Marco Henschel wartet wie viele andere Gastronomen in Dorsten auf die zugesicherten Finanzhilfen. Bislang ist lediglich ein Vorschuss auf die Novemberhilfen angekommen. © Anke Klapsing-Reich (Archiv)
Coronakrise

Finanzhilfen im Lockdown: Bei Dorstens Gastronomen ist bislang kaum etwas angekommen

Mehr als zwei Monate sind Restaurants in Dorsten nun schon geschlossen. Die Regierung hat finanzielle Unterstützung zugesichert, doch in Dorsten ist davon bislang wenig angekommen.

Seit vergangenem Dienstag fließen laut Bundeswirtschaftsministerium erste Gelder der Dezemberhilfen. Dabei handelt es sich um Abschlagszahlungen, also Vorschüsse auf spätere Zahlungen. In Dorsten sind bei vielen Gastronomen aber noch nicht mal die Novemberhilfen komplett angekommen.

„Wir haben bislang eine Abschlagszahlung für die Novemberhilfe erhalten“, sagt Stavroula Potsi, Inhaberin vom Brauhaus am Brauturm in Wulfen. „Mehr aber auch nicht.“ Man bekomme auch kaum Informationen. „Das ist alles ganz, ganz schlecht organisiert. Mit Worten wird viel gemacht, aber die Taten fehlen.“

Außer-Haus-Verkauf läuft schleppend

Hinzu kommt, dass der Außer-Haus-Verkauf inzwischen nur noch sehr schleppend läuft. „Das war beim ersten Lockdown noch anders“, so Potsi. „Aber inzwischen sind Menschen arbeitslos geworden und je länger sich das alles hinzieht, desto normaler wird es.“ Aber alle Aufregung bringe am Ende nichts. Deshalb gilt bei Stavroula Potsi: „Augen zu und durch!“

Bei Thomas Püttmann ist sogar „noch gar nichts von der Novemberhilfe angekommen“, wie der Inhaber des Restaurants Zum Blauen See sagt. Das sei natürlich nicht zufriedenstellend, man müsse eben weiter warten.

„80 Prozent haben noch gar nichts bekommen“

Marco Henschel vom Restaurant Henschel hat die Novemberhilfen gleich am ersten Tag beantragt. Angekommen ist bislang eine Abschlagszahlung in Höhe der Hälfte der gesamten Novemberhilfen. „Von unseren Lieferanten weiß ich, dass 80 Prozent noch gar nichts bekommen haben“, so Henschel.

Vor dem Ruin steht Henschel deswegen nicht. Er betreibt das Restaurant zusammen mit seiner Mutter. „Meine Mutter ist seit 57 Jahren selbstständig, wenn wir jetzt verhungern würden, hätten wir etwas falsch gemacht.“ Aber es sei natürlich auch nicht Sinn der Sache, dass jetzt das mühsam angesparte Eigenkapital herhalten muss.

„Es ist halt insgesamt eine scheiß Situation für alle“, sagt Sebastian Surray, Küchenchef im Restaurant Maas-Timpert. Wie im Frühjahr wisse man nun wieder nicht, wie lange der Lockdown noch dauert. Und damit sind auch wieder die Ängste da, ob der eigene Betrieb es überlebt. Wenn dann die Finanzhilfen auch noch so lange auf sich warten lassen, „ist das Geld halt irgendwann zu Ende“.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
Zur Autorenseite
Robert Wojtasik

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.