Die Aufmerksamkeits-Kampagne einer Friseurin aus Dorsten geht inzwischen viral. Tausende Kolleginnen und Kollegen machen mit. © pivat
Coronavirus

Friseur-Hilferuf aus Dorsten bekommt bundesweite Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit wollte sie erzielen, und das ist Sandra Sartory offenkundig gelungen. Die Friseurin aus Dorsten hat im Internet einen Hilferuf veröffentlicht. Der geht inzwischen viral.

Zwölf Wochen war der Salon von Sandra Sartory am Ostwall im vergangenen Jahr geschlossen. Den Umsatzverlust beziffert die Friseurmeisterin auf 25 Prozent. So geht es vielen Kolleginnen und Kollegen derzeit. „In unserer Branche geht die Existenzangst um“, sagt die Dorstenerin. „Es drohen tausende Insolvenzen.“

Gastronomie, Künstler und der Handel haben es vorgemacht. Vor wenigen Tagen hat sich Sandra Sartory entschlossen, eine Kampagne in den sozialen Netzwerken zu starten, um auf die Sorgen des Friseurhandwerks hinzuweisen. „Wir machen AUFmerksam!“, heißt sie und wurde am Montag (11. Januar) zunächst über Instagram verbreitet, später auch über Facebook. Der Aufruf ist, wie es so schön heißt, „viral gegangen“.

Mehr als 40.000 Frisöre in Deutschland und Österreich haben sich dieser Initiative bereits angeschlossen, haben den Post der Dorstenerin geteilt oder abgewandelt. „Unglaublich, es werden jeden Tag mehr“, freut sich die Initiatorin, räumt aber auch ein: „Ich musste erst mal Überzeugungsarbeit leisten.“

„Wir wollen nicht rebellieren“

In vielen Telefonaten hat sie befreundeten Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet am letzten Wochenende ihre Intention erklärt: „Wir wollen nicht rebellieren, wir halten uns an alle angeordneten Maßnahmen. Aber es funktioniert nicht um jeden Preis. Wir brauchen eine angemessene Entschädigung, um zu überleben und Arbeitsplätze zu sichern.“

Was für Sandra Sartory genauso wichtig ist: Es handelt sich nicht um einen Aufruf zu einer Demonstration. „Wir distanzieren uns von Corona-Leugnern, Maskenverweigerern und Querdenkern. Wir möchten ausschließlich auf unsere Situation aufmerksam machen.“ Das scheint gelungen, mittlerweile haben sich die ersten Fernsehsender bei der Dorstenerin gemeldet. Und sie hat mit wildfremden Kolleginnen und Kollegen gesprochen. „Sie haben teilweise am Telefon geweint vor Verzweiflung.“

Sandra Sartory betont, dass sie nicht zu einer Demo aufruft. „Wir halten uns an alle Regeln, fürchten aber um unsere Existenz.” © privat © privat

Die gewünschte Aufmerksamkeit hat sie, jetzt hofft Sandra Sartory auf Hilfe aus der Politik. „Wir haben keine Möglichkeit eines Onlinehandels, wir können auch nichts To go anbieten, unsere Dienstleistung ist unser Kapital.“ Die Friseurmeisterin gibt zu, dass auch ihre Rücklagen „irgendwann aufgebraucht“ sind.

Sandra Sartory denkt auch an ihre fünf Angestellten. Die hätten vor dem zweiten Lockdown bis zu 18 Stunden pro Tag geschuftet, um noch alle Kundenwünsche zu erfüllen. „Obwohl wir alle Hygienevorschriften extrem einhalten, wissen wir nicht, wann und wie es weitergeht. Das kann nicht die Lösung sein.“

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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