurbranche im In- und Ausland seit mehr als vier Jahrzehnten wie kaum jemand sonst in der Region kennt. Der aber auch von sich sagt: „Ich habe zwar den Meister gemacht, aber niemals im eigenen Salon Haare geschnitten.“

Die Friseurbranche war sein Leben

Sein erster Schwiegervater hatte ihm den Umgang mit Schere und Kamm schmackhaft gemacht, doch schnell war klar, das Alfred Sartory wohl niemals selbst Hand anlegen würde. „Ich wollte die Branche kennenlernen“, gibt er zu. 1978 eröffnete er die ersten beiden Friseursalons mit Sonnenstudio in Holsterhausen, später kamen weitere Salons in Hervest-Dorsten und in der Altstadt dazu.

Außerdem beriet er mit der Interpartner GmbH Existenzgründer, richtete im Laufe der Jahre mehr als 1000 Salons ein. Dazu wurden auch schon mal alte Gerüstbohlen vom Kölner Dom und der Dresdner Frauenkirche gekauft, um daraus handgefertigte Einrichtungsgegenstände zu produzieren.

Lokale Netzwerke sind wichtig

Sein Interesse galt aber nie nur dem eigenen unternehmerischen Erfolg. Alfred Sartory war in den 1980er-Jahren Vorsitzender der Werbegemeinschaft Holsterhausen, engagierte sich auch in Rhade und vor allem in der Altstadt im Vorstand der Kaufmannschaft. „Es war mir immer wichtig, lokale Netzwerke zu schaffen und durch gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen für die ansässigen Unternehmen zu werben, neue Kunden zu gewinnen und damit Kaufkraft dauerhaft zu binden.“

Mit seinem Partner Thomas Hein und mit Unterstützung des damaligen städtischen Wirtschaftsförderers Alfred Weiß erfand er 1997 „Dorsten on Ice“ (später „Dreams on Ice“) und bequatschte einstige Kufen-Größen wie Norbert Schramm und Marina Kielmann, auf dem Marktplatz Pirouetten zu drehen. „Das war eine aufregende Zeit“, sagt er rückblickend. „In Oberhausen eröffnete das Centro und wir mussten in Dorsten etwas tun.“

Unternehmerverein gegründet

In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um Sartory geworden, auch wenn er im Unternehmer-Verein „Sag Ja zu Dorsten“, den er vor 16 Jahren mitgründete, noch immer eine starke Stimme hat. Die Interpartner GmbH hat er 2018 an seinen langjährigen Geschäftsführer Boris Bächle verkauft. Die Firma hat ihren Sitz von der Schiffbauerstraße nach Bochum verlegt.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lurdes leitet er noch die Smart GmbH an der Baldurstraße, die 1992 unter dem Namen „Sartory Friseur GmbH“ gegründet wurde und verschiedene Projekte vereint. Dazu zählen der 2007 eröffnete „Hair-Pirat“ in der Dorstener Fußgängerzone sowie seit 2012 der daran angeschlossene „Barbershop“. Sein Unternehmen „Containhair“ bietet mobile Friseur-Container auf Miet- oder Kaufbasis an.

Den Salon gibt Sartory zum Jahresende ab, „alle Mitarbeiter werden vom neuen Eigentümer übernommen“, betont er. Auch in der Smart GmbH ist sein Abschied absehbar. Mehr Zeit für Ehefrau und Schäferhund will der 72-Jährige haben – „bei bester Gesundheit“, wie er betont.

Was nach einem Herzinfarkt vor 17 Jahren nicht unbedingt selbstverständlich ist für einen agilen Unternehmer.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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